Bundesweit sind 88 504 Ältere mehr ohne Beschäftigung

IG Bau: Amt trickst bei Arbeitslosenzahlen

Kassel. Längere Zeit arbeitslose Menschen werden nach einem Jahr nicht mehr in der offiziellen Arbeitslosenstatistik der Agentur für Arbeit geführt, wenn sie in dieser Zeit kein Stellenangebot bekommen haben.

Die nordhessische Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sieht darin eine „üble Trickserei mit der Arbeitslosenstatistik“. Die Kasseler Arbeitsagentur weist den Vorwurf zurück, bestätigt aber das Zählverfahren. Die Betroffenen würden nicht als arbeitslos, sondern in einer anderen Statistik als unterbeschäftigt registriert.

Die Arbeitslosigkeit unter älteren Menschen sei in Kassel höher als offiziell benannt, sagt der nordhessische IG-Bau-Bezirksvorsitzende Helmut Ruckert. Im Dezember 2009 gab es im Bereich Kassel 119 ältere Arbeitslose mehr als in der offiziellen Statistik ausgewiesen. Betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft Hartz-IV-Empfänger, die älter als 58 Jahre sind.

Bundesweit würden derzeit 88 504 Langzeitarbeitslose nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt, in Hessen seien es rund 1800. „Die Bundesregierung trickst an allen Ecken und Enden, um die Beschäftigungsquote älterer Menschen künstlich hochzurechnen“, kritisiert Ruckert. So werde die Rente mit 67 „auf Biegen und Brechen“ gerechtfertigt.

Die Arbeitsagentur Kassel weist laut Sprecherin Silke Sennhenn im Arbeitsmarktbericht immer auch die Zahl der Menschen aus, die zwar statistisch nicht als arbeitslos gelten, aber dennoch keine Beschäftigung haben. Diese Gruppe zeige zusammen mit den Arbeitslosen das tatsächliche Ausmaß der Unterbeschäftigung.

„Über diese Unterbeschäftigung schaffen wir in der monatlichen Arbeitsmarktberichterstattung jederzeit völlige Transparenz“, sagt Sennhenn. Wer als Arbeitsloser zu zählen sei, habe der Gesetzgeber in den Sozialgesetzbüchern II und III eindeutig festgelegt. ZUM TAGE, NÄCHSTE SEITE

Von Jörg Steinbach

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