Hundertfach im Jahr werden sie mutwillig entfernt

Baum-Kennzeichnungen: Schraube schadet Stamm nicht

Unkomplizierte Kontrolle: Klaus Harbusch vom Umwelt- und Gartenamt demonstriert auf der Grünfläche an der Bosestraße, wozu die Schraube im Stamm dient. Die darin gespeicherten Daten zum Baum können bei der Kontrolle mit dem handlichen Lesegerät auf Knopfdruck abgerufen werden. Fotos: Koch

Kassel. Nanu, wer hat da eine Schraube in den Baum gedreht? Das fragen sich immer wieder aufmerksame Passanten, die an Bäumen an Kassels Straßen oder auf Grünflächen vorbeikommen. Schon seit 2006 kennzeichnet das Umwelt- und Gartenamt die städtischen Bäume mit Mikrochips.

Diese stecken im Kopf der Schrauben. Auf ihnen sind wichtige Daten zum Baum und der letzte Kontrolltermin gespeichert.

Immer wieder werden diese sogenannten Baumtags (tag = englisch für Markierung, Kennnzeichnung) aber entfernt. Die Mitarbeiter des Umwelt- und Gartenamts gehen davon aus, dass besorgte Bürger die Schrauben herausdrehen, weil sie glauben, dass sie Baum schaden. Das sei aber nicht der Fall, betont Klaus Harbusch vom Umwelt- und Gartenamt. „Es ist eine Mär, dass Schrauben oder Kupfernägel einen Baum kaputt machen können“, sagt der Sachgebietsleiter für Baumpflege. „Da müsste man schon 1000 Kupfernägel einschlagen, bis der Baum ernsthaft Schaden nimmt.“

Mehrere hundert der Baumschrauben würden im Jahr von Unbekannten entfernt, schätzt Harbusch. Dadurch entstehen der Stadt nicht nur zusätzliche Kosten (pro Schraube drei Euro). Die Mitarbeiter des Umwelt- und Gartenamts haben auch viel Arbeit damit, die Schrauben zu ersetzen.

In einigen Bereichen der Stadt komme es sogar vor, dass aus denselben Bäumen die Schrauben immer wieder gestohlen werden, sagt Harbusch. „Bei einigen Bäumen verzichten wir jetzt schon auf die Tags – wir wollen ja auch nicht Katz’ und Maus spielen.“ Dabei erleichtern die Baumschrauben den Mitarbeitern die die Pflege und Kontrolle der Bäume.

Schraube als Datenträger: In einem Chip im Kopf der Edelstahlschraube sind Details zur Kontrolle der Bäume hinterlegt.

Mit einem mobilen Lesegerät können die Baumkontrolleure die in dem Mikrochip hinterlegten Daten wie Alter und letzter Zustand auf Knopfdruck ablesen. Zugleich können Sie beim Kontrolltermin eingeben, ob der Baum noch standfest ist, ob tote Äste herausgeschnitten werden müssen oder ein Schädlingsbefall vorliegt. Damit dient das System auch der Sicherheit.

Man habe zwar in den vergangenen Jahren die Öffentlichkeit mehrfach über den Sinn der Baumschrauben informiert. Offenbar habe man aber noch nicht alle Bürger erreicht oder das Wissen um den Zweck der Tags gerate wieder in Vergessenheit. Daher ruft die Stadt jetzt nochmals dazu auf, die Schrauben in den Bäumen zu belassen.

Mehr als 80.000 Bäume in der Stadt werden vom Umwelt- und Gartenamt betreut. Knapp 35.000 davon sind mit einer Schraube versehen. Die Differenz kommt daher, dass die Tags erst ab einem Stammumfang von 60 Zentimetern eingesetzt werden, erklärt Harbusch. Jungbäume, deren Stamm noch wächst, werden nicht mit dem elektronischen Kennzeichen versehen. Zudem wird in Parks bei zusammenhängenden waldartigen Beständen nur ein Baum stellvertretend getaggt.

Von Katja Rudolph

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