Auch Residenz-Betreiber bedauern Vorhaben

Schließungspläne der Kasseler Sparkasse: Senioren kritisieren Wegfall des Geldautomaten

Die Empörung unter den Bewohnern ist groß: Thilo von Madeyski (links) und Horst Krebs können nicht nachvollziehen, dass der Geldautomat am Augustinum abgeschafft werden soll.
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Die Empörung unter den Bewohnern ist groß: Thilo von Madeyski (links) und Horst Krebs können nicht nachvollziehen, dass der Geldautomat am Augustinum abgeschafft werden soll.

Die Empörung bei vielen Bewohnern der Seniorenresidenz Augustinum ist groß. Die Sparkasse will schon zum Ende des Monats den Geldautomaten in der Residenz abschaffen.

Kassel ‒ „Das ist das Thema hier im Haus“, sagt ein Anwohner. Im Gespräch sei, ob man Unterschriften sammele, um damit möglicherweise etwas gegen die Entscheidung der Sparkasse zu bewirken. Das Geldinstitut hatte bekannt gegeben, dass zum Ende des Monats 21 Selbstbedienungsstandorte und Geldautomaten in Stadt und Kreis abgeschafft werden. Einer davon steht im Augustinum.

„Wir sind sehr ungehalten über diesen Vorgang. Erst wurde die Filiale geschlossen und nur ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker zurückgelassen“, sagt Horst Krebs, der in der Seniorenresidenz lebt. Überweisungen habe man nur noch in der Wilhelmshöher Allee tätigen können. Von Betreuung und Service im Haus habe man da zuletzt ohnehin nicht mehr reden können.

Viele Bewohner hätten ihre Konten zur Kasseler Sparkasse verlegt und auf einen guten Service gehofft, erzählt Krebs. Besonders für die, die nicht mehr mobil seien, sei der Wegfall des Automaten ein großes Problem. Auch viele Anwohner aus der näheren Umgebung würden den Automaten nutzen.

„Die Bewohner des Augustinums Kassel wohnen gern hier“, unterstreicht Bewohnerbeirätin Renate Krebs. Grund dafür sei auch die Ladenzeile mit kleinen Geschäften, in der man Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen könne, der Friseursalon und die Poststelle, und bis vor ein paar Jahren eben die Zweigstelle der Kasseler Sparkasse mit stundenweisem persönlichem Service. Es habe die Möglichkeit gegeben, ein Schließfach für persönliche Unterlagen zu mieten sowie alltäglichen Geldgeschäfte zu erledigen. Schon vor vier Jahren habe dann die Sparkasse die Servicestelle geschlossen und nach großen Bemühungen der Direktion zwei Automaten zur Verfügung gestellt. Es gab dann bis 2020 vierzehntägige Termine für persönliche Beratungen, der aber wegen der Pandemie eingestellt werden musste und bislang nicht wieder ins Leben gerufen wurde.

Man wisse von vielen Bewohnern, dass sie beim Einzug ihr Girokonto bewusst bei der Kasseler Sparkasse eingerichtet haben, um noch selbstständig Geldgeschäfte im Haus erledigen zu können. Die Nachricht habe im Haus zu einem „riesigen Aufschrei“ geführt, so Krebs. Man frage sich: Ist das die neue „Kundenorientierung“ der Kasseler Sparkasse? Sind die älteren Mitbürger nicht mehr interessant? Oder ist man an Privatkunden gar nicht mehr interessiert?

Beim Betreiber der Seniorenresidenz, der in München ansässigen Augustinum-Unternehmensgruppe, ist man ebenfalls unzufrieden mit der Sparkasse: „Wir bedauern außerordentlich, dass die Kasseler Sparkasse ihre SB-Geräte für die Bewohner im Augustinum Kassel nicht mehr länger anbieten will. Dass wir darüber erst vor wenigen Tagen informiert wurden, ist für uns angesichts einer langjährigen Geschäftsbeziehung durchaus befremdlich, umso mehr, da die Sparkasse in der Vergangenheit immer wieder versichert hatte, ihr Angebot aufrechtzuerhalten. Verständlicherweise sind Bewohner sehr verärgert. Wir haben die Sparkasse bereits aufgefordert, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.“

Auch den Geldautomaten im Eingangsbereich der Kurhessen-Therme will die Kasseler Sparkasse nicht weiter betreiben. Thermen-Betriebsleiter Marcus Jungermann berichtet auf Anfrage der HNA, dass er noch keine Info seitens der Sparkasse über Rückbau-Pläne habe. „Das die Entscheidung der Sparkasse. Unseren Betrieb wird das nicht stören“, sagt er. Der Geldautomat sei zwar gelegentlich genutzt worden, allerdings sei im gesamten Haus bargeldlose Bezahlung möglich, etwa über den Eingangschip, den alle Thermen-Besucher bekommen. „Bargeld hat als Bezahlmethode bei uns stark an Bedeutung verloren.“ Daher plane die Kurhessen Therme nicht, einen anderen Anbieter als Ersatz zu holen.

Ein weiterer Sparkassen-Automat in Bad Wilhelmshöhe, der wegfallen soll, steht im Tegut-Supermarkt auf der Marbachshöhe. Tegut war gestern für keine Stellungnahme zu erreichen. (Kathrin Meyer und Gregory Dauber)

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