Dieter Mehlich, Chef der Kasseler Sparkasse, hat heute seinen letzten Arbeitstag

Der Banker mit Herz geht

Dieter Mehlich, Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse, wechselt in den Ruhestand. Foto: Koch

Kassel. „Wenn es am schönsten ist, soll man gehen“, sagt Dieter Mehlich, Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Ende des Jahres wechselt er in den Ruhestand, einen Monat später wird er 63 Jahre alt. Fünf Jahre stand er an der Spitze der Sparkasse, fast 23 Jahre war er im Vorstand.

„Die Sparkasse war genau richtig für mich“, sagt Mehlich. Er hat gern für das Geldinstitut gearbeitet. „Bis zu 50 Stunden die Woche, bisweilen hat meine Frau Inge den Verdacht gehegt, ich bin mit der Sparkasse verheiratet“, witzelt er. Die Sparkasse mit ihren Kunden, das sei seine Welt. Wie ernst er die Beziehung zu den Kunden nahm, konnte jeder auf seiner Visitenkarte lesen. Dort standen Privatadresse und Telefonnummer in Kassel.

Bereut habe er diese Offenheit nie, sagt er. Auch nicht, wenn Kunden aus dem Urlaub anriefen, weil ihnen die Scheckkarte geklaut worden war und sie gesperrt werden musste. Als er 2006 den Posten übernahm, trat er mit dem Versprechen an, der erste Dienstleister „seiner“ Sparkasse zu sein, und so war es.

Bestes Jahresergebnis

Wenn Mehlich den Vorsitz an seinen Nachfolger Ingo Buchholz abgibt, dann mit dem „besten Jahresergebnis in der Geschichte des Hauses“. 2009 lag die Bilanzsumme der drittgrößten Sparkasse Hessens bei rund fünf Milliarden Euro, der Jahresüberschuss bei neun Millionen Euro. 2010 sei das Betriebsergebnis noch besser, die Risikokosten seien weiter gesenkt und das Eigenkapital gestärkt worden. Details gibt es Anfang Februar.

Dabei waren die vergangenen Jahre in der Finanzwirtschaft keineswegs rosig. Zur Hochzeit der Finanzkrise im Oktober 2008 beruhigt Mehlich die Kunden mit dem Satz, dass „ihr Geld bei der Sparkasse sicher ist“. Das war eine gefährliche Zeit, erinnert er sich. Die Lehman-Bank war pleite, die Gefahr, dass auch Sparkassenkunden vor Schreck ihr Geld abziehen, war enorm. „Kaum vorstellbar, wenn alle aufgrund der Krise ihr Geld abgehoben hätten“, sagt er.

Nun schlägt der Werder-Bremen-Fan, der Beatles- und Musical-Liebhaber einen neuen Weg ein. Kontakte fern der Sparkasse will er pflegen, Urlaub machen und Radtouren mit Freunden – Ideen hat er viele. Ganz wird er sich nicht aus der Öffentlichkeit verabschieden: „Ein paar Ehrenämter behalte ich.“ Beruflich räumt Mehlich das Feld für seinen Nachfolger – auch sein Büro. Das hätte er gern renoviert übergeben, aber „die Handwerker haben aufgrund der guten Konjunktur keine Zeit“. An solchen „Schönheitsarbeiten“ hat er in der Vergangenheit gespart. „Es gab Wichtigeres“, sagt er bescheiden. So ist auch sein Arbeitszimmer eingerichtet. Sehr funktionell – außer einem Foto von Sohn Patrick gibt es nichts Privates.

Ab Weihnachten hat nun die Familie Vorrang. Doch Mehlich, Loriot-Fan und mit vielen Karnevals-Orden ausgezeichnet, gibt Entwarnung. Ganz so arg wie im Loriot-Klassiker „Pappa Ante Portas“ wird es nicht. Seiner Frau Inge habe er zwar angeboten, wie im Film den Posten des Einkaufsmanagers zu übernehmen. Doch sie gab ihm – angesichts drohender Senf-Schwemme – einen Korb.

Von Martina Wewetzer

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