Engpässe lassen den Fernverkehr stocken – Kassel ohne besondere Hindernisse

Bahnnetz braucht Ausbau

Aktuelle Anzeige: Eine halbe Stunde, bevor der IC nach Karlsruhe gestern Nachmittag in Wilhelmshöhe ankommen sollte, wurden die Fahrgäste über die erwartete Verspätung informiert. Ein paar Minuten später war der Zug allerdings wieder im Zeitplan. Foto: Janz

Kassel. Die Stiftung Warentest macht Engpässe im deutschen Schienennetz für die Verspätungen an den 20 Bahnhöfen verantwortlich, die sie untersucht hat. Das treffe auch den IC-Bahnhof Wilhelmshöhe. Der sei aber nicht schlechter dran als vergleichbare Fernbahnhöfe.

Als Beweis führt Bahnexperte Michael Koswig von der Stiftung Warentest die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr 2011 an: „Die guten Pünktlichkeitswerte zum Jahresende zeigen, dass der Schienenverkehr unter günstigen Bedingungen auch in Deutschland problemlos rollt.“ Gutes Wetter, wenige Baustellen und eine geringe Anzahl von Güterzügen hätten dazu beigetragen, dass die Bahnkunden kaum warten mussten.

Koswig schließt daraus, dass das Schienennetz der Bahn weiter ausgebaut werden müsse. Wenn die Engpässe beseitigt würden, könnten Züge auch im Normalbetrieb deutlich pünktlicher fahren.

Auch die Bahn selbst sieht den Ausbau des Streckennetzes als Lösung für Verspätungen. Bahnhöfe wie Frankfurt oder Hamburg hätten sehr eng belegte Zu- und Abfahrtsgleise. Eine einzelne Verspätung könne sich auf viele andere Züge auswirken, sagte ein Bahnsprecher gegenüber der HNA. Aussagen über die Situation in Kassel wollte er damit aber nicht verbinden.

Dieser Situation begegne die Bahn durch den Ausbau wichtiger Eisenbahnknoten. Der Ausbau der Infrastruktur würde „im Rahmen der vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel realisiert“, teilte der Bahnsprecher mit. Die Stiftung Warentest kritisierte jedoch, dass für viele Bahnbauprojekte das Geld fehle. So bremsten eingleisige Streckenabschnitte, Langsamfahrstellen und vielfältige technische Störungen immer wieder den Zugverkehr.

Vorteil ist zugleich Nachteil

Karl-Peter Naumann von der Fahrgastvereinigung Pro Bahn versuchte, den hohen Verspätungszahlen am Bahnhof Wilhelmshöhe etwas Positives abzugewinnen. „Kassel hat den Vorteil vieler Fernverkehrsverbindungen“, sagte Naumann auf HNA-Anfrage. Fernzüge seien aber aufgrund der langen Laufzeit anfälliger für Verspätungen. Dafür könnten Reisende in Wilhelmshöhe leichter auf andere Linien ausweichen, wenn ein Zug verspätet ist.

Das Kassel im Bahnhofsvergleich der Stiftung Warentest den vorletzten Platz einnimmt, sei nicht auf besondere Hindernisse am Bahnhof zurückzuführen, sagt Naumann. Im Gegenteil: Mit acht Gleisen, auf denen Fern- und der Regionalverkehr getrennt abgewickelt werden, herrsche sogar eine komfortable Situation. Die Verspätungen entstünden nicht am Bahnhof, sondern würden auf der Strecke angesammelt.

Von Marcus Janz

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