Konflikt mit eigener Partei

Streit um Freibäder: Anita Mahrt will aus CDU austreten

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Anita Mahrt

Kassel. Die Debatte um den Erhalt der Freibäder in Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe führt jetzt zu einem Bruch in der Kasseler CDU: Am Donnerstag hat die frühere Stadtverordnete und ehrenamtliche Stadträtin Anita Mahrt gegenüber der HNA erklärt, sie werde aus der CDU austreten.

Als Grund nennt die 69-jährige Vorsitzende des Fördervereins Freibad Harleshausen die Reaktion von Dr. Norbert Wett, Fraktionsvorsitzender der Kasseler CDU, auf den rot-grünen Vorschlag zum Erhalt der Bäder. Wett hatte die Einigung von SPD und Grünen als „faulen Bäderkompromiss“ bezeichnet. Dies sei „lediglich einen taktischer Schachzug“ der zum Ziel habe, die rot-grüne Kooperation in Kassel zu retten, so Wett. „Diese Einigung enthält lauter Passagen, die eine Sanierung der Bäder eher immer unwahrscheinlicher, denn wahrscheinlicher erscheinen lässt.“

Mahrt, die 1977 in die CDU eingetreten ist, fühlt sich wegen dieser Äußerungen „in die Pfanne gehauen“. „Das ist eine Unverschämtheit gegenüber dem Förderverein und meiner Person. Wie stehe ich denn jetzt im Stadtteil da?“

Mahrt und Dr. Kuno Hottenrott, Vorsitzender des Fördervereins Freibad Bad Wilhelmshöhe, waren am Sonntag von den Fraktionsvorsitzenden Christian Geselle (SPD) und Dieter Beig (Grüne) über die Einigung informiert worden. Das Konzept sieht vor, dass für den Erhalt der Bäder jeweils ein fester Betrag von 3,3 Mio. Euro (zuzüglich Baupreisindexsteigerung) zur Verfügung gestellt wird und die Fördervereine für die Kosten darüberhinaus aufkommen müssen.

Sowohl Hottenrott als auch Mahrt hatten sich positiv über den rot-grünen Vorstoß geäußert. Mahrt erklärte, sie sei zuversichtlich, dass der Förderverein die Differenz stemmen könne.

Ein Neubau in Harleshausen, wie ihn der Förderverein wünscht, soll voraussichtlich 4,033 Mio. Euro kosten. 700 000 Euro seien bei diesem Kostenvoranschlag für die Grünanlagen des Freibads vorgesehen. Durch bürgerschaftliches Engagement und Spenden will Mahrt die Summe zusammentragen.

Die Harleshäuserin ärgert sich besonders darüber, dass Wett sich nicht mit ihr in dieser Woche in Verbindung gesetzt hat, um über den rot-grünen Vorschlag zu reden. Statt intensiv an der Rettung der Bäder mitzuarbeiten, werde „in der CDU nur gemotzt“, sagt Mahrt. „Aus der CDU-Fraktion ist kein konstruktiver Vorschlag gekommen.“

Über Mahrts Ankündigung, aus der Partei auszutreten, zeigt sich Wett „sehr überrascht“. Mit seiner Reaktion auf den rot-grünen Antrag habe er die Fördervereine „nur schützen“ wollen, sagt Wett. Es könne nicht sein, dass die Stadt das „finanzielle Risiko auf die Fördervereine abwälzen will“. Schließlich müssten die Vereinsvorstände mit ihrem Privatvermögen haften. Er hoffe, dass Anita Mahrt sich noch einmal überlege, ob sie wegen dieses „großen Missverständnisses“ wirklich aus der CDU austreten wolle.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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