Intao ist eine virtuelle Firma mit weit verstreuten Mitarbeitern

Dieses Start-up-Paar will die Arbeitswelt von Kassel aus revolutionieren

Kathrin Kroenig und Alain van Gils betreiben ihr Start-up Intao, das Führungskräfte coachen soll, vom Mulang in Kassel aus.
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Sie spielte in der Volleyball-Bundesliga, er Tennis in Wimbledon: Kathrin Kroenig und Alain van Gils betreiben ihr Start-up Intao, das Führungskräfte coachen soll, vom Kasseler Mulang aus.

Eine Deutsche und ein Niederländer trafen sich in Las Vegas und gründeten in Berlin ein Start-up. Nun soll ihre Personal-Coach-App von Kassel aus die Arbeitswelt revolutionieren.

Kassel – Kathrin Kroenig und Alain van Gils arbeiteten schon vor Corona so, als gäbe es das Virus. Sitz ihres 2016 gegründeten Start-ups Intao ist Berlin, die sieben Mitarbeiter leben in ganz Europa, und das deutsch-niederländische Paar ist seit fast zwei Jahren in Kassel zuhause. „Richtig gesehen haben wir uns zum letzten Mal im August 2019. Wir sind eine virtuelle Firma“, sagt Kroenig.

In der Pandemie wurde dies zum Vorteil. Während man sich in anderen Unternehmen erst an Zoom-Konferenzen gewöhnen musste, machten sie bei Intao einfach weiter wie vor Corona.

Dazu passt die Selbsteinschätzung von Kroenig: „Wir sehen uns als Revolutionäre der Arbeitswelt und liefern das Gerüst für die Revolution.“ Gemeint ist ihre Plattform Intao, die so etwas wie ein digitaler Personal Coach für Führungskräfte und Firmen ist. App und digitale Gemeinschaft sollen die Nutzer stärken, um die digitalisierte Welt von morgen zu gestalten.

Das klingt so ungewöhnlich wie der Lebenslauf der beiden Firmengründer. Die gebürtige Berlinerin spielte für den TSV Spandau in der Volleyball-Bundesliga und studierte dank eines Sportstipendiums Psychologie in San Francisco. Nach Stationen in Toronto und Amsterdam lernte sie bei einem Coaching-Seminar in Las Vegas den in London lebenden van Gils kennen.

Als Tennisspieler trat der Niederländer mit dem späteren Profi Richard Krajicek im Doppel-Nachwuchsturnier in Wimbledon an. Als Skifahrer nahm er 1992 an den Olympischen Winterspielen in Albertville teil. Solche Biografien kennt man sonst nur aus Netflix-Serien, bei denen sich der Zuschauer fragt: „Geht es auch eine Nummer kleiner?“

2016 gründeten die Weltenbummler in Berlin Intao. Der Kasseler Investor Frank Janetzky lockte sie schließlich nach Nordhessen. Ihre Büros haben die Eltern eines Sohnes im Coworking-Space Meraki Work, das Janetzky mit Viktoria Seebach vor einigen Monaten in einer stilvollen Villa am Mulang gegenüber der Waldorfschule eröffnet hat.

Kroenig schätzt die optimalen Bedingungen und die Ruhe in Kassel. „Ich sitze lieber im Bergpark als in Berlin“, sagt die 43-Jährige. Ihr sieben Jahre älterer Mann hat sich derweil im Meraki-Keller ein Atelier eingerichtet, wo er großformatige Tier-Porträts malt.

Das alles klingt nach zwei Lebenskünstlern, aber ein Start-up ist vor allem harte Arbeit. Corona-Unterstützung vom Staat gab es nicht, wie Kroenig sagt: „Wir sind komplett durchs Raster gefallen.“ Laut Kroenig arbeitet Intao nun kostendeckend.

Für etwa 1000 Euro im Jahr können Firmen den digitalen Personal Coach abonnieren. Normalerweise schicken sie ihre Führungskräfte auf dreitägige Fortbildungen. Mit Intao können die Chefs von heute und morgen stattdessen das ganze Jahr an ihren Fähigkeiten feilen. Die vierwöchigen Lektionen, in denen man dank Experten etwa lernen soll, sich zu fokussieren, heißen Sprints, die Dialoge, in denen man mit der App kommuniziert, Sparks, und Lernmomente Takeaways. Es ist die Sprache der modernen Arbeitswelt.

Auf ihren Firmennamen sind die Gründer mit einer Agentur gekommen. Als Ableitung aus dem Chinesischen bedeutet Intao so viel wie sich auf den Weg machen. Der Weg von Kroenig und van Gils wird wohl nicht in Kassel enden. Beide träumen davon, mit einem Expeditions-Truck durch die Welt zu fahren. Mithilfe der Allradmobile kann man leben und arbeiten, wo man will. (Matthias Lohr)

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