Kostenfreie Führungen boten spannende Einblicke

Welterbetag: Tausende Besucher erkundeten den Bergpark

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Vom Teich auf den Tisch: Siegfried Hoß (MHK) gab Einblicke in die Tradition der Fischzucht auf der Wilhelmshöhe.

Kassel. 42 Weltkulturstätten gibt es aktuell in Deutschland. Eine davon ist der Kasseler Bergpark. Beim Welterbetag auf der Wilhelmshöhe wurde er als Kulturschatz gefeiert.

Tausende Besucher konnten am Sonntag den Kasseler Bergpark bei kostenfreien Führungen erkunden und vielleicht auch ein bisschen neu entdecken.

Unter dem Titel „Fisch auf den Tisch“ etwa bot Siegfried Hoß, Leiter der Hauptabteilung Gärten und Gartenarchitekturen bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), einen seltenen Einblick in die Tradition der Fischzucht in Wilhelmshöhe. Denn die Seen und Teiche im Bergpark, die heute vor allem ein beliebter Ort für Sonntagsspaziergänge sind, dienten früher als Nahrungsquelle.

Bereits im 12. Jahrhundert gehörte die Fischzucht zum damals gegründeten Kloster Weißenstein, das an der Stelle des heutigen Schlosses Wilhelmshöhe stand. Auch später unter Landgraf Friedrich II. wurde sie fortgeführt, vornehmlich mit Karpfen. In den historischen Akten aus dieser Zeit wurde immer wieder über die Instandsetzung der Teiche und die Fischzucht geschrieben, berichtete Hoß.

So wurden die Karpfen regelmäßig gezählt. Auch die Fütterung der Tiere war ein Thema. Aus den Akten geht hervor, dass Treber, also die Rückstände des Malzes bei der Bierherstellung, verfüttert wurde. Der damalige Teichmeister Hermann beklagte allerdings, dass der Treber die Fische nicht ausreichend nähre, und bat „untertänigst und devotest“ darum, auch teureren schwarzen Roggen verfüttern zu dürfen.

Darauf, wie der Fisch konserviert wurde, finden sich keine Hinweise in den Dokumenten. „Vielleicht wurde er gesalzen oder geräuchert. Vielleicht wurde er aber auch nur im Winter gegessen“, mutmaßt Hoß. Denn abgefischt wurde immer im November. Rezepte zur Zubereitung der Karpfen hat der Gartenhistoriker in den Dokumenten keine gefunden. Fest steht nur, dass der Fisch auf dem Tisch des Hofes landete.

Später wurden die Teiche verpachtet. 1918 kündigte der Pächter allerdings seinen Vertrag, da der Fischbestand zu klein geworden war. Hoß vermutet, dass die wirtschaftliche Not in den Jahren des Ersten Weltkriegs die Menschen dazu trieb, unerlaubt im Bergpark zu fischen. „Darauf lassen auch Angeln schließen, die man damals hier gefunden hat“, berichtete der Gartenhistoriker.

Buddha vor Wiedergeburt

Viele Geschichten ranken sich auch um die Buddhafigur in der chinesischen Pagode im Bergpark. Ihre originalgetreue Replik sollte eigentlich bis zum Welterbetag fertig sein. Doch die Arbeiten sind langwierig. „Besonders die Vermessung des Originals ist aufwendig“, erläuterte Sonntag der Kasseler Bildhauer Siegfried Böttcher, der die Kopie anfertigt. Schätzungsweise 300 Arbeitsstunde werde er insgesamt investieren. Dann folgt noch die Bemalung durch MHK-Restauratorin Barbara Häcker.

Noch nicht ganz fertig: Christa Gutsche (Bürger für das Unesco-Welterbe Kassel) und Bildhauer Siegfried Böttcher stellten gestern das Gipsmodell vor, anhand dessen die Replik der Buddhafigur in der chinesischen Pagode angefertigt wird.

Gestern präsentierten der Verein Bürger für das Welterbe, der Sponsoren für die 12.000 Euro teure Replik des Buddhas beschafft hatte, und der Künstler gemeinsam das Gipsmodell für die Figur, anhand dessen die Gießform angefertigt wird. Die Figur wird am Ende aus Gussmörtel bestehen, der Wasser aufnimmt und abgibt – eine wichtige Voraussetzung für den Standort Pagode, in dem im Schnitt eine achtzigprozentige Luftfeuchtigkeit herrscht.

Brigitte Bergholter, Vorsitzende des Welterbevereins, hofft, der Öffentlichkeit die Buddhakopie bei einem anderen Fest im Bergpark präsentieren zu können: Am 9. September, am Tag des offenen Denkmals, soll es soweit sein.

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