Schulsanierung und Bäder: Ortsverein Jungfernkopf warf Kämmerer vor, er schade dem Ansehen der Sozialdemokraten

Barthel erregt Unmut in der eigenen Partei

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Jürgen Barthel

Kassel. Für seinen Vorschlag, ein zentrales Freibad unterhalb des Bergparks zu bauen und die beiden Standorte in Wilhelmshöhe und Harleshausen zu schließen, hat Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel eine klare Absage von allen Fraktionen einschließlich der SPD bekommen.

Deutliche Worte zum Agieren des sozialdemokratischen Dezernenten fand kürzlich vor allem der Ortsverein Jungfernkopf.

Dem SPD-Unterbezirksausschuss – der Vertretung der 22 Ortsvereine – legten die Jungfernköpfer eine Resolution vor, in der sie Barthels Vorgehen in der Bäderdiskussion sowie beim Wirbel um einen Sanierungsstopp der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) scharf kritisieren. Dabei stoßen den Genossen vor allem die Alleingänge Barthels in der Öffentlichkeit auf.

Die „selbst verschuldete unverantwortliche Außendarstellung der Vorgänge“ habe dem Ansehen der SPD geschadet, heißt es in dem Papier, das während der Sitzung vorgelesen wurde. „Ursozialdemokratische Ziele“ der Partei, nämlich Bildung und Sport, sowie verbindliche Beschlüsse der SPD-Fraktion ignoriere der Stadtkämmerer und kommissarische Baudezernent einfach.

Zwar nahm der Unterbezirksausschuss die Rüge vom Jungfernkopf lediglich zur Kenntnis. Allein steht der Ortsverein mit seiner Meinung aber offenbar nicht. Auch innerhalb der Rathausfraktion gab es Unmut darüber, dass SPD-Mann Barthel mit seiner Einzelmeinung ohne Rücksprache an die Öffentlichkeit ging.

Parteivorsitzender Jürgen Kaiser sieht die Resolution vom Jungfernkopf („Das war ein Stück weit Ventil“) nicht als exemplarisch für das Klima gegenüber Barthel innerhalb der SPD. Auch seien parteiinterne Diskussionen über verschiedene inhaltliche Positionen in Ordnung. „Aber wenn man von Anfang an vernünftig miteinander redet, entsteht manches Problem erst gar nicht.“

Kaiser nimmt den Kämmerer in der Angelegenheit ASS in Schutz. Dass die Schulsanierung fortgesetzt werden konnte, sei vor allem Barthels Verdienst, der dafür Mittel umgeschichtet habe.

Barthel: „Kein Denkverbot“

Dr. Jürgen Barthel gibt sich gegenüber der Kritik aus dem Ortsverein gelassen. „Ich bin dem Wohle der Stadt verpflichtet und habe diesen Anspruch erfüllt.“ An der Albert-Schweitzer-Schule sei man ihm dankbar, dass er die Situation „eher gerettet“ habe. In der Bäderdiskussion habe er deutlich gemacht, dass es sich bei dem Vorschlag um seine persönliche Meinung als Bäderdezernent handele. „Und das lasse ich mir nicht nehmen.“ Zu seiner Idee stehe er weiterhin. Angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt dürfe es keine Denkverbote geben.

Innerhalb der SPD sehen das einige anders. Wenn es Absprachen innerhalb der Fraktion und auch mit dem Koalitionspartner gebe, sagt ein Vorstandsmitglied aus einem der Kasseler Ortsvereine, müsse sich auch der Kämmerer daran halten. „In der Öffentlichkeit wird sonst das Bild der SPD als verlässlicher Partner beschädigt.“

Von Katja Rudolph

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