Umsatzeinbußen für Geschäftsleute und Gastronomen

Baustelle in der Kasseler Königsstraße: Läden und Cafés fehlt Laufkundschaft

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Baustellenmeile: In der Königsstraße dominieren Bagger und Bauzäune das Bild. Shoppingfreude kommt hier nur bei den Wenigsten auf. 

Kassel. Halbzeit auf der Innenstadt-Baustelle. Doch durch die Arbeiten in der Königsstraße brechen bei Geschäftsleuten und Gastronomen die Umsätze ein.

In der Kasseler Innenstadt ist aufgrund der Baustelle nichts mehr los? Das zu sagen wäre übertrieben. Noch immer ist in den Sommerferien auch werktags Betrieb in den Läden und Cafés. Aber eben deutlich weniger als noch vor vier Wochen, bevor die Bagger anrollten, um das Gleisbett aufzureißen, und bevor der Gang durch die Königsstraße für Fußgänger zum Irrgarten wurde.

Dass die Einkaufsmeile derzeit ein Flickenteppich ist, bekommen besonders die Geschäftsleute und Gastronomen zu spüren. Ihnen fehlt die Laufkundschaft. Der Sportschuhladen Runners Point ist – nicht ganz ironiefrei – ein Extrembeispiel. Vom Rathaus in Richtung Opernplatz liegt er auf Höhe der Wilhelmsstraße in einer mit Bauzäunen abgesteckten Sackgasse. In diese verirren sich zwar im Sekundentakt Passanten, die meisten drehen aber sofort wieder um, sobald sie merken, dass es hier nicht weitergeht.

In seinen Laden „verirren“ sich derzeit nur sehr wenig Kunden: Martin Weise ist Filialleiter vom Runners Point in der Königsstraße. Der Laden liegt vom Rathaus aus in Richtung Opernplatz auf Höhe der Wilhelmsstraße direkt in einer mit Bauzäunen abgesteckten Sackgasse.

Dass sein Laden derart abgeschnitten ist vom Kundenstrom, mache sich auch im Umsatz bemerkbar, sagt Filialleiter Martin Weise. Der 32-Jährige sieht in der Baustelle ein Hemmnis für die Einkaufsfreude der Leute, hat aber auch Verständnis. „Klar ist es suboptimal, aber die Arbeiten müssen nun mal gemacht werden.“

Dass diese häufig ziemlich laut sind, mache es nicht leichter, Schuhe zu verkaufen. „Manchmal müssen wir wegen des Lärms die Türen schließen, um die Kunden zu verstehen.“ Sein Laden habe glücklicherweise genug Stammkundschaft, die trotz der Baustelle komme, sagt Weise. 

Schwieriger haben es Kaufleute, die überwiegend von Laufkundschaft leben, wie etwa der Kiosk am Opernplatz. Wo normalerweise immer kleine Warteschlangen an Kunden stehen, ist es derzeit menschenleer. Kiosk-Mitarbeiterin Jessica Bartel spricht von einem „deutlichen Kundenrückgang“ aufgrund der Arbeiten an der Königsstraße und der damit verbundenen Sperrung für Trams. Vor allem montags falle dies auf, dann gebe es üblicherweise einen großen Andrang, weil viele Postpakete geliefert würden. In diesen Tagen sei der Zulauf aber mau.

Bangt um das finanzielle Polster für den Winter: Silvana Gargano, Geschäftsführerin des Eiscafés Il Bacio am Königsplatz.

Existenziell ist die Lage für Silvana Gargano, Geschäftsführerin des Eiscafés Il Bacio am Königsplatz. „Im April und Mai haben wir gegenüber dem Vorjahr doppelt so viel Umsatz gemacht, seit die Baustelle da ist nur halb so viel.“ Bei dem Dröhnen der Maschinen und dem Staub, der von der Baustelle in der Mitte des Königsplatzes immer wieder aufgewirbelt wird, lassen sich nur Wenige einen Eisbecher oder einen Kaffee schmecken. Laufkundschaft fehle durch den ausbleibenden Tramverkehr ohnehin.

Einen Teil ihrer Terrasse hat Gargano dauerhaft geschlossen. Für das saisonabhängige Geschäft sind der Juni und der Juli normalerweise die ertragreichsten Monate des Jahres. Nun fürchten Gargano und ihr Mann, mit dem sie das Eiscafé gemeinsam betreibt, um ihr finanzielles Polster für den Winter.

Klares Statement zur Baustelle am Stern: Hier werden in der heutigen Nacht die beiden Gleiskreuzhälften miteinander verbunden.

Dass die Baustelle nicht nur für viele Geschäftsleute und Gastronomen, sondern auch für die Passanten ein Ärgernis ist, bekommen die Arbeiter und die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes zu spüren. „Wir werden schon mal beleidigt oder sogar bedroht“, sagt Volker Rommel (55) vom Sicherheitspersonal. 

Probleme mit aggressiven und teilweise alkoholisierten Passanten seien bei der Hitze und Enge auf einer so belebten Baustelle nicht ungewöhnlich. „Im Großen und Ganzen zeigen die Kasseler aber Verständnis“, sagt Rommel. „Es gibt auch Leute, die sehen, was hier geleistet wird.“

Das sehen auch Weise, Bartel und Gargano. „Ich verstehe, dass die Arbeiten gemacht werden müssen“, sagt die Eiscafé-Besitzerin. Ihren finanziellen Verlust wiegt dies jedoch freilich nicht auf.

Bis zum Ende der Sommerferien sollen die Arbeiten in der Königsstraße und am Stern abgeschlossen sein. Als nächster Schritt werden in der Nacht auf Samstag, also früher als geplant, die beiden Gleiskreuzhälften am Stern miteinander verbunden.

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