„Bakterien sitzen in jedem Wischmopp“

Interview: Dr. Markus Schimmelpfennig über die Keime im Auebad

Kassel. Wegen einer Verkeimung mit Pseudomonas-Bakterien musste der Außenbereich des neuen Auebads am Mittwochnachmittag geschlossen werden.

Über die Herkunft und die Gefährlichkeit dieser Keime sprachen wir mit Dr. Markus Schimmelpfennig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes.

Herr Dr. Schimmelpfennig, was sind Pseudomonas-Bakterien?

Schimmelpfennig: Pseudomonas aeruginosa ist ein Keim, der im 19. Jahrhundert von einem französischen Apotheker und Forscher entdeckt worden ist. Es handelt sich um einen anspruchslosen Keim, der überall zu finden ist, wo es Feuchtigkeit und ein Minimum an organischem Material gibt.

Das heißt?

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Schimmelpfennig: Sie finden den Keim zum Beispiel in schlecht gereinigten Putzlappen, Wischmopps oder im Strahlregler des Wasserhahns. Wenn man die Dichtung am Wasserhahn abnimmt, findet man dort einen glitschigen Biofilm. Dort sitzen die Keime besonders gern. Der Biofilm ist praktisch der soziale Wohnungsbau für Bakterien. Dort können sie sich auch gut vor Desinfektionsmitteln verstecken.

Im Auebad ist nur ein Keim hinter dem Filter der Außenbecken gefunden worden. Warum mussten die Becken dennoch gesperrt werden?

Schimmelpfennig: Weil wir nur Momentproben entnehmen können und nicht wissen, ob zu einem anderen Zeitpunkt mehr Keime festgestellt worden wären. Bei Pseudomonas-Bakterien gilt das Null-Toleranz-Gebot.

Sind die Keime denn so gefährlich?

Schimmelpfennig: Für gesunde Menschen stellen sie keine Bedrohung dar, allerdings für immungeschwächte Leute und Schwangere. Die können davon richtig krank werden. Die Keime verursachen zum Beispiel Wundinfektionen und Entzündungen des äußeren Gehörgangs, die so genannte Schwimmbad-Otitis. In einem Beatmungsgerät können sie zu einer Lungenentzündung führen. Deshalb sind diese Keime besonders in Krankenhäusern gefürchtet.

Wie können die Keime in die Wasseraufbereitungsanlage des Bades gelangt sein? Etwa über Menschen?

Schimmelpfennig: Über Menschen wohl kaum. Hat jemand solch einen Keim auf der Haut, wird dieser vom Chlor getötet. Ich vermute, dass das beim Auebad während des Baus passiert ist. Da müssen nur feuchte Erdreste an einem Rohr der Anlage vor der Montage gehaftet haben. Aufgabe der Experten ist es nun herauszufinden, wo die Streuquelle im System liegt, sich die Keime verschanzt haben.

Es gibt Menschen, die mutmaßen im Internet, dass Badegäste, die ins Becken des Auebads gemacht hätten, dafür verantwortlich sind.

Schimmelpfennig: Das ist Unsinn. Im Gegensatz zu einer Kolibakterie handelt es sich hierbei um keinen typischen Darm-, sondern um einen Feuchtkeim. Und Urin ist steril. Wenn ein gesundes Kind oder ein gesunder Erwachsener Urin ausscheidet, dann enthält dieser keine Keime. Dennoch ist es unhygienisch, das Becken als Toilette zu benutzen. Das hat aber nichts mit den Feuchtkeimen im Auebad zu tun. (use)

Rubriklistenbild: © Foto: Archiv

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