Staatsanwaltschaft ermittelt

Wirbel um Seniorenresidenz: Dubiose Geschäfte mit Augustinum

Dubioser Immobilienhandel: Auch die Häuser des Augustinums in Kassel sind betroffen. Archivfto: :  Fischer

Kassel. Nicht selten kommt es vor, dass Senioren auf Betrüger hereinfallen. In den vergangenen Jahren ist offenbar gar ein ganzes Seniorenheim-Unternehmen mit einem dubiosen Immobilienhandel Betrügern auf den Leim gegangen.

Davon ist auch das Seniorenwohnheim Augustinum in Kassel betroffen, in dem 365 Frauen und Männer leben.

Ludwig Graf zu Solms-Laubach, Direktor des Kasseler Stifts, sagt, dass die Bewohner aber nichts zu befürchten hätten. Weder ihre Darlehn (Einlagen für die Wohnungen) und deren Verzinsung seien in Gefahr noch müssten sie Angst haben, aus dem Augustinum im Druseltal rausgeworfen zu werden. Die Bewohner wurden mit einem Rundschreiben über die Ermittlungen informiert. Darin heißt es unter anderem: „Unser Haus ist Opfer eines offenbar von langer Hand geplanten Betrugs geworden, den wir mit aller Kraft aufdecken werden.“ In die „betrügerischen Machenschaften“ sind wohl auch Ex-Mitarbeiter des Augustinum-Konzerns verwickelt.

Vorwurf der Bestechung

Ludwig Graf zu Solms-Laubach

Die Staatsanwaltschaft München I führt seit Juni 2014 ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften der Augustinum-Unternehmensgruppe wegen des Verdachts der Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr gegen mehrere Beschuldigte, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München auf Anfrage mitteilte. Um die laufenden Ermittlungen aber nicht zu gefährden, würden zum jetzigen Zeitpunkt weder weitere Auskünfte zu den Beschuldigten noch zu den Einzelheiten oder dem Stand der Ermittlungen gegeben.

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) hatte kürzlich berichtet, dass das Augustinum zwischen 2010 bis 2013 elf seiner 23 Seniorenstifte, darunter auch das Kasseler Haus, an eine kleine Immobilienfirma aus Norddeutschland verkauft und anschließend wieder angemietet hat. Das Verwunderliche bei diesem Geschäft: Das Augustinum selbst gewährte der kleinen Firma aus Norddeutschland ein Darlehn über 728 Millionen Euro, damit diese die Residenzen kaufen konnte. Die Zinsen für das Darlehn beglich die Firma laut SZ mit den Mieten, die das Augustinum zahlte. Von dem Geldkreislauf sollen sich die Beteiligten wohl schöne Gewinne erhofft haben.

Die gemeinnützige Augustinum GmbH will die Immobilien jetzt zurückbekommen. Im Juni vergangenen Jahres erstattete das Unternehmen offenbar Strafanzeige gegen ehemalige Mitarbeiter, die in das dubiose Geschäft eingefädelt haben sollen. Ein Ex-Geschäftsführer des Augustinums, der laut SZ fast ein dreiviertel Jahr in Untersuchungshaft gesessen hat, soll geschmiert worden sein.

„Wir streiten für unser Recht, halten die geschlossenen Immobilienverträge weitgehend für nichtig und wollen sie aus diesem Grunde rückabwickeln“, so Augustinum-Geschäftsführer Prof. Markus Rückert in dem Rundschreiben an die Bewohner.

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