Wasserqualität hat sich verbessert, ist aber noch nicht so gut, wie sie sein soll

Ab zum Baden in die Fulda

Anziehungspunkt: Gut besucht war das städtische Fuldabad im Sommer 1923. Der damalige Oberbürgermeister Philipp Scheidemann hatte die Anlage im Mai 1923 eröffnet. Archivfoto: Stadtmuseum

Kassel. In der Fulda zu baden war vor einigen Jahrzehnten selbstverständlich, wie historische Bilder von Flussbädern zeigen. Dann verschlechterte sich die Wasserqualität. Kaum jemand wagte sich in die Fulda. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Wasserqualität allmählich verbessert.

Zufriedenstellend ist sie längst nicht. Darauf hat die Kasseler Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch (Grüne) anlässlich des europäischen Flussbadetages gestern hingewiesen. Gemeinsam mit Joachim Schleißing, Ortsvorsteher der Unterneustadt, und anderen sprang sie in die Fulda. Trotz langer Fristen würden europäische Ziele beim Gewässerschutz verfehlt, sagte Maisch zuvor. „Deutschland ist kein Musterschüler.“ Schleißing wünscht sich mehr zum Baden geeignete Orte am Fuldalauf in Kassel.

Unter den offiziellen Badegewässern in Hessen ist kein einziger Fluss. Doch die Wasserqualität der Fulda scheint sich dem von Badegewässern zu nähern. Seit 1979 wird an der Staustufe in Fuldatal-Wahnhausen regelmäßig gemessen. „Die Fulda hat sich von einem Gewässer mit teilweise kritischer Belastung zu einem Gewässer mit guter, im Oberlauf sogar sehr guter Wasserqualität entwickelt“, sagt Ute Kuhn von der Geschäftsstelle der Flussgebietsgemeinschaft (FGG) Weser in Hildesheim. Dort werden alle Messdaten der Weser und ihrer Zuflüsse gesammelt.

„Die Fulda hat sich von einem Gewässer mit teilweise kritischer Belastung zu einem Gewässer mit (...) sehr guter Wasserqualität entwickelt.“

Ute Kuhn, Flussgebietsgemeinschaft Weser

Ein wesentliches Kennzeichen für die Wasserqualität ist der Gehalt von Ortho-Phosphat-Phosphor. Natürlicherweise komme dieser Stoff nur in geringen Mengen vor. „Erhöhte Konzentrationen stammen meist von Einträgen von landwirtschaftlich genutzten Flächen oder aus Kläranlagenabläufen“, sagt Kuhn.

Der höchste in der Fulda bei Wahnhausen gemessene Wert lag im November 1983 bei 1,3 Milligramm pro Liter (mg/l). Im Jahr 2009 lag der Mittelwert von Ortho-Phosphat-Phosphor bei 0,15 mg/l. In der Flussgebieteinheit Weser gelte ein Wert von 0,07 mg/l als Ziel. Grundsätzlich sollte dieser gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 erreicht werden. In Ausnahmefällen ist diese Frist bis längstens 2027 verlängert worden, so auch für die Fulda.

Deswegen plant das Land Hessen, kommunale Kläranlagen so zu verbessern, dass die Abwässer nicht mehr so stark mit Phosphor-Verbindungen belastet sind. Das geht aus einem Maßnahmenprogramm hervor, das das Umweltministerium Ende 2010 veröffentlicht hat. Kassel liegt demnach in einem Gebiet, in dem die Verminderung der Phosphorbelastung Priorität hat. Derzeit laufen noch Untersuchungen, sagt Kuhn. Aber ab 2015 müsste die Kasseler Kläranlage modernisiert werden.

Zudem soll die Landwirtschaft ihren Beitrag für eine bessere Wasserqualität leisten. Geschehen soll das unter anderem durch ein Düngemanagement und eine veränderte Bewirtschaftung der Ackerflächen. Dafür hat die Landesregierung im Jahr 2008 bei so genannten Beteiligungswerkstätten geworben.

Von Claas Michaelis

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