Christian Vieth vermittelt über sein Internetportal Höfe an angehende Agrarwirte

Bauer sucht Nachfolger

Der Bauernhof-Vermittler: Christian Vieth hilft Bauern, geeignete Nachfolger zu finden. Foto: Klant/ Archiv

Kassel. In Deutschland gibt es noch etwa 300 000 landwirtschaftliche Betriebe. Nur ein Drittel der Landwirte hat einen Nachfolger für seinen Hof. Um dem Höfesterben entgegenzuwirken, gründete der 37-jährige Christian Vieth, der in Kassel Ökologische Agrarwissenschaften studiert hat, das Portal hofgründer.de. Dahinter steckt die Idee, junge Menschen mit Bauern in Kontakt zu bringen, die keinen Nachfolger in der Familie haben. Inzwischen hat das Kasseler Unternehmen fünf Mitarbeiter.

„Mit dem Portal können wir Existenzgründer und Landwirte zusammenführen und den Prozess der Übernahme anstoßen sowie beratend zur Seite stehen“, sagt Vieth. Der 37-Jährige besuchte während seiner Studienzeit am Uni-Standort Witzenhausen eine Lehrveranstaltung zu Neugründungen landwirtschaftlicher Betriebe. Dort wurde anhand praktischer Beispiele erläutert, wie eine Existenzgründung in der Landwirtschaft realisiert werden kann.

Studenten suchen die Praxis

Durch die Mitarbeit an einem Forschungsprojekt startete er eine bundesweite Umfrage, ob Agrarstudierende daran interessiert sind, einen eigenen Betrieb zu gründen. Die Ergebnisse zeigten: 35 bis 50 Prozent der Studenten wollen in die praktische Landwirtschaft einsteigen.

2004 übernahm er die Lehrveranstaltung, zunächst als studentischer Tutor, und fungierte für die Studenten immer mehr als Berater. Als sich mehr Bauern bei ihm meldeten, um ihren Hof zur Übernahme anzubieten, startete er 2008 das Internetportal. Bis heute ist er aber Lehrbeauftragter im Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau.

Dass es seitens der Politik keinerlei Unterstützung für Existenzgründungen in der Landwirtschaft gibt, bemängelt Vieth.

Denn fehlt innerhalb einer Familie der Hofnachfolger – sei es aufgrund anderer beruflicher Vorstellungen oder unzureichender wirtschaftlicher Perspektive – ist die Versorgung der Landwirte im Ruhestand gefährdet. Innerhalb einer Familie wird ein Betrieb nicht vererbt, sondern es erfolgt eine Schenkung unter Auflagen, wodurch neben einem Altenteil, das Wohnen auf dem Hof und die Verpflegung für den Landwirt übernommen werden. Diese Form der Weitergabe wird aber ebenso an außerfamiliäre Nachfolger regelmäßig so praktiziert.

Zusammenleben

Vermittelt der gebürtige Rheinländer einen Hof zwischen studentischen Jungbauern und Verpächtern, dauert es etwa drei bis fünf Jahre, bis die Übernahme erfolgt und das bäuerliche Lebenswerk weitergeführt wird. „Beide Generationen müssen erst ein Gefühl dafür entwickeln, ob sie zukünftig zusammenleben wollen“, sagt Vieth.

Für die Zukunft hat es sich Christian Vieth zum Ziel gesetzt, jährlich 1200 Höfe zu vermitteln und die Landwirtschaft und ländlichen Räume somit am Leben zu halten.

Dafür baut er derzeit ein bundesweites Beraternetzwerk auf.

www.hofgruender.de

Von Jacqueline Kleinhans

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