MHK will historischen Weinberg an  Löwenburg wieder sichtbar machen

Rebstöcke am Burgberg im Bergpark Wilhelmshöhe

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Weinberg neben der Burg: Siegfried Hoß, Gartenhistoriker von der MHK, zeigt eine Kopie einer aquarellierten Federzeichnung von Johann Conrad Bromeis von 1814, auf der rechterhand der Löwenburg ein terrassenförmiger Weinberg zu sehen ist.

Kassel. Nicht nur für den Weinberg an der Frankfurter Straße gibt es die Idee, wieder Wein anzubauen. Auch an der Löwenburg im Bergpark gab es früher einen Weinberg, der wieder sichtbar werden soll.

Auf historischen Plänen und einem Bild aus dem Jahr 1814 ist zu sehen, dass es damals einen Weinberg an dem Steilhang unterhalb des Burggartens gegeben haben müsse, sagt Siegfried Hoß, Gartenhistoriker der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Einen schriftlichen Beleg habe man bislang allerdings nicht gefunden. An dem Hang könne man aber heute noch leichte Wellen erkennen, wo früher offenbar die Wege durch auf den Weinbergterrassen verliefen.

Im Zuge der Wiederherstellung der Außenanlagen der Löwenburg in ihrer historischen Form wolle man auch den Weinberg wieder erkennbar machen, erläutert Hoß. Ziel sei dabei nicht, tatsächlich auch Wein zu keltern. Mit dem Setzen einiger Weinstöcke wolle man aber das Bild des Weinbergs wieder erstehen lassen und damit das Gesamteindruck der mittelalterlichen Löwenburg komplettieren. Ob Anfang der 19. Jahrhunderts unter Landgraf Wilhelm IX, dem späteren Kurfürsten, tatsächlich ernsthafter Weinanbau betrieben wurde, bezweifelt Hoß. Vermutlich sei der etwa 1000 Quadratmeter große Weinberg schon seinerzeit zu Schau-Zwecken angelegt worden, um die mittelalterliche Anmutung der Burg zu unterstreichen. Der Hang der nach Osten gelegen ist, bekomme aber durchaus viel Sonne, sagt Gartenhistoriker Hoß. „Am Mittag flirrt es hier bei Hitze richtig.“ Um den Weinberg wieder erlebbar zu machen, strebe man an, im Idealfall historische Sorten anzupflanzen. Die Terrassen und dazwischen verlaufenden Wege werde man - entgegen erster Ideen - allerdings nicht wieder anlegen. Denn der Hang liege auf empfindlichem Tuffstein, den lasse man nach Aussage eines Geologen besser in Ruhe.

Wieviel das Vorhaben, wieder Wein auf dem Burgberg anzupflanzen, kosten würde, kann Hoß nicht genau beziffern. Man befinde sich noch am Anfang der Planung. Sicher werde der Hang, der derzeit nur einmal im Jahr gemäht wird, mehr Pflege brauchen. Das Teuerste wäre laut Hoß aber vermutlich die Anschaffung der Weinstöcke. Wenn es sich um seltene Sorten handele, könne es sein, dass man sie vorher veredeln lassen müsse. 

Bevor die Idee in die Tat umgesetzt werden kann, gilt es ohnehin eine Genehmigung einzuholen. Um Wein anzubauen, bedarf es einer Pflanzerlaubnis. Wenn es lediglich darum geht, historische Weinberg wieder erlebbar zu machen, sind die Auflagen allerdings weniger streng als für Weinanbau zum Keltern - wie es für den Weinberg in der Stadt geplant ist. (rud)

Hintergrund

Landgraf Wilhelm IX ließ die Löwenburg zwischen 1793 und 1801 im Geist der romantischen Mittelalterschwärmerei von vorneherein als Ruine einer Ritterburg errichten. Sie diente ihm aber nicht als Festung, sondern als Lustschloss. Derzeit saniert die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) die Löwenburg bei laufendem Betrieb. Unter anderem wird der im Krieg zerstörte Hauptturm der Burg wieder aufgebaut. Bis zum Jahr 2014 sollen die Arbeiten noch dauern, die Kosten sind mit 27 Mio. Euro veranschlagt. Weitere zwei Mio. Euro stehen für die Außenanlagen zur Verfügung. Hier ist ein Großteil der Arbeiten bereits abgeschlossen. So wurden unter anderem die Weinbergtreppe oder Felsentreppe samt Mauer instandgesetzt und der Turnierplatz wieder nach historischen Vorbild hergerichtet. Im Burggarten wurde der Brunnen saniert, außerdem wird, wo seinerzeit ein Pavillon mit Blick aufs Schloss und die Stadt stand, eine Lindenlaube gezogen. Geplant ist noch, den Gemüsegarten auf der Wiese hinter dem Schloss wieder anzulegen. Ähnlich wie bei der Weinbergidee geht es dabei weniger um eine ertragreiche Ernte als darum, das Bild des historische belegten Gemüsegarten wieder erstehen zu lassen. (rud)

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