900 Züge am Tag

So funktioniert das Stellwerk im Bahnhof Wilhelmshöhe

Bad Wilhelmshöhe. Im Bahnhof Wilhelmshöhe läuft der Zugverkehr rund um die Uhr. Die Bahn hat uns einen Blick hinter die Kulissen des Stellwerks ermöglicht.

Hier knacken die Relais: Reiner Wagner hat jede Menge Erfahrung.

Eigentlich muss Fahrdienstleiter Reiner Wagner (56) gar nicht auf die riesige Übersichtstafel schauen. Nach 40 Jahren bei der Bahn hat er eine Fähigkeit entwickelt, mit der er bei „Wetten, dass ...?“ hätte auftreten können. „Man kann am Knacken der Relais hören, ob etwas nicht in Ordnung ist“, sagt er. Für die jüngeren Kollegen im Stellwerk des Fernbahnhofs Wilhelmshöhe lohnt es sich nicht mehr, sich diese Fähigkeit anzueignen. Nach und nach wird hier im Gehirn des Bahnhofs die komplette Ausstattung digitalisiert.

Noch ist es nicht soweit. Für die Sicherheit im Schienenverkehr rund um Kassel sorgt eine Mischung aus verschiedenen Technikgenerationen. Das ist überall im Netz so, doch in Wilhelmshöhe besonders anspruchsvoll. „Wir haben rund um die Uhr Betrieb“, sagt Reiner Wagner, der stellvertretender Teamleiter ist. 900 Zugfahrten steuern und kontrollieren er und seine 18 Kollegen pro Tag. 

Tagsüber sind es häufiger Personenzüge, die ganze Nacht durch rollen zudem Güterwaggons durch Kassel. Wenn irgendwo eine Weiche klemmt oder ein Signal nicht umschaltet, dann wird das sofort im Stellwerk gemeldet. Auf der Kontrolltafel leuchtet dann ein Lämpchen auf, ein Klingelton weist zusätzlich auf die Störung hin. Die Signale laufen alle über eine riesige Relaisstation im Stellwerk ein. Wenn sich das ständige Knacken anders anhört als sonst, ist das bereits das erste Alarmsignal.

Alles im Blick: So sieht es im Stellwerk am Bahnhof Wilhelmshöhe aus. Vorn ist Fahrdeienstleiter Christian Kraft zu sehen, daneben seine Kollegen René Riemenschneider und Janine Lawson. 

Dann müssen Reiner Wagner und seine Kollegen entscheiden, wie sie das Problem möglichst schnell beheben. Wenn zum Beispiel ein Schotterstein eine Weiche blockiert, dann müssen sie raus und den Schaden so schnell wie möglich beheben. „Sicherheit steht an allererster Stelle“, sagt Teamleiter Dirk Stade. Er erinnert sich an einen Zwischenfall im Gewerbegebiet Waldau. Da löste ein langer Güterzug beim Rangieren immer wieder das Schließen der Schranke am Überweg aus. Die Schlange mit Autos, die zu Ikea und den anderen Geschäften dort wollten, wurde immer länger. Erst, als das Problem im Stellwerk deutlich wurde, konnte es behoben werden.

Die Leit- und Sicherheitstechniker, die dort arbeiten, müssen alle einen technischen Beruf erlernt haben. Darauf aufbauend gibt es eine Zusatzausbildung. Wer die Grundlagen drauf hat, muss noch die Besonderheiten für das jeweilige Stellwerk erlernen.

„Langweilig wird es hier nie“ sagt Reiner Wagner. Das Knacken der Relais hört sich zumindest für ihn gut an. Für alle anderen gibt es Blinklichter und akustische Signale.

Rubriklistenbild: © Koch

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