Nach zehn Monaten Planung

Schienen fehlen: Großbaustelle an Bahnhof Wilhelmshöhe abgesagt

Kassel. Das Straßenbahn-Gleisdreieck an der Wilhelmshöher Allee / Landgraf-Karl-Straße sollte während der Osterferien eigentlich zur Großbaustelle werden. Doch kurz vor Beginn der Schienenbauarbeiten hat die KVG das Vorhaben kurzfristig abgesagt.

Die Schienenbauarbeiten hätten am vergangenen Wochenende beginnen sollen. Nun wurden sie auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grund: Die neuen Schienen wurden nicht rechtzeitig geliefert.

Damit verschwinden die Ergebnisse von zehn Monaten Vorplanung für das 780 000-Euro-Projekt erst einmal in der Schublade. „So etwas habe ich hier in 20 Jahren noch nicht erlebt“, sagt KVG-Projektleiter Thomas Kröger.

Lesen Sie unten im Text:

- Hersteller der Gleise vor der Schließung

- Gleisdreieck muss erneuert werden

Für die Bauarbeiten an dem Tram-Kreuzungspunkt war eine komplizierte Ersatzfahrplanung erarbeitet worden. Bei der KVG sowie weiteren städtischen Firmen und Behörden waren laut Kröger etwa 160 Menschen damit befasst, außerdem seien gut 60 Beschäftigte bei Fremdunternehmen sowie 120 KVG-Fahrer von der Bau-Absage betroffen.

Aber es habe dazu keine Alternative gegeben, sagt der Bauleiter: Hätte die KVG riskiert, dass das Material vielleicht noch im Lauf dieser Woche eintrifft, wäre man innerhalb der Ferien wohl nicht fertig geworden.

Um dies zu schaffen, waren auch Nachtarbeiten vorgesehen; lediglich ab Karfreitag über Ostern sollte die Baustelle ruhen.

Hätten sich die Arbeiten aber in die Schulzeit hineingezogen, so wären die Folgen empfindlich gewesen, erläutert Jörg Bader vom KVG-Sachgebiet Fahrplanung: Die provisorischen Tram- und Busverbindungen seien für ein deutlich niedrigeres Passagieraufkommen während der Ferien geplant gewesen. Für zusätzliche Ersatzverkehre aber ließen sich so kurzfristig weder Busse noch dienstbereite Fahrer finden.

Ab dem 8. April hätten zudem auch die Zielanzeigen an den Haltestellen und in den Fahrzeugen nicht mehr gestimmt – jeder Eingriff in den hochkomplexen Fahrplan müsse von langer Hand geplant und dann erst einmal programmiert werden, sagt Bader: „Da greift ein Rädchen ins andere.“

Die Planer könnten nicht einfach einen Schalter zwischen Ferien- und Vollbetrieb umlegen. Denn ständig würden sich Details im Fahrplan ändern und müssten aktuell ins große Linien-Puzzle eingepflegt werden.

Alle vorbereiteten Baustelleninformationen für die KVG-Fahrgäste in Richtung Mattenberg, Druseltal und Bad Wilhelmshöhe sind nun erst einmal Makulatur.

Wie viel Geld die Bau-Absage zusätzlich kosten wird, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Vermutungen anstellen. Projektleiter Kröger sagte, man werde versuchen, die Fremdfirmen kurzfristig bei anderen Bauvorhaben der KVG einzusetzen.

Klar sei: „Es werden auf jeden Fall Kosten drauf kommen.“ Kröger hofft, dass die Erneuerungsarbeiten am Bad Wilhelmshöher Gleisdreieck nun in den Herbstferien nachgeholt werden können. Für den Sommer seien andere Vorhaben fest eingeplant.

Von Axel Schwarz

Hintergrund

Hersteller vor der Schließung

Die KVG hat das Schienenmaterial für die geplanten Bauarbeiten beim Weichenwerk Schreck-Mieves in Dortmund bestellt. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens ist wegen anhaltend schwacher Auftragslage zum Jahresende die Schließung des Werks mit 63 Mitarbeitern beabsichtigt.

Ob ein Zusammenhang mit der Lieferverzögerung besteht, „kann nur vermutet werden“, sagte KVG-Sprecherin Heidi Hamdad.

Schreck-Mieves will vor der Schließung noch alle bestehenden Aufträge ordnungsgemäß abwickeln. KVG-Bauleiter Thomas Kröger geht davon aus, dass die Schienen und Weichen für das Kasseler Bauvorhaben demnächst mit Verzögerung geliefert werden: „Wir haben schließlich einen Vertrag mit denen.“ (asz)

Gleisdreieck muss erneuert werden

Das Tram-Gleisdreieck, das 1991 mit dem Bau des Bahnhofs Wilhelmshöhe geschaffen wurde, hat nach Angaben der KVG dringend eine Erneuerung nötig. Geplant war dies in zwei Etappen vom 23. März bis zu den Osterfeiertagen sowie im Anschluss in der Landgraf-Karl-Straße bis zum 6. April.

Dabei sollte auch eine Schienenschmierkopfanlage eingebaut werden, um Rollgeräusche von Bahnen zu mindern. Die Trams der Linien 1, 3 und 4 sollten während der Bauphase vor dem Bahnhof Wilhelmshöhe enden. Damit sie von dort zurück in die Innenstadt fahren können, war der Einbau einer Kletterweiche vorgesehen. All dies ist nun voraussichtlich bis zum Herbst verschoben. (asz)

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