Ausflug in die Natur als Mangel an Alternativen

Wald wird zum rechtsfreien Raum: Zelten, Grillen, Feiern sind Gefahr für Tiere und Pflanzen

Beliebtes Ausflugsziel nicht nur in Pandemiezeiten: die Waldgebiete im Habichtswald rund um den Herkules.
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Beliebtes Ausflugsziel nicht nur in Pandemiezeiten: die Waldgebiete im Habichtswald rund um den Herkules.

In Zeiten der Pandemie ist die heimatnahe Natur neu entdeckt worden. Auch wer das vorher nicht getan hat, geht jetzt spazieren, wandern oder macht eine Fahrradtour. Die Wälder rund um Kassel sind voll, oft auch, weil es an Alternativen mangelt, die in Coronazeiten erlaubt sind.

Kassel - Das führt aber auch dazu, dass viele Menschen denken, im Wald können sie Dinge machen, die sonst gerade nicht möglich sind. Vor einigen Tagen kam es zu einem Polizeieinsatz am Silbersee im Habichtswald. Dort hatten zwei Familien mit Kindern für einige Tage ihre Zelte aufgeschlagen. Das allerdings ist in Coronazeiten nicht erlaubt. Der dortige Jugendzeltplatz ist aufgrund des derzeit geltenden Beherbergungsverbotes geschlossen. Zuvor hatte bereits ein Mitarbeiter des Naturparks die Familien darauf hingewiesen, dass sie im Wald nicht zelten dürfen – ohne Erfolg. „Sie waren dann aber einsichtig und haben ihre Zelte abgebaut“, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz.

Matthias Schnücker, beim Forstamt Wolfhagen Leiter des Bereichs Dienstleistungen und Hoheit, geht davon aus, dass solche Probleme in den kommenden Wochen, wenn die Temperaturen steigen, eher noch zunehmen werden: „Viele kommen in den Wald, weil sie glauben, dass sie hier Dinge tun können, ohne, dass es jemand bemerkt.“ Einige Bereiche haben sich zu regelrechten Touristen-Hotspots entwickelt, berichtet der Förster. Das Schlimme: Der Wald wird dabei oftmals als nahezu rechtsfreier Raum gesehen, so sein Empfinden.

„Aber wir haben uns die Wanderwege ja nicht als Empfehlung ausgedacht, sondern aus gutem Grund“, sagt Schnücker. Gerade auch mit E-Bikes werde oftmals querfeldein gefahren. Hauptsächlich gibt es die Vorgaben, um Tiere und Pflanzen zu schützen. „Gerade in der Brut- und Setzzeit ist das besonders wichtig“, erklärt Schnücker.

Im vergangenen Jahr hatten hunderte Jugendliche zwischen Herkules und Rasenallee eine verbotene Technoparty gefeiert. Natürlich kann Schnücker verstehen, dass die Sehnsucht nach Zusammenkünften in diesen Tagen groß ist, aber für den sensiblen Naturraum sind menschliche Eindringlinge gefährlich. „Es ist schön, dass die Menschen die Wälder entdecken, aber vielen fehlt jegliches Bewusstsein für Naturschutz.“

Insbesondere der Basaltsteinbruch an der Drusetalstraße übe eine magische Anziehungskraft aus. Regelmäßig findet Schnücker hier Feuerstellen. Dabei ist das Betreten des Geländes eigentlich verboten. Hinzu kommt die Gefahr, dass die illegalen Grillplätze Waldbrände auslösen. „Wenn wir wieder einen so trockenen Sommer bekommen, wird die Gefahrweiter zunehmen“, sagt er.

Der Trend hin zu Outdooraktivitäten ist deutlich zu spüren, bestätigt der Förster. Das habe man auch erkannt und versuche die Möglichkeiten dafür zukünftig noch weiter auszubauen, beispielsweise indem man überlege, legale Übernachtungsplätze und Aufenthaltsmöglichkeiten zu schaffen. (Kathrin Meyer)

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