Geschäft will der Wegwerfgesellschaft entgegenwirken

Second-Hand-Läden in Kassel: Kontaktladen macht Namen Ehre

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Haben ein breites Sortiment: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kontaktladens (von links) Marion Waack, Leokadia Ulner, Hasan Alkhalaf, Kathrin Krüger und Barbara Schwarz verkaufen gespendete Second-Hand-Artikel.

Kassel. Immer mehr Menschen kaufen lieber gebrauchte Dinge, als Geld für Neues auszugeben. In Kassel gibt es zahlreiche Second-Hand-Läden: Im Kontaktladen ist "Kontakt" Programm.

Die Regale sind bis zur Decke mit Klamotten, Spielen und Geschirr gefüllt. In den engen Gängen des kleinen Ladens herrscht geschäftiges Gewusel. Kinder, junge Erwachsene und Senioren bitten höflich um Entschuldigung, wenn sie sich – vollgepackt mit einem bunten Sammelsurium an Second-Hand-Artikeln – auf dem Weg zur Kasse aneinander vorbeidrängen. Im Kontaktladen an der Kunoldstraße findet wirklich jeder was.

Das Konzept

Der Kontaktladen möchte mit dem Weiterverkauf von ausrangierten Sachen der Wegwerfgesellschaft entgegentreten – und das bereits seit 1979. Da gründete der Verein Kontaktgruppe Hermannstraße um die 2009 gestorbene Margret Muentzenberg den Laden. Verkauft wird alles, was man im Haushalt so braucht – oder eben nicht mehr: Kleider, Bettwäsche, Schuhe, Bücher, Spielzeug, CDs, Küchengeschirr. All das kann man als Spende vorbeibringen. Die Einnahmen werden für wohltätige Zwecke gespendet. Der Laden läuft prächtig – seit 2002 ist er an der Kunoldstraße 16 zu finden. Dort ist mehr Platz als am vorherigen Standort.

Die Atmosphäre

„Bei uns ist eigentlich immer viel los“, sagt Schatzmeisterin Sigrid Suppé, die schon seit Jahrzehnten dabei ist. Wichtig ist ihr, dass das Wort „Kontakt“ hier gelebt wird. „Wir wollen mit den Kunden sprechen. Viele kommen täglich und erzählen uns von ihren Sorgen und Nöten.“ Auch unter den über 60 Freiwilligen, die sich je nach Schicht zu dritt oder sogar zu siebt oder acht um den Laden kümmern, müsse die Chemie stimmen. Das ist wichtig, denn wenn – wie fast immer – viel Betrieb ist, kann die Arbeit anstrengend sein. „Wir müssen den ganzen Tag über aufräumen. Besonders bei den Schuhen ist das eine echte Sysyphus-Arbeit“, sagt Suppé.

Das Günstigste

T-Shirts, Becher und Gläser gibt es ab 50 Cent. Auch Oberteile für ein bis zwei Euro und Hosen für zwei bis vier Euro sind echte Schnäppchen.

Das Teuerste

Pelzmäntel kosten zwischen 20 und 50 Euro – werden aber immer seltener verkauft. „Die Leute sind da mittlerweile sehr sensibel“, sagt Schatzmeisterin Suppé. Besonders hochwertige Geschirrservices und Fahrräder werden ab und zu auch für bis zu 50 Euro verkauft.

Der Dauerbrenner

Täglich in größeren Mengen über die Ladentheke geht alles, was man zum Anziehen so braucht – vor allem Hosen und Oberteile. Auch Spielsachen sind besonders gefragt.

Der Ladenhüter

Lexika, Bildbände und alte Fachbücher will kaum noch jemand. Das Internet hat sie abgelöst.

Das Kurioseste

Es gibt nichts, was sie nicht schon verkauft hätten, sagen die Mitarbeiter. Vom Rollator über eine Playstation 2 inklusive Spiele (die Konsole kam im Jahr 2000 auf den Markt) und ein Buch mit Erscheinungsdatum 1886 sei alles dabei.

Die Kundschaft

„Wir haben viele Stammkunden, aber auch Laufkundschaft“, sagt Sigrid Suppé. Ein älterer Herr frage regelmäßig nach Spielzeugautos, die er an Kitas weitergebe. Auch Sammler von Zinnartikeln oder Schallplatten sind oft da. „Jeder kann kommen. Studenten, Schüler und Einkommensschwache, aber auch alle anderen.“ Dankbar sei man, wenn die Kunden nicht versuchen würden, über die ohnehin schon niedrigen Preise zu verhandeln.

Spenden

Sachspenden können zu den Ladenöffnungszeiten abgegeben werden. „Auch samstags ist eine Gruppe von uns da, die Spenden annimmt“, sagt die Schatzmeisterin. „Das Einzige, was wir nicht nehmen, sind Möbel, Röhrenfernseher und abgelaufene Kindersitze.“ Sie bittet darum, dass diese Gegenstände auch außerhalb der Öffnungszeiten nicht einfach vor dem Laden abgestellt werden – denn für die Entsorgung von Sperrmüll muss der Verein selbst bezahlen.

Wohin das eingenommene Geld gespendet wird, entscheidet ein fünfköpfiges Gremium, dass sich aus Sigrid Suppé, einem weiteren Vorstandsmitglied und drei Mitarbeitern des Kontaktladens zusammensetzt.

• Info: „Kontaktladen“, Kunoldstraße 16, geöffnet Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr

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