Buffy ist eine Institution in Süsterfeld-Helleböhn

Wegen Aldi und Rewe: Lieblingsbäcker am Rhönplatz in Kassel macht zu

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Die Brötchen lohnen sich nicht mehr: Winfried Künzel alias Buffy schließt nach zehn Jahren sein Bäckergeschäft am Rhönplatz im Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn.

Dieser Bäcker ist Kult: Winfried Künzell versorgt seine Kunden am Kasseler Rhönplatz nicht nur mit Brötchen, sondern auch mit viel Liebe. Nun macht er zu - auch wegen Aldi und Rewe. 

Als Winfried Künzel seine Geschichte zu Ende erzählt hat, hat er Tränen in den Augen. Seit zehn Jahren führt er am Rhönplatz im Kasseler Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn ein Bäckereigeschäft mit Party-Service. Der 56-Jährige kennt nicht nur 90 Prozent seiner Kunden mit Namen, er weiß auch, welche Brötchen sie am liebsten essen, und hat für jeden einen aufmunternden Spruch. Künzel, den alle nur Buffy nennen, sieht aus, als könnte ihn nichts erschüttern.

Aber nun sitzt er in seinem Laden und erzählt, warum er am 19. Oktober für immer schließt – ein Jahrzehnt, nachdem er aufgemacht hat. „Ich wollte hier in Rente gehen, aber es lohnt sich nicht mehr“, sagt Künzel, der eine Institution im Quartier ist. „Das ist ein herber Verlust. Bei ihm haben sich die Menschen getroffen“, sagt Ortsvorsteher Helmut Alex.

Bäcker in Kassel macht zu: Café hatte Charakter

Genau das war auch die Idee, als Buffy 2009 das Geschäft von der Guxhagener Bäckerei Most übernahm und dann in Eigenregie deren Brötchen verkaufte. Dort, in seinem Heimatort im Schwalm-Eder-Kreis, hatte Künzel einst gelernt. Später machte er eine Kochausbildung, wurde Küchenchef bei der Bundeswehr in Rothwesten und war Lkw-Fahrer.

Dann kam das Angebot vom Rhönplatz. Mit alten Kneipenstühlen machte Künzel aus dem Laden ein „Dorf-Café“, wie er es nennt. Es mag das Gegenteil von modern sein, aber es hat einen Charakter, was man von vielen anderen Cafés nicht behaupten kann.

Im Schaufenster hängen alte KSV-Hessen-Trikots und Bilder von Buffy mit heimischen Sportgrößen wie Manuel Klinge von den Huskies. Prominente wie Sven Hoffmeister, der beim Fußball-Bundesligisten Mainz 05 als Nachwuchstrainer arbeitet und ein Haus in Kassel hat, trinken hier ihren Kaffee.

Bäcker in Kassel: Bis zu 50 Prozent Umsatzrückgang

Alle anderen kommen seltener. Seitdem Aldi und Rewe in der Nähe neue Supermärkte haben, verzeichnete Künzel „bis zu 50 Prozent Umsatzrückgang“. Er kennt seine Konkurrenz, zu der mittlerweile auch Tankstellen gehören: „Allein in der Leuschnerstraße gibt es elf Verkaufsstellen für Brötchen.“

Buffy kann sich ganz schön in Rage reden, wenn es um Aufbackbrötchen beim Discounter geht („Das ist Dreck“) oder Warenvielfalt („Wir brauchen nicht noch 100 Brötchensorten“). Auch die Stadt bekommt es ab. Künzel macht das Rathaus dafür verantwortlich, dass sich am Rhönplatz seit Jahren nichts geändert habe. Es fehlten „vernünftige Spielgeräte, ein Wochenmarkt oder irgendwas, was die Leute anzieht“.

Bäcker muss wieder von vorne anfangen

Wohin ihn es nun zieht, weiß er noch nicht. Seinen Party-Service, mit dem er zwischenzeitlich auch den VIP-Raum der Huskies bewirtete, möchte er gern weitermachen. Das Haus in Guxhagen muss abbezahlt werden. Seine Frau, die die Brötchen auch schon mal zu Stammkunden nach Hause brachte, wenn die krank waren, arbeitet bei einem Insolvenzbüro.

Das Patchwork-Paar hat sieben Kinder großgezogen. Nun muss Buffy wieder von vorn anfangen und den Stadtteil verlassen, „in den ich mich verliebt habe“, auch wenn er nicht der schönste ist. Er sorgt sich um seine Zukunft, vor allem aber sagt er: „Ich weiß nicht, was aus den Menschen hier werden soll.“

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