Angeklagte im Prozess um Kokaingeschäfte müssen in Untersuchungshaft bleiben

Baseballschläger vor Gericht im Fokus

Kassel. Es war ein Tag der Baseballschläger-Beschaffung. Verteidiger Knaak hatte extra ein solches Sportgerät gekauft und zur Verhandlung um Kokaingeschäfte ins Amtsgericht getragen. Staatsanwalt Karl-Heinz Ernst wurde losgeschickt, ein weiteres Modell aus den Vitrinen seiner Behörde zu beschaffen.

Der gravierendste Vorwurf in dem Verfahren hat mit einem solchen Knüppel zu tun. Die drei Angeklagten aus Kassel, Homberg und Dresden sollen einen jungen Mann damit in einer Weise misshandelt haben, die der Staatsanwalt als Vergewaltigung einstuft.

Bis der Nebenkläger dieses Geschehen im Gerichtssaal beschrieb, waren mehrere Verhandlungstage vergangen. Nach Warnungen seiner Ärztin durfte er schließlich in Abwesenheit der Angeklagten aussagen. Einige Stunden später wurden die drei in Untersuchungshaft genommen. Das war vor zweieinhalb Wochen.

Den Anträgen der Verteidiger, ihre Mandanten wieder freizulassen, gab das Gericht nicht statt - und damit zu erkennen, dass es den Aussagen des Nebenklägers weiter glaubt. Die Verteidiger hingegen halten den Mann für unglaubwürdig. Ein Gutachten zu dieser Frage einzuholen, hatte das Gericht beim dritten Termin abgelehnt - wie weitere Beweisanträge auch.

Entsprechend schlecht kam es an, als die Anwälte am Montag von Fragen erfuhren, die dem Nebenkläger nach dem vorherigen Prozesstermin noch gestellt worden waren. Ein Polizist hatte den seit einiger Zeit körperlich schwer erkrankten jungen Mann, der sich zudem in einem Zeugenschutzprogramm befindet, auf Bitten von Richter Klaus Döll angerufen und einige Nachfragen an ihn gerichtet. Er kenne ja „die hiesigen Gepflogenheiten“ nicht, bemerkte der Dresdner Verteidiger Uwe Mosig spitz. Aber eine Befragung „ganz locker mal eben am Telefon“ halte er für „ungewöhnlich“. Der Richter erläuterte, es sei ihm darum gegangen, den Zeugen zu schützen.

Abgelehnt hatte das Gericht vor zweieinhalb Wochen auch ein rechtsmedizinisches Gutachten zu erwartbaren körperlichen Verletzungen des Nebenklägers. Die Verteidiger finden es auffällig, dass ein Arzt nach dem geschilderten Übergriff keine Verletzungen festgestellt hatte. Jetzt wurde ein Urologe dazu gehört. Er hielt einen Hergang ohne Verletzungen für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen. Vor allem seiner Anschauung hatten die mitgebrachten Baseballschläger gedient. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Katja Schmidt

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