Erst 2014 wieder Bauplätze

Wer in Kassel bauen will, muss Jahre warten

Kassel. Wer in Kassel sein Eigenheim bauen will, braucht viel Geduld. Auf der Warteliste für einen Bauplatz im Stadtgebiet stehen derzeit über 370 Interessenten, die sich schriftlich um Grundstücke beworben haben.

Auch wenn in den nächsten drei bis vier Jahren in vier Baugebieten etwa 150 neue Flächen erschlossen werden sollen, so wird die steigende Nachfrage aus Sicht des Magistrats auf absehbare Zeit nicht gedeckt werden können. Die Folge ist, so befürchtet es Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD), dass viele ihre Baupläne im Landkreis verwirklichen werden.

So würden ihm wichtige Einnahmen entgehen. Das Hauptproblem sei nicht, dass es der Stadt an Boden fehle, so Barthel, sondern es sei vielerorts noch kein Baurecht geschaffen worden. Barthel fordert, dass Bebauungspläne vorgezogen und die komplizierten Verfahren beschleunigt werden. „Die Chance der hohen Nachfrage müssen wir nutzen“, sagt der Kämmerer. Dabei gehe es ihm keinesfalls um Schuldzuweisung an den Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne).

Dieser sei schließlich erst ein Dreivierteljahr im Amt, und für Bebauungspläne brauche es einen längeren Vorlauf. Für das nächste Baugebiet mit 18 Bauplätzen im Forstfeld (Eibenweg) soll im Winter 2013/14 die Vermarktung beginnen. Frühestens 2015 sollen 90 Bauplätze in Bettenhausen („Vor dem Osterholz“), 30 Bauplätze in Harleshausen („Zum Feldlager“) und bis zu acht Bauplätze in Niederzwehren (Reichenberger Straße) verkaufsfertig sein. Bis auf zwei Grundstücke, bei denen die Vertragsabschlüsse kurz bevorstehen, sind alle städtischen Bauplätze verkauft.

Im privaten Sektor sieht es nicht anders aus: Es seien über das Stadtgebiet verteilt maximal zehn Bauplätze auf dem Markt, sagte Siegfried Putz, Sprecher der nordhessischen Sektion des Immobilienverbandes Deutschland. Häufig seien es nur Baulücken, und die Nachfrage treibe die Preise nach oben.

Von Bastian Ludwig

Alle wollen in den Westen

Nachfrage nach Bauplätzen ist in westlichen und südlichen Stadtteilen besonders hoch

Kassel. Der Kasseler Westen hat die größte Anziehungskraft: Von den 370 Bauwilligen, die sich im Rathaus um einen Bauplatz für ein Eigenheim beworben haben, wollen 66 Prozent am liebsten in die westlichen Stadtteile. Auf dem zweiten Platz rangiert der Kasseler Süden. Nur 15 Prozent können sich vorstellen, ein Haus in den nördlichen Stadtteilen zu bauen.

Unabhängig von den individuellen Prioritäten fehlt es im Stadtgebiet an erschlossenen Bauflächen. Wolfram Kieselbach, Vorstandsmitglied des Haus- und Grundeigentümerverbandes in Kassel (Haus & Grund) spricht davon, dass sich der steigende Bedarf seit vier, fünf Jahren abzeichne. „Man darf nicht erst anfangen, Baugebiete zu schaffen, wenn der Bedarf da ist. Wegen der aufwendigen Planungen muss das vorausschauend passieren“, sagt Kieselbach. Neben den fehlenden städtisch entwickelten Baugebieten gebe es auch so gut wie keine private Grundstückseigentümer, die ihr Land verkaufen wollten.

In Zeiten der Finanzkrise sei Bodenbesitz eine sichere Anlage. Kieselbach rechnet damit, dass wegen der hohen Nachfrage auch die Bodenrichtwerte steigen: „Ich denke, wir müssen mit Preissteigerungen von bis zu 10 Prozent rechnen.“ Dr. Norbert Wett, Fraktionsvorsitzender der CDU, will daher in der nächsten Stadtverordnetenversammlung beantragen, die Baulandschaffung zu beschleunigen. Das Thema sei verschlafen worden. „Die Grünen haben immer gesagt, sie wollen keinen Flächenverbrauch und lieber den Stadtkern entwickeln“, sagt Wett.

Beides hätte aus seiner Sicht rechtzeitig angestoßen werden müssen. SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe-Frankenberger ist sich mit Wett darüber einig, dass auf den geplanten Baugebieten „so schnell wie möglich Baurecht geschaffen werden muss.“ Es müsse vermieden werden, dass sich Interessenten wegen fehlender Bauplätze in den Landkreis orientieren.

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