Gibt es bald ein Fanprojekt für den KSV?

Rauch in der Nordkurve: Beim Pokal-Halbfinale gegen die Kickers Offenbach am 24. April dieses Jahres fackelten Kasseler Fans im Auestadion bengalisches Feuerwerk ab. Archivfoto:  Fischer / nh

Kassel. Fast alle wollen es: der KSV Hessen Kassel, der Fan-Beauftragte Markus Lämmer, der Deutsche Fußballbund, Innenminister Boris Rhein und die Polizei: Ein Fanprojekt für die Anhänger des KSV Hessen Kassel, um Gewalt vorzubeugen.

„Der Schlüssel zum Fanprojekt liegt jetzt bei der Stadt Kassel“, sagt Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS).

Beim städtischen Sportamt gab es jüngst ein Treffen mit Vertretern von KOS, des Ministeriums und des KSV, berichtet Gerhard Griesing, stellvertretender Amtsleiter. Dort sei Tenor gewesen, dass diese Jugendsozialarbeit rund um den Fußball für Kassel dringend wünschenswert sei.

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Laut Griesing kostet solch ein Fanprojekt 90 000 Euro pro Jahr. Davon sollen eine Sozialarbeiterstelle und Räume, die den Fans als Anlaufstelle dienen, bezahlt werden. Für Fanprojekte gilt eine Drittelfinanzierung: DFB, Land und Stadt müssten demnach jeweils 30 000 Euro pro Jahr zahlen. Laut Goll ist der DFB dazu bereit. Und auch das Land. „Wir sind jederzeit bereit, in die Finanzierung des Projekts einzusteigen“, sagt Innenminister Rhein.

Und die Stadt? „Wir prüfen jetzt das Thema“, sagt Griesing. Die 30 000 Euro wären eine freiwillige Leistung, die der Regierungspräsident der verschuldeten Stadt eigentlich nicht genehmige. Das Thema müsse intern mit Bürgermeister Jürgen Kaiser und Jugenddezernentin Anne Janz besprochen werden.

Derzeit finanziert das Jugendamt einen Fan-Sozialarbeiter, der auf Honorarbasis 25 Stunden im Monat arbeitet. Das koste die Stadt 4000 bis 5000 Euro im Jahr. Nun müsse man schauen, wo man die restlichen 25 000 Euro hernehmen könne, sagt Griesing. Allerdings habe er bei dem Treffen auch erfahren, dass man das Fanprojekt mit „Viertmitteln“ auf die Beine stellen könne. Wenn das Projekt bei einem freien Träger der Jugendhilfe angesiedelt werde, dann sei es möglich, dass statt der Stadt Sponsoren die 30 000 Euro zahlen.

Diese Möglichkeit gebe es, bestätigt Goll. „Aber es wäre schon sinnvoll, wenn die Stadt dahintersteht. Das Fanprojekt ist eine einfache und billige Möglichkeit für eine Kommune, Jugend- und Sozialarbeit anzubieten, die es ohnehin geben muss.“ Mit wenig Mitteln könne man viel erreichen, weil das Angebot niedrigschwellig sei. Zielgruppe seien Fans bis 27 Jahre. Dort würden auch Themen wie Arbeitslosigkeit, Drogen und Rechtsradikalismus von den Sozialarbeitern angesprochen.

Der KSV Hessen Kassel habe den Ruf, eine „rege und aktive Fanszene“ zu haben, sagt Goll. Mit Ausschlägen ins Positive und Negative. Das Fanprojekt soll für Gewaltbereite auch Handlungsalternativen aufzeigen.

Das sieht Fan-Sozialarbeiter Dennis Pfeiffer, der als Honorarkraft arbeitet, genauso. Das Projekt soll den Fans grundsätzlich zeigen, wie sie ihr kreatives Potenzial im positiven Sinn ausschöpfen können.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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