Bau-Ratgeber für fast 28.000 Euro

Schön, aber auch schön teuer: Stadt leistet sich Broschüre für Villenviertel

Nützlicher Ratgeber oder teure Selbstdarstellung? Die Broschüre über das Bauen in der Villenkolonie Mulang, die die Stadt kostenlos verteilt, steht in der Kritik. Unser Foto ist auf der Kurhausstraße entstanden. Foto: Koch

Kassel. Schön anzusehen sind die 44 in braun und schwarz-weiß gehaltenen Seiten. Auch das Papier ist hochwertig. Dass der „Ratgeber für das Bauen in der Villenkolonie Mulang in Kassel-Bad Wilhelmshöhe“ seinen Preis hatte, wird auf den ersten Blick deutlich. 27.817 Euro hat das Werk gekostet. 

Das erklärte Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) den Stadtverordneten.

Danach gefragt hatte CDU-Fraktionschef Dr. Norbert Wett, der die Broschüre als „teure Selbstdarstellung“ kritisierte. Zum Vergleich zog er die Schließung des Jugendcafés heran, die dem städtischen Haushalt jedes Jahr Ausgaben von knapp 20.000 Euro erspart. So hakte er nach, ob Nolda die Kosten für die Broschüre für angemessen halte, worauf dem Stadtbaurat eine Antwort nicht recht einfiel.

Die Villenkolonie Mulang im Regiowiki.

„Die Erstellung dieser Broschüre hätte man sich angesichts eines sich abzeichnenden defizitären Haushalts durchaus sparen können“, teilte Wett mit. Für ihn ist die Broschüre ein Beleg, „dass der rot-grüne Magistrat eindeutig falsche Prioritäten setzt“.

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Kritik der CDU nicht. Für die 27.817 Euro sind 1000 Exemplare erschienen. Eine Broschüre hat also umgerechnet fast 28 Euro gekostet. In großzügiger Optik geht es zunächst um einen geschichtlichen Abriss über die Villenkolonie, später wird über Um-, An- und Neubauten sowie über Sanierung und Modernisierung bestehender Gebäude informiert. Gezeigt werden einige gelungene Modernisierungs-Beispiele. All das soll auch noch in einer Präsentation für das Internet aufbereitet werden, teilte die Stadt mit.

Historische Bilder der Villenkolonie

Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang

Im Vorwort der Broschüre schreibt Stadtbaurat Nolda: „Die Villenkolonie ist heute mit ihren verschiedenen Zeitepochen und Stilmitteln ein vielfältiges Villenviertel mit einer ungebrochen hohen Anziehungskraft. Sie besitzt eine besondere Wohnqualität, die es zu erhalten und zu stärken gilt. Vor diesem Hintergrund legt die Stadt Kassel den Ratgeber für das Bauen in der Villenkolonie Mulang vor.“

Erreicht werden sollen damit Eigentümer, Architekten und Bauwillige im Quartier, aber auch die Stadtgesellschaft. „Die Broschüre ist Bestandteil des eingeleiteten Prozesses der Baukultur in Kassel“, sagte Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. In der Villenkolonie stehen etwa 240 Wohnhäuser, etwa 70 sind eingetragene Denkmäler.

Einige Informationen in dem Ratgeber sind jedoch nicht allzu neu. So heißt es zum Beispiel im Abschnitt zu Um-, An- oder Neubauten: „Für den Abriss von Teilbereichen eines Hauses oder seines Bestandes insgesamt, ist ein entsprechender Antrag zu stellen. Er wird in der Regel dann bewilligt, wenn das betroffene Haus oder der Hausteil nicht prägend für die Villenkolonie ist und es nicht unter Denkmalschutz steht.“

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