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Hochhaus mit besonderer Optik entsteht in Kassel - Zukunft des Kaufburg-Areals geklärt

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Von: Bastian Ludwig

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An der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel soll bis 2026 ein Hochhaus entstehen, an dessen Fassade Bäume und Büsche wachsen.

Kassel - Wenn Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) über die Zukunft des Kaufburg-Areals an der Friedrich-Ebert-Straße 18 in Kassel spricht, wirkt er sichtlich zufrieden. Er macht keinen Hehl daraus, dass das bestehende Gebäude mit der markanten Backsteinoptik städtebaulich nie so recht ins Bild passen wollte. Durch den Verkauf der 40 Jahre alten Immobilie an den Göttinger Mediziner, Biochemiker und Unternehmer Helmut Wagner bekam das Grundstück eine neue Perspektive. Die Göttinger EBR-Unternehmensgruppe entwickelt das Grundstück im Auftrag des Immobilieneigentümers, der ebenfalls aus Göttingen kommt. Neben Einzelhandel und Büros sollen 50 Wohnungen in dem zwölfstöckigen Gebäudekomplex Platz finden. Auch ein Hotelbetrieb ist in der Diskussion.

Seit mehr als drei Jahren laufen die Planungen für das Grundstück der Kaufburg. Zunächst war vorgesehen, den erst 40 Jahre alten Bau mit der auffälligen Backsteinfassade zu sanieren. Dann stellte sich aber heraus, dass das Gebäude statisch wie technisch viele Mängel aufweist. So entschied sich der Eigentümer für einen Abriss und Neubau. Die EBR-Gruppe setzt das Millionenprojekt um und will dabei hohe ökologische Standards einhalten.

Kassel: „Irish Pub“ ist umgezogen - Kaufburg verwaist

Mit dem Umzug des „Irish Pub“ in die benachbarte Alte Hauptpost im September ist die Kaufburg inzwischen völlig verwaist. Damit ist der Weg frei für den Abriss. „Allerdings wollen wir damit noch abwarten, bis der vorhabenbezogene Bebauungsplan rechtskräftig ist“, sagt EBR-Geschäftsführer Borzou Rafie. Dies wird nach Einschätzung von Investor und Bauamt Ende 2023 soweit sein. Im kommenden Frühjahr soll der Bebauungsplan unter anderem im Ortsbeirat vorgestellt werden.

2024 könnten die Arbeiten auf dem dreieckigen Grundstück, das von Friedrich-Ebert-Straße, Bürgermeister-Brunner-Straße und Weißenburgstraße umschlossen ist, starten. Neben dem zwölfgeschossigen Haus an der Friedrich-Ebert-Straße wird es ein weiteres mit acht Geschossen geben, das an der oberen Spitze des Grundstücks steht. Dazwischen stehen flachere Gebäude, die um einen Innenhof gruppiert sind.

So soll es ungefähr werden: Die linke Ansicht zeigt den geplanten Neubaukomplex von der Friedrich-Ebert-Straße aus in Richtung Ständeplatz. Links zweigt die Bürgermeister-Brunner-Straße ab. Die rechte Illustration ist der Blick aus der Bürgermeister-Brunner-Straße in Richtung Friedrich-Ebert-Straße. Links zweigt die Weißenburgstraße ab. Die Fassadengestaltung und Farbe ist noch in der Abstimmung. Illustration: Fehlig Moshfeghi Architekten BDA
So soll es ungefähr werden: Die Ansicht zeigt den geplanten Neubaukomplex von der Friedrich-Ebert-Straße aus in Richtung Ständeplatz. Links zweigt die Bürgermeister-Brunner-Straße ab. © Illustration: Fehlig Moshfeghi Architekten BDA

Vor den großen Fassadenflächen wird eine Art riesiges Regalsystem aufgestellt, auf dem Bäume und Büsche gepflanzt werden. Die Vegetation biete einen Kälte-, Wärme- und Lärmschutz und sorge für bessere Luft, so Rafie. Das Konzept sei angelehnt an die „Bosco Verticale“ (Senkrechter Wald) genannten Zwillingstürme in Mailand des italienischen Architekten Stefano Boeri. Zum Investitionsvolumen will sich die EBR-Gruppe wegen der steigenden Baukosten nicht äußern.

Kaufburg-Areal in Kassel: Neue Perspektive durch Verkauf

Wenn Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) über die Zukunft des Kaufburg-Areals an der Friedrich-Ebert-Straße 18 spricht, wirkt er sichtlich zufrieden. Er macht keinen Hehl daraus, dass das bestehende Gebäude mit der markanten Backsteinoptik städtebaulich nie so recht ins Bild passen wollte. Durch den Verkauf der 40 Jahre alten Immobilie an den Göttinger Mediziner, Biochemiker und Unternehmer Helmut Wagner bekam das Grundstück eine neue Perspektive.

Dabei hatten der Göttinger Investor und der Projektentwickler, die EBR Gruppe, zunächst eine Kernsanierung des Bestandsgebäudes geplant. „2018 hatten wir das Sanierungskonzept erarbeitet“, erzählt EBR-Geschäftsführer Borzou Rafie. Aber in diesem Zuge seien die Planer auf gravierende Mängel in der Gebäudesubstanz und der Haustechnik gestoßen. Dies habe auch unter energetischen und ökologischen Gesichtspunkten einen Neubau vernünftiger erscheinen lassen. So nahm ein mehrjähriger Planungsprozess für das Wohn- und Geschäftshaus seinen Anfang.

Kaufburg-Areal in Kassel: Idee war nie wirklich aufgegangen

Gemeinsam mit dem beauftragten Hamburger Architekturbüro Fehlig Moshfeghi wurde ein Workshopverfahren unter Beteiligung eines Gestaltungsbeirates initiiert. In dem Gremium sitzen nicht nur renommierte Architekten sowie Stadt- und Landschaftsplaner wie Prof. Much Untertrifaller und Prof. Klaus Overmeyer, sondern auch Vertreter der Stadt, des Ortsbeirates, des Denkmalbeirates und des Beirates für Stadtgestaltung. Auf diese Weise soll eine breite öffentliche Beteiligung gewährleistet werden. Nach fünf Treffen des Gestaltungsbeirates seien die Planungen weit fortgeschritten, sagt Rafie. „Wir reden schon über die Fassadengestaltung.“

Der Neubau sei eine große Chance für den Standort, beschreibt der EBR-Geschäftsführer. Die bestehende Immobilie wirke tatsächlich wie eine „abweisende Burg“. Die Idee einer „Kaufburg“, die Einzelhandel auch in den Obergeschossen vorgesehen habe, sei von Anfang an nicht aufgegangen. Der Neubau hingegen werde durch große Glasfronten im Erdgeschossbereich einladend wirken.

Kaufburg-Areal in Kassel: „Flexible und zukunftsfähige Nutzungsmischung“

„Der Ort verlangt nach städtebaulichen Positionen“, sagt Nolda. Da es bereits schräg gegenüber ein ähnlich hohes Hochhaus gebe, sei ein weiteres an dieser Kreuzung eine gute Ergänzung. „Das ist ein interessanter Auftakt für die Friedrich-Ebert-Straße“, findet der Stadtbaurat. Durch die Bauhöhe und einen weiteren achtgeschossigen Neubau im Verlauf der Bürgermeister-Brunner-Straße wird im Neubau doppelt so viel Fläche zur Verfügung stehen wie im Bestand: 20 000 statt bislang 10 000 Quadratmeter.

„Wir wollen eine flexible und zukunftsfähige Nutzungsmischung“, sagt Rafie. Sowohl die Bereiche Wohnen, Einzelhandel, Arbeiten, Freizeit, Kultur und Gesundheit sollen in der Immobilie Platz finden. Auch Sozialwohnungen werden entstehen.

Als Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) habe sich die EBR Unternehmensgruppe zu ökologischen Grundsätzen verpflichtet. Eine Besonderheit ist die geplante Fassadenbegrünung, die mit einem „grünen Regal“ erfolgen soll. Auf dieser Konstruktion, die vor den großflächigen Fassadenflächen positioniert wird, sollen Bäume und Büsche gepflanzt werden. Vorbild sind die „Bosco Verticale“, die begrünten Zwillingstürme eines Hochhauskomplexes in Mailand. Ergänzt wird die Fassadenvegetation, die im Sommer wie Winter eine dämmende Wirkung hat, durch Dachgärten. Zudem wird auf dem Dach eine PV-Anlage installiert.

Kaufburg-Areal in Kassel: Mehr Bäume an Straße

Auch auf die Straße soll mehr Grün kommen. So werden an der Weißenburgerstraße 14 Bäume gepflanzt. Es gibt Überlegungen, diese als Einbahnstraße auszuweisen, die nur aus Richtung Hauptbahnhof befahrbar ist.

Die Bürgersteige rund um den Gebäudekomplex, die aktuell zum Teil sehr schmal sind, werden künftig deutlich breiter sein. Die Einfahrt zur Tiefgarage wird nur noch von der Bürgermeister-Brunner-Straße möglich sein. Der Vorplatz an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/ Bürgermeister-Brunner-Straße wird neu gestaltet. An der oberen Spitze des Areals wird ein Beuys-Baum gepflanzt.

Wenn alles nach Plan läuft, wird das Gebäude samt 48 Meter hohem Hochhaus im Jahr 2026 stehen. (Bastian Ludwig)

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