Rebanbau auf dem Weinberg: Bald wieder ein Riesling aus Kassel?

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Nach der Kunst soll der Wein kommen: Umwelt- und Gartenamt und Weinbergverein wünschen sich wieder Rebenanbau auf den Weinbergterrassen. Ob die Pläne realisierbar sind, ist noch unklar.

Kassel. Ein guter Tropfen aus Kassel - den würde sich nicht nur Regula-Maria Ohlmeier, Leiterin des Umwelt- und Gartenamtes und Vorsitzende des Weinbergvereins, gern einmal munden lassen.

Sie verfolgt die Idee, auf dem Weinberg, dessen Terrassen für die documenta gerade wieder zugänglich gemacht worden sind, Reben anzubauen. Schon im Mittelalter wurden auf Kassels Balkon Weintrauben angebaut.

Den erzeugten Wein - denkbar wäre etwa ein Riesling - könnte man in der regionalen Gastronomie vermarkten, erläutert Ohlmeier den Plan. „Oder der Oberbürgermeister könnte den Wein als Gastgeschenk mitnehmen.“

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Dass es nicht ohne Weiteres möglich sein wird, das Vorhaben in die Tat umzusetzen, zeichnet sich allerdings schon ab. Denn wer Reben für den Weinanbau pflanzen darf, ist in EU-Verordnungen, dem deutschen Weingesetz und der Weinverordnung geregelt. Die Pflanzrechte sind in Deutschland auf die Bundesländer verteilt und begrenzt. Hintergrund der Regulierung ist der Schutz des Weinbaus in schwierigen Lagen und das Verhindern von Überproduktion.

Regula Ohlmeier

Derzeit gibt es nach Angaben des hessischen Umweltministeriums etwa 3580 Hektar Anbauflächen in den Gebieten Bergstraße und Rheingau (dazu wird auch der Böddiger Berg bei Felsberg gezählt, Hessens bislang nördlichste Rebfläche). 4000 Hektar seien zwar noch als Reserve verfügbar, sagt Ministeriumssprecher Sebastian Wysocki. Allerdings sei die Ausweisung neuer Flächen nur dann zulässig, wenn die Eignung zum Weinanbau nachgewiesen sei und die Flächen in unmittelbarer Nähe zu bereits bestehenden Weinbaugebieten liegen. Wysocki: „Diese Voraussetzungen sind für den Kasseler Weinberg nicht gegeben.“

Eine Bodenprobe habe man bereits gezogen, sagt Regula Ohlmeier. „Von der Bodenbeschaffenheit wäre der Weinberg geeignet.“ Die mögliche Anbaufläche betrage 0,8 Hektar (8000 Quadratmeter) auf den weitläufigen Terrassen.

Rechtlich ohne Probleme umzusetzen wäre der Anbau von Tafeltrauben zum Essen, zum Keltern von Most oder zur Herstellung von Gelee. Für Wein, Federweißer und Sekt ist hingegen eine Genehmigung nötig. Ein Schlupfloch zum Anbau von Keltertrauben gibt es allerdings für Hobbyweingärtner. Wenn die Anbaufläche nicht größer als ein Ar (100 Quadratmeter) ist, braucht man keine Genehmigung für eine Neuanpflanzung. Da ein Ar aber zu wenig sei, um historische Weinberge wieder erlebbar zu machen, erlaube das Umweltministerium bis zu 20 Einzelparzellen verschiedener Bewirtschafter nebeneinander, sagt Sprecher Wysocki. Allerdings dürfe der erzeugte Wein dann nicht verkauft oder in Verkehr gebracht werden - also der Stadt Kassel auch nicht als Gastgeschenk dienen.

Regula Ohlmeier will aber an ihren Plänen festhalten. Nach der documenta will sie sich hinter die Angelegenheit klemmen und das Gespräch mit dem Ministerium suchen. (rud)

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