Weidenstöcken

Handwerkerinnen flechten Fassade für neue Brotgarten-Filiale

Voller Einsatz: Rena Gerullis (oben) und Lore Wild flechten die Weidenstöcke um ein Metallgerüst, das an die Hauswand montiert wurde. Im Mai will die Vollkornbäckerei Brotgarten ihre neue Filiale an der Wolfhager Straße mit der ungewöhnlichen Fassade in Harleshausen eröffnen. Fotos: Malmus

kassel. Vor Blicken verborgen flechten zwei Handwerkerinnen hinter den grünen Netzen an der Wolfhager Straße/Ecke Wilhelmshöher Weg starke Weidenstöcke zu einer ungewöhnlichen Fassade.

Wie ein riesiger Brotkorb wird die 15 Meter lange Fassade die Ladenfront des um 1900 errichteten Gebäudes in Harleshausen umhüllen. Die Vollkornbäckerei Brotgarten eröffnet in der ehemaligen Bäckerei Weinrich eine weitere Filiale. Die Verbundenheit zur Natur und die Liebe zum Handwerk sollen sich in der Gestaltung der Fassade widerspiegeln.

800 bis 900 Kilogramm Weiden sind dafür nötig. Kraft und Technik, um die zwei Zentimeter dicken und drei Meter langen Stöcke in Form zu biegen, haben sich die beiden Handwerkerinnen Lore Wild und Rena Gerullis in vielen Jahren angeeignet.

„Die Weiden müssen beste Qualität haben“, sagt Lore Wild. „Sonst funktioniert das nicht.“ Die 53-jährige selbstständige Meisterin für Flechtwerkgestaltung und Künstlerin ist aus der Nähe von Ludwigsburg nach Kassel gekommen. Ihre ebenfalls selbstständige Kollegin Rena Gerullis (46) hat ihre Werkstatt in Waiblingen bei Stuttgart. Die beiden haben schon oft zusammengearbeitet, an modernen Gebäuden Fassaden und Wände aus Weiden gestaltet. Bis Ende der Woche werden sie an der ungewöhnlichen Fassade mit der ovalen Aussparung in der Mitte arbeiten, die das Logo der Vollkornbäckerei aufnimmt. Vor einer Woche haben sie mit ihrer Arbeit begonnen.

Die Idee zu der Weidenfassade hatte der Kasseler Architekt Alexander Reichel (Reichel Architekten BDA). Architektin Irene Kuhaupt-Karaköse ist als Bauleiterin regelmäßig vor Ort. „Wir haben versucht, etwas Unverwechselbares zu finden“, sagt Reichel, der in Kassel unter anderem den Anbau an die Stadthalle geschaffen hat. „Die Idee ist auf fruchtbaren Boden gefallen.“ Mit der Genehmigung habe es keine Probleme gegeben. Das Haus stehe auch nicht unter Denkmalschutz. Als Vorbilder dienten eine Schule in der Nähe von Berlin und ein Campingplatzgebäude in der Schweiz, dessen Fassade viele Neugierige anzieht. „Da hat sich ein kleiner Tourismus entwickelt“, sagt Lore Wild.

Einzigartig in der Region wird auch die neue Brotgarten-Filiale sein. „Wir finden das ganz toll“, sagt Bäckermeister Jens Tegtmeyer für das Team der Vollkornbäckerei. „Die Fassade soll ein Blickfang werden.“ Während draußen noch gearbeitet wird, wird drinnen schon gebacken. Die Brotgarten-Konditoren haben bereits Mitte Januar den neuen Standort bezogen. Sechs Mitarbeiter sind in Harleshausen tätig, im Verkauf werden zwei bis drei neue Arbeitsplätze entstehen. Eröffnung soll im Mai sein. Einen genauen Termin gebe es aber noch nicht, sagt Tegtmeyer. Angaben über die Höhe der Investition macht er nicht.

Laut Architekt Reichel kostet die auf ein Metallgerüst montierte und vor die Hauswand gehängte Weidenfassade nicht mehr als andere Fassaden. Damit sie lange hält, sollen die imprägnierten Weidenstöcke einmal jährlich geölt werden.

Von Ellen Schwaab

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