Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft schlägt Alarm

Baukosten treiben Mieten hoch

Mietwohnungen zu bauen und in Schuss zu halten, wird wegen stark steigender Baukosten immer teurer. Entsprechend steigen auch die Mieten. Im Bild Wohnungen der GWH an der Leipziger Straße im Stadtteil Unterneustadt. Foto: nh

Nur die niedrigen Zinsen sorgen derzeit dafür, dass Mieter nicht noch mehr für Wohnungen berappen müssen. Sollten die Zinsen steigen und Baukredite teurer werden, droht ein weiterer Anstieg der Mieten.

Zudem könnte dann der dringend nötige Wohnungsneubau abgewürgt werden, warnt Dr. Rudolf Ridinger. Der Vorstand des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft machte am Dienstag in Kassel auf die Gefahren von enormen Kostensteigerungen im Wohnungsbau aufmerksam.

Dabei geht es nicht allein darum, dass Baumaterial und Handwerker immer teurer werden. Es geht auch um drastisch gestiegene Grundstückspreise. Kassel sei da Spitzenreiter, sagt Ridinger. In der Stadt hätten sich die Preise für gute Wohnlagen in fünf Jahren um 50 Prozent erhöht. Es geht zudem um die in Hessen von 3,5 Prozent auf sechs Prozent nahezu verdoppelte Grunderwerbssteuer und teure Auflagen, die bei Neubauten und Wohnungssanierungen erfüllt werden müssten. Neben den steigenden steuerlichen Belastungen seien auch enorme Qualitätsstandards zum Beispiel im Hinblick auf Energieverbrauch, Barrierefreiheit und Brandschutz starke Preistreiber. Was da in den Landesbauordnungen festgeschrieben werde, „darüber können wir öfter nur noch den Kopf schütteln“, erklärt Ridinger.

Preistreiberei

Und nennt als Beispiel Baden-Württemberg, wo geplant sei, künftig eine Pflicht zur Fassadenbegrünung in der Landesbauordnung festzuschreiben. In der hessischen Landesregierung in Wiesbaden werde derweil über eine künftige Zwangsabgabe für den öffentlichen Nahverkehr nachgedacht, die Hauseigentümer zu berappen hätten. Das gilt Ridinger als „ganz fataler Einstieg“ in die weitere Preistreiberei bei den Wohnkosten: „Wir können davor nur warnen.“

In Kassel hatte der Verband mit rund 30 Experten aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Nord- sowie Mittelhessen bei einer Regionalkonferenz zum Thema bezahlbare Wohnungen darüber beraten, wie Kosten im Wohnungsbau gesenkt werden können.

Dass auch die Sanierung und Modernisierung von Wohnungen immer teurer wird, bereitet den Wohnungsunternehmen zunehmend Probleme. Nach einer nötigen, aber kostenintensiven Modernisierung müssten die Mieten deutlich erhöht werden, berichtet Britta Marquardt, Vorstand der Genossenschaft Vereinigte Wohnstätten 1889. Für Neubauten fehle das Geld.

Die Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) will verstärkt größere Freiflächen zwischen den Häusern im Bestand für Neubauten nutzen, berichtet Christian Wedler, GWH-Geschäftsstellenleiter in Kassel. Damit könne man zumindest den hohen Grundstückspreisen ausweichen. Auch in Kassel komme man wegen des teuren Baugrundes und der rasanten Baukostenentwicklung inzwischen auf 11,50 bis zwölf Euro pro Quadratmeter Kaltmiete, wenn eine Neubauwohnung kostendeckend vermietet werden soll.

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