Die Probleme zwischen Rot und Grün beeinflussen die Verwaltungsspitze

Analyse: So steht der Magistrat zum Umbau des Kasseler Altmarktes

Die KVG hat vorgelegt, aber dabei bleibt’s erst mal: Die Gleise am Altmarkt wurden erneuert, für den Weiterbau fehlt Geld. Archivfoto:  Herzog

Kassel. Der Umbau des Kasseler Altmarktes ist gestoppt - nach offizieller Darstellung, weil das Land 300.000 Euro weniger zum Vier-Millionen-Projekt zuschießt, als die Stadt hoffte. Die Stadtverordneten können frühestens im August über die Mehrausgabe entscheiden, danach müssen die Aufträge neu ausgeschrieben werden.

OB Bertram Hilgen hatte jedoch eine Winterbaustelle ausgeschlossen, weil das die Bauzeit und die Verkehrsbehinderungen verlängere. Im Sommer 2012 ist documenta, dann wird auch nicht gebaut. Niemand weiß, wann die Bagger rollen - das wirft auch ein Schlaglicht auf die Arbeit des Magistrats.

Dem Entscheidungsgremium gehörte neben Bertram Hilgen, Bürgermeister Jürgen Kaiser, Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (alle SPD) und Jugenddezernentin Anne Janz auch Baudezernent Dr. Joachim Lohse (beide Grüne) an. Seit vorgestern ist Lohse Umweltsenator in Bremen. Die Kasseler Grünen dürfen seinen Nachfolger vorschlagen. Sie sind dem Vernehmen nach auf der Suche nach jemandem, der anders als Lohse politische Erfahrung hat - und sich in Sachen Bau auskennt.

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Die Panne am Altmarkt mit Kostensteigerungen in Millionenhöhe und der Notbremse kurz vor Baubeginn allein auf Lohses Unfähigkeit zu schieben, griffe allerdings zu kurz. Denn am Tisch der Dezernenten saßen mit Hilgen, Kaiser und Barthel drei in Finanzfragen erfahrene Magistratsmitglieder, und keiner hat die Situation gerettet. 300.000 Euro waren in der Vergangenheit keine Summe, an der man ein politisch gewolltes Projekt scheitern ließ. Für den Neubau des Grimm-Museums beispielsweise fehlen 2,5 Mio. Euro. Hilgen hält trotzdem am Plan fest und möchte das Palais Bellevue an die städtische Stadthallen GmbH verkaufen, um Geld einzunehmen.

Der Magistrat präsentiert sich seit Monaten nicht als Kollegial-Organ. Augenscheinlich geht es immer wieder um Machtspiele. Die öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung zwischen Hilgen und Lohse über ein technisches Rathaus im Salzmann-Gebäude ist ein Beispiel. Auch der Streit zwischen Barthel und Lohse über das Fahrrad-Leihsystem zeugte davon. Ja, die Dezernenten sollen nicht einfach Vorschläge abnicken, sondern um gute Lösungen ringen. Es drängt sich aber der Verdacht auf, dass die Probleme zwischen den Mehrheitsfraktionen von SPD und Grünen auch im Magistrat sichtbar sind.

Impression vom Altmarktumbau in Kassel

Altmarktumbau in Kassel
Zurzeit wird am Altmarkt gebaut. Größte Veränderung sollten drei neue Fußgängerüberwege sein, die auf einem der verkehrsreichsten Kasseler Knotenpunkte entstehen sollen. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Der Altmarktumbau in Kassel war allerdings umstritten. Diskutiert wurde, ob ein überirdischer Weg für Fußgänger und Radfahrer sinnvoller ist, als eine Unterführung. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Erst war für das Projekt von Kosten in Höhe von insgesamt zwei Millionen Euro die Rede. Mittlerweile heißt es, der Umbau dürfte knapp 4 Millionen Euro kosten. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Der Altmarkt aus der Luft. © Herzog/Flugschule Kassel, Uwe Knabe
Altmarktumbau in Kassel
Wegen des Umbaus kommt es Altmarkt immer wieder zu langen Staus. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Zeitweise staute es sich die gesamte Frankfurter Straße bis zum Weinberg entlang. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Um sie geht es: Die Unterführung sollte beseitigt werden, um drei Überwege für Fußgänger und Radfahrer anzulegen. So sollten sie mit dem motorisierten Verkehr gleichgestellt werden. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Nicht mehr zeitgemäß? Der Altmarkt soll barrierefrei werden. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Um Wartezeiten und Staus an der künftigen Altmarkt-Kreuzung zu verringern, denkt die Stadt außerdem über die Verlegung von Buslinien nach. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Wegen des Altmarktumbaus muss einer der Beys-Bäume fallen. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Im Dezember 2006 verlor der Platz seinen 50er-Jahre-Charakter. Mit dem zu dieser Zeit begonnenen Abriss des 1957 errichteten Polizeipräsidums und dem Bau des neuen Finanzzentrums begann auch hier das 21. Jahrhundert. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Dieser wichtige Verkehrsknotenpunkt verknüpft und verteilt Verkehrsströme aus allen Richtungen. © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
1959 sah es am Altmarkt so aus. © Stadtmuseum
Altmarktumbau in Kassel
Ursprünglich hieß der Altmarkt "Altstädter Marktplatz". © Archivfoto HNA
Altmarktumbau in Kassel
Der Altmarkt teilt das Schicksal aller großen, zentralen Plätze. Einst war er Mittelpunkt der Stadt, hier wurde 1408 das Rathaus errichtet und 1837 wieder abgerissen. © Archivfoto HNA

Kassel ist die einzige Stadt in Hessen, in der sich die Sieger der Kommunalwahl noch nicht auf eine Zusammenarbeit geeinigt haben - mehr als drei Monate nach der Stimmabgabe. Es gebe immer wieder Spannungen und inhaltliche Konflikte, berichten Teilnehmer der Verhandlungen. Grundsätzlich hakte es zuletzt unter anderem bei den „Regeln der Zusammenarbeit“. Wenn das so bleibt, scheitern in Kassel aber nicht nur die Pläne für den Altmarkt-Umbau.

Von Claas Michaelis und Uli Hagemeier

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