„Balsam für Nordhessen“

Erinnerungen: Altbundespräsident von Weizsäcker zu Besuch in Kassel

Bei der documenta 9: 1987 kam Richard von Weizsäcker mit seiner Frau Marianne (links) nach Kassel. Karin und OB Hans Eichel begleiteten sie.

Kassel. Auch in Kassel hat er Weichen gestellt: Der am vergangenen Samstag im Alter von 94 Jahren gestorbene ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker gab am 29. Mai 1991 das Startsignal für die Fahrt ins ICE-Zeitalter.

Bei der Eröffnung des Fernbahnhofs Wilhelmshöhe drückte von Weizsäcker symbolträchtig einen grünen Knopf – und öffnete den Kasselern das Tor zur Welt.

Eröffnung mit Prominenz: Bundespräsident Richard von Weizsäcker gab 1991 das Startsignal für den neuen IC-Bahnhof Wilhelmshöhe. Mit dabei (von links) Karin Eichel, OB Wolfram Bremeier und der damalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel.

Schon in den Jahren zuvor war Richard von Weizsäcker, dessen Neffe Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker von 1975 bis 1980 Präsident der Kasseler Gesamthochschule war, zu Gast in Kassel: Zur documenta 9 im Jahr 1992 ließ er sich vom damaligen Kasseler Oberbürgermeister Hans Eichel beim Besuch der Kunstausstellung begleiten. Gespeist wurde im Anschluss im Landhaus Meister, wo in den Achtzigerjahren noch staatsmännische Delikatessen wie getrüffelte Gänseleberpastete und Froschschenkel auf der Speisekarte zu finden waren.

Seinen ersten offiziellen Besuch, bei dem sich Richard von Weizsäcker in das Goldene Buch der Stadt Kassel eintrug, nahm der damals frisch gewählte Bundespräsident in seinem ersten Amtsjahr 1984 vor. Dass er Kassel im September noch vor der Landeshauptstadt Wiesbaden einen Besuch abstattete, veranlasste Oberbürgermeister Hans Eichel damals zu dem Ausspruch: „Das ist Balsam auf die Seele der Nordhessen.“ Anlass für den Präsidentenbesuch war der Festakt zum 100-jährigen Bestehen der sozialgerichtlichen Rechtsprechung in Kassel.

Hoher Besuch: Im Rahmen der documenta 8 besuchten 1987 der FDP-Politiker Wolfgang Gerhardt, Karin Eichel, Exfrau von Hans Eichel, der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die Schriftstellerin Christine Brückner und Dr. Ernst Wilke, ehemaliger Regierungspräsident (vorn von links) das Landhaus Meister. Hinten rechts steht Chef Hans Meister.

Bei seinem Besuch im Rathaus nannte von Weizsäcker damals vier Schlagworte, die Kassel so bemerkenswert machten: die Natur, die Geschichte, die Kultur und die Industriegesellschaft mit ihren Umbrüchen.

Richard von Weizsäcker sprach damals von einer Stadt, in der es sich angesichts der „schönen, typischen Landschaft“ gut leben lasse, die dem Schutz der Umwelt und des Waldes besonders aufgeschlossen sei. Kassel, so schloss der Präsident, sei eine Stadt „voller Lebenskraft, voller Menschlichkeit“. (abe)

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