Verband der Wohnungswirtschaft fordert Förderprogramm für altersgerechten Umbau

Barrieren abbauen ist teuer

Britta Marquardt

Kassel. Der demografische Wandel stellt auch die Wohnungswirtschaft vor Herausforderungen. Durch den wachsenden Anteil älterer Menschen steigt auch der Bedarf an barrierearmen Wohnungen. Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW), dem auch viele Kasseler Wohnungsunternehmen angehören, fordert vom Bund daher finanzielle Unterstützung beim altersgerechten Umbau von Wohnungen.

Mieten zu hoch für Ältere

Der altersgerechte Umbau von Wohnungen im Bestand sei mit erheblichen Kosten verbunden, sagte Rudolf Ridinger, Vorstand des VdW Südwest, jetzt im Pressegespräch mit der HNA. Allein der nachträgliche Einbau eines Aufzugs koste etwa 100 000 Euro und mehr. Wenn es keine öffentlichen Zuschüsse gebe, hätten die Investitionen der Wohnungswirtschaft zwangsläufig Mieterhöhungen zur Folge. Gerade alte alleinstehende Menschen, die auf barrierefreie Wohnungen angewiesen seien, hätten aber oft einen kleinen Geldbeutel.

Die neue Bundesregierung habe eigentlich die Unterstützung des altersgerechten Umbau angekündigt, in den Haushaltsplänen sei davon jedoch nichts zu finden, kritisiert Ridinger. „Die Investoren werden entgegen der Versprechungen alleingelassen.“ Bundesweit sind nach Verbandsangaben derzeit nicht einmal zwei Prozent der Wohnungen barrierearm.

Auch die Vereinigten Wohnstätten 1889 in Kassel bemühen sich, ihren Bestand (4500 Wohnungen, davon 4000 in Kassel), nach und nach zu modernisieren, sagt Britta Marquardt vom Vorstand.

„Das bringt uns finanziell an die Grenzen.“ Auf jeden Fall wolle man vermeiden, „dass nachher eine Witwe mit kleiner Rente ihre Miete nicht mehr bezahlen kann“.

Die Genossenschaft 1889 hat zuletzt an der Menzelstraße und der Goethestraße Wohngebäude umgebaut. Während die Mietpreise zuvor bei 4 Euro pro Quadratmeter lagen, seien sie durch die Modernisierung auf bis zu 6,50 Euro gestiegen.

Gerade angesichts eines erwarteten Anstiegs der Altersarmut tue sich ein Riesenproblem auf, wenn altersgerechtes Wohnen nicht gefördert werde, sagte Ridinger.

Vereinsamung ist ein Problem

Das größte Problem der älteren Menschen sei jedoch Vereinsamung, so der Verbandschef. Neben dem altersgerechten Wohnungsumbau sei daher auch der Ausbau der sozialen Arbeit in den Quartieren nötig.

Der Nachbarschaftshilfe-Verein „Hand in Hand“ der Vereinigten Wohnstätten 1889 sei ein Beispiel. Man verstehe es nicht nur als Aufgabe der Genossenschaft, günstiges Wohnen zu ermöglichen, sagte Britta Marquardt. Sondern auch, die Beratungs- und Kontaktmöglichkeiten in den Quartieren auszubauen und nicht zuletzt dafür zu sorgen - wie in der Unterneustadt - dass es fußläufig erreichbare Lebensmittelläden gebe. Fotos: Rudolph

Von Katja Rudolph

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