Rückblick auf Zwischenfall beim Treffen von Brandt und Stoph 1970

Schon einmal gab es in Kassel Ärger um eine Flagge

Großes Medieninteresse: Beim deutsch-deutschen Treffen am 21. Mai 1970 im Schlosshotel rissen drei junge Männer die DDR-Flagge vom Mast. Das sorgte für diplomatische Verwicklungen. Archivfotos:  Baron

Der Bergpark Wilhelmshöhe war am Dienstag nicht zum ersten Mal Schauplatz einer politischen Demonstration, bei der eine Fahne im Mittelpunkt stand.

Bundesweit für Schlagzeilen sorgte ein Zwischenfall im Jahr 1970: Vor 45 Jahren trafen sich Bundeskanzler Willy Brandt und der DDR-Ministerpräsident Willi Stoph zum deutsch-deutschen Gipfel im Schlosshotel Wilhelmshöhe. Das Treffen wurde von Journalisten aus aller Welt beobachtet. Drei junge Rechtsradikale aus Schleswig-Holstein sorgten für einen Eklat. Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen gelang es ihnen, die DDR-Fahne von einem der Masten vor dem Schlosshotel herunterzureißen.

Mit einem Taschenmesser schnitten sie die Seile durch, mit denen die DDR-Flagge befestigt war. Zahlreiche Fotografen und Kameraleute dokumentierten, wie die Flagge mit Hammer und Zirkel-Symbol entfernt wurde.

Gegen Ostpolitik

Die drei Männer gaben an, dass sie gegen die Ostpolitik Willy Brandts protestieren wollten. Ein größeres Forum dafür hätten sie im Mai 1970 kaum finden können. Über 1000 Journalisten hatten sich zu dem historischen Ereignis angemeldet.

Polizei gegen Demonstranten: Die Aufnahme entstand am Weinberg vor dem Fürstengarten.

Doch wie gelang es den Männern, die Absperrungen zu überwinden? Ganz einfach. Sie schmuggelten sich in den Pressebus, der vom Bahnhof Wilhelmshöhe den Pulk der Politikerlimousinen begleitete. Vor dem Schlosshotel gaben sie sich als Journalisten aus und kamen so ungehindert bis zu dem Fahnenmast. Bevor die politischen Gespräche begannen, beschwerte sich Stoph bei Brandt über den Zwischenfall. Mitarbeiter hatten ihn informiert.

Brandt entschuldigte sich bei seinem Gast. Im Laufe des Tages kam es noch zu weiteren Zwischenfällen. Die Stimmung zwischen linken und rechten Demonstranten aus der ganzen Bundesrepublik war ausgesprochen angespannt. Es gab Prügeleien, die die Polizei kaum unter Kontrolle bekam. Die Situation beruhigte sich erst wieder, nachdem sich die DDR-Delegation gegen 22 Uhr am Bahnhof Wilhelmshöhe aus Kassel verabschiedet hatte.

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