Spektakuläre Umleitung für Kanal

Baustress vor documenta fifteen in Kassel: Sanierungen sollen vorher abgeschlossen werden

Engpass an der Eugen-Richter-Straße: Wegen der Arbeiten am Helleböhnweg (den Beginn sieht man links im Bild) wird hier der Kanal umgeleitet. Für die große Pumpe wurde die Straße halbseitig gesperrt.
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Engpass an der Eugen-Richter-Straße: Wegen der Arbeiten am Helleböhnweg (den Beginn sieht man links im Bild) wird hier der Kanal umgeleitet. Für die große Pumpe wurde die Straße halbseitig gesperrt.

In Kassel gilt das ungeschriebene Gesetz, dass es während der 100 Tage der documenta keine größeren Baustellen geben soll. Deshalb muss die Stadt vorher beim Sanieren Gas geben.

Kassel – Auch deshalb gibt es acht Monate vor dem Start der documenta fifteen am 18. Juni 2022 jede Menge Aktivitäten im Straßenbau. Das bemerkt man meistens dann, wenn sich der Verkehr staut.

Zum Beispiel auf der Eugen-Richter-Straße zwischen den Stadtteilen Süsterfeld/Helleböhn und Bad Wilhelmshöhe. Weil dort im Kreuzungsbereich zum Helleböhnweg der Kanal umgeleitet wird, steht nur eine Fahrspur zur Verfügung. In den ersten Tagen nach der halbseitigen Sperrung gab es lange Staus vor der Baustellenampel. Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt. Viele Verkehrsteilnehmer nutzen jetzt Alternativstrecken. Außerdem machen sich die Herbstferien mit einem geringeren Fahrzeugaufkommen bemerkbar.

Von der Frankfurter Straße über die Ihringshäuser Straße, das Druseltal, die Eisenschmiede, die Dag-Hammarskjöld-Straße, die Menzelstraße und die Ludwig-Mond-Straße bis zur Baunsbergstaße vor dem Wilhelmshöher Schwimmbad wird gebaut. Über das Jahr verteilt sind es nach Angaben der Stadt etwa 2000 kleinere und größere Baustellen. 62 Millionen Euro sind im Haushalt für das fast 700 Kilometer lange Straßennetz, für Schienen und Leitungen vorgesehen.

Projekte, die ausschließlich für die Ferien geplant sind, gebe es aktuell nicht, sagt Johanna Wiens vom städtischen Straßenverkehrs- und Tiefbauamt. Dafür seien die Arbeiten an den größeren Baustellen zu langwierig. Zu denen gehört auch die Frankfurter Straße, wo nach Jahren mit mehr oder weniger starken Behinderungen endlich Land in Sicht ist. Bis Ende Oktober sollte es hier mit den Kanal- und Leitungsarbeiten weitgehend geschafft sein.

450 Meter Rohre bis zum Bahntunnel: So sieht die Umleitung am Helleböhnweg aus.

Eines der größten Projekte im Gleisbau findet erst im kommenden Jahr statt, hat allerdings ebenfalls eine klare zeitliche Vorgabe. Sobald es das Wetter ab März 2022 zulässt, wird die Friedrich-Ebert-Straße zur Großbaustelle. Zwischen der Haltestelle Annastraße und dem Karl-Marx-Platz erneuert die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) die Gleise. Zudem werden entlang der Straße Radstreifen angelegt. Mehr als drei Monate Zeit gibt es dafür nicht, denn vor der documenta soll alles fertig sein.

Spektakuläre Umleitung für Kanal über Eugen-Richter-Straße

Es ist eine der spektakulärsten Baustellen im Stadtgebiet: Die u-förmigen blauen Rohre, die hoch in die Luft ragen, sieht man auf der Eugen-Richter-Straße schon von Weitem. Wer wegen der Baustellenampel bei rot warten muss, kann darüber rätseln, warum diese Konstruktion hier steht und eine Fahrspur der Straße versperrt.

Bauleiterin Christiane Köthe kennt die Antwort. Die Ingenieurin ist bei Kasselwasser unter anderem für die Kanalsanierung zuständig. „Wir arbeiten hier mit einer großen Pumpe, da ist nur dieser Standort sinnvoll“, sagt sie. An der Kreuzung Eugen-Richter-Straße/Helleböhnweg kommen zwei wichtige Stränge der Kanalisation zusammen. Bis zu 560 Liter Abwasser kann die Pumpe ansaugen und in die Umleitung für den sanierungsbedürftigen Kanal einspeisen.

Wichtig ist, dass die Rohre unter dem Helleböhnweg trocken bleiben. Die wurden in den vergangenen Tagen per Hand von Ablagerungen und sonstigen Hindernissen befreit. Danach erfolgt die kostengünstigste Form der Sanierung. Eine Art dicker Schlauch aus einer besonders haltbaren Glasfasermischung wird in den Kanal geschoben und mit einem Spezialharz mit den Wänden verbunden. 90 Jahre nach dem Bau des Kanals erhält der so ein zweites Leben und dürfte wieder mehrere Jahrzehnte funktionieren. 840 000 Euro kostet das auf einer Strecke von 750 Metern.

Alles im Blick: Bauleiterin Christiane Köthe von Kasselwasser.

Ähnliche Konstruktionen gab es in den vergangenen Jahren auch an der Druseltalstraße und der Wilhelmshöher Allee. Aktuell wird auch der Kanal an der Ahnatalstraße in Harleshausen umgeleitet. Doch so groß und auffällig wie am Helleböhnweg sind solche Umleitungen in der Regel nicht.

Bis Ende November sollen die Arbeiten am Helleböhnweg und am Kleinen Holzweg abgeschlossen sein. Jenseits der Bahnbrücken gibt es eine weitere interessante Umleitung. Während die im oberen Bereich an zahlreichen Beuys-Bäumen vorbei führt, nimmt sie weiter unten eine Abkürzung. Damit die Kita und weitere Einrichtungen am Kleinen Holzweg nicht unnötig belastet werden, wird hier fast nur unterirdisch gearbeitet. „Den Kanal leiten wir über die Christian-Reul-Straße um“, sagt Köthe.

Die große Pumpe oben an der Eugen-Richter-Straße wird während der gesamten Bauzeit dafür sorgen, dass die Kanalisation weiter funktioniert und die Männer unter Tage sicher arbeiten können. Sie wisse, dass die dafür nötige Baustellenampel nervt, sagt Köthe. Die Alternative sei allerdings gewesen, den gesamte Helleböhnweg und den Kleinen Holzweg bis zur Sternbergstraße aufzureißen. Das hätte dann anderthalb Jahre Bauarbeiten und wesentlich höhere Kosten bedeutet.

Aktuell liege man gut im Zeitplan. Und selbst ergiebige Regenfälle könne man dank der leistungsstarken Pumpe an der Eugen-Richter-Straße verkraften.

Von Thomas Siemon

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