Lager bei Obstannahme gefüllt

Bäume brechen unter Last zusammen: Die Äpfel fallen in Massen

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Randvoll: Lothar Hermann (links) von Sonbosa hat kaum noch freie Säcke für die Obstannahme. Kiloweise bringen Gärtner aus der Region die Äpfel zu ihm – so wie Herbert Bauer, der 140 Kilo bei sich und in Nachbargärten geerntet hat. 500 bis 600 Kilo fassen die großen Säcke bei Sonbosa, 42 davon standen am Freitagmorgen vor der Lagerhalle in der Unterneustadt.

Kassel. Auf den Stundenzettel guckt Lothar Hermann momentan nicht. Erntezeit heißt Überstunden und derzeit wird seine Obst-Annahmestelle Sonbosa von Boskop, Cox Orange und der Rauen Rennette regelrecht überschwemmt. Ein Laster fährt mehrmals täglich vom Hof.

Am Freitagmorgen stehen 42 Säcke vor der Lagerhalle von Sonbosa in der Unterneustadt. „Heute kommt der Sattelzug dreimal, damit wir zum Wochenende alles wegkriegen“, sagt Geschäftsführer Lothar Hermann. „Normal hab ich am Tag zehn Säcke, die einmal am Tag von der Kelterei abgeholt werden.“ Je nach Größe fasst so ein Sack 500 bis 600 Kilo – fünf bis sechs Tonnen täglich wären also die Regel. Am Freitagmorgen sind es weit über 20 Tonnen, die nach Reinhardshagen transportiert werden.

In diesem Jahr fällt Nordhessen aus dem Rahmen. In dieser Region ist die Ernte laut Hermann besonders gut. Seit über 30 Jahren kennt der 48-Jährige das Geschäft mit dem Obsthandel, eine vergleichbare Ernte hat er zuletzt vor zehn Jahren erlebt – damals allerdings bundesweit.

Die Witterungsbedingungen waren dieses Jahr ideal, erklärt Reinhold Six. „Kein extremer Winter und ein milder Frühling.“ Dadurch blühten die Apfelbäume früh und Bienen konnten gut bestäuben, berichtet der Vorsitzende des Verbands der Kleingärtner in Stadt und Kreis Kassel. Jetzt hängen viele schwere Äpfel an den Ästen. Laut Six müssen in vielen Gärten die Bäume gestützt werden – einzelne Äste seien wegen der Last schon abgebrochen.

Allerdings – da sind sich Six und Hermann einig – haben auch Schädlinge den Winter gut überstanden. „Es muss viel weggeschnitten werden“, sagt Six, „Viele Äpfel verfaulen an den Bäumen“, sagt Hermann, „sonst wäre die Ernte noch besser.“

Ein Blick in die Erntesäcke bei Sonbosa verrät, wie weit die Ernte bereits fortgeschritten ist: Sommeräpfel, also Sorten wie der Klarapfel, der im August geerntet wird, sind kaum noch zu sehen. Vor allem Sorten wie Gravensteiner, Cox Orange und die Graue Renette haben gerade Saison und füllen die Säcke. Aber auch Winteräpfel wie Boskop oder Ontario werden schon geliefert. „Durch das gute Wetter ist dieses Jahr alles etwas früher“, sagt Hermann. Eigentlich könnten die Äpfel noch hängen. „Die können ein bisschen Frost vertragen, dann lassen sie sich monatelang lagern.“ Eine späte Ernte hat für Hermann praktische Vorteile: „Wenn die jetzt alle geliefert werden, kommen wir mit der Abnahme kaum hinterher.“

Service: Annahmestellen in der Region

Wer in Kassel seine Äpfel loswerden möchte, kann die Ernte zu Sonbosa bringen. Die Annahmestelle befindet sich in der Unterneustadt, am Hafen 15. Für 50 Kilo Obst gibt es eine Gutschrift für 35 Flaschen Saft (0,7 Liter), die auch später eingelöst werden kann. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Samstags nur Saftausgabe, 8.30 bis 12.30 Uhr. Äpfel müssen reif, gesund und frei von Schädlingen sein. Birnen werden nur donnerstags angenommen. Das Obst wird von „Gerth’s Fruchtsäfte“ abgeholt, ausgepresst und abgefüllt. 15 Annahmestellen gibt es in der Region, darunter auch Streuobstwiesen. www.gerths-fruchtsaefte.de

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