Kasseler Bank und Volksbank Göttingen gehen zusammen

Bankenfusion: Kreditinstitut will alle Stellen und Filialen erhalten

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Führen künftig die neue Bank (von links): Wolfgang Osse, Volker Stern und Martin Schmitt (alle Kassel) sowie Markus Bludau und Hans-Christian Reuß (beide Göttingen).

Kassel/Göttingen. Die Regionalbanken im Lande stehen gewaltig unter Druck: Anhaltende Niedrigzinsen berauben sie immer stärker ihrer wichtigsten Ertragsquelle.

Gleichzeitig steigen die Kosten wegen der zunehmenden Bankenregulierung durch nationale und europäische Aufsicht sowie hohe Investitionen in die fortschreitende Digitalisierung. Kleinen Banken fällt es immer schwerer, dies alles zu stemmen, der Fusionsdruck wächst.

Soweit wollten es die genossenschaftlichen Platzhirsche in den boomenden Oberzentren Kassel und Göttingen, die Kasseler Bank und die Volksbank Göttingen, nicht kommen lassen. Sie verschmelzen ohne Not. „Beide Institute könnten ihre Märkte noch Jahre erfolgreich allein bearbeiten, aber wir wollen auch in Zukunft der Antriebsriemen für die wirtschaftliche Entwicklung in zwei Wachstumsregionen sein“, erklärte Kasseler-Bank-Chef Martin Schmitt am Freitag bei der Präsentation der Pläne. Somit sei die angestrebte Fusion auch ein starkes Bekenntnis zur mittelständischen, stark Export orientierten Wirtschaft in der Region Nordhessen/Südniedersachsen. Viele Unternehmen wüchsen kräftig und damit deren Kreditbedarf.

Wie Schmitt unterstrich auch dessen Göttinger Kollege, Markus Bludau, dass die Verschmelzung nicht unter Konsolidierungs- sondern vielmehr unter Wachstumsaspekten vorgenommen werde. Am Ende stünden „eine sehr starke Bank und ein Mehrwert für alle Kunden“. Und Schmitt ergänzte, dass man den Markt künftig noch stärker bearbeiten, und neue Geschäftsfelder auftun werde.

Und dazu „brauchen wir alle Mitarbeiter“, betonte Bludau. Weil es keinerlei geografische Überschneidungen der beiden Geschäftsgebiete gebe, würden alle Filialen und Selbstbedienungsterminals erhalten. Gleichzeitig bündele man Kräfte, um den wachsenden Anforderungen besser gerecht werden zu können.

Tatsächlich handelt es sich beim Zusammenschluss der beiden Häuser formal um eine Übernahme. Denn die Göttinger werden – auch aus steuerlichen Gründen – auf die Kasseler verschmolzen. Genau genommen ist der Deal eine Übernahme, aber eine freundliche, partnerschaftliche und auch von den Aufsichtsräten gewollte. Die 58 700 Mitglieder der beiden Banken – also die Eigentümer – werden gleichberechtigt sein. Deshalb betonen Schmitt und Bludau immer wieder, dass es sich um eine „Fusion auf Augenhöhe“ handele. „Bei all unseren Überlegungen haben wir das Wohl unserer Kunden im Blick“, erklärt Schmitt.

Das Geschäftsgebiet der künftigen Volksbank Kassel-Göttingen erstreckt sich auf Stadt und Kreis Kassel sowie Teile des Kreises Waldeck-Frankenberg in Hessen sowie die Kreise Göttingen und Northeim in Niedersachen und Teile des thüringischen Eichsfelds. Die beiden Banken sind zwar unterschielich groß, im Verhältnis aber sehr ähnlich. Das gilt sowohl für Kosten- und Ertragstruktur als auch für Einlage- und Kreditvolumen.

Hintergrund: Bankenlandschaft in Bewegung

Die Bankenlandschaft in der Region ist in Bewegung: In Südniedersachsen und Westthüringen wollen die Volksbank Mitte (Duderstadt) und die in Heiligenstadt fusionieren. Dasselbe gilt für die VR-Bank Südniedersachsen in Dransfeld und Weserbergland in Holzminden. Im vergangenen Jahr taten sich die Raiffeisenbanke Wolfhagen und Calden zusammen, im Süden entstand der VR-Bankverein (einst Bebra) Bad Hersfeld-Rotenburg.

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