Kassel zählt mit seiner Regelung zu den Vorreitern

Wer baut, muss ans Rad denken: Stellplatzsatzung der Stadt gilt auch für Fahrräder

Wohin mit dem Rad? Wie hier am Philosophenweg dienen vielerorts Zäune zum Abstellen. Für Altbauten gibt es keine Vorschriften, bei Neubauten müssen pro Wohnung zwei Abstellplätze für Fahrräder geschaffen werden. Foto: Koch

Kassel. Immer mehr Radfahrer erobern die Stadt. Allerdings ist es nicht immer einfach, Abstellplätze zu finden. Ob im Fahrradkeller, vorm Haus oder in der Stadt - das Angebot hält nicht überall mit der Nachfrage Schritt.

Immer mehr Großstädte wie München wollen Hausbauer nun zwingen, Stellplätze zu schaffen. Kassel ist da schon weiter.

20 Prozent für Räder

Die Stellplatzsatzung aus dem Jahr 2004 schreibt vor, dass bei Neubauten von Wohnhäusern zwei Stellplätze pro Wohnung für Räder angelegt werden müssen. Ansonsten gilt: 20 Prozent der notwendigen Stellplätze müssen für Räder vorgesehen sein. So sind zum Beispiel an dem neuen Facharztzentrum der Diakonie-Kliniken Kassel laut Baugenehmigung sieben Stellplätze zu schaffen.

Am Diakonissen-Krankenhaus gibt es nach Auskunft von Pressesprecherin Kirsten Scheimann zurzeit 30 Abstellplätze, davon 15 im Freien an der Goethestraße und 15 in der Tiefgarage des Krankenhauses. Wie viele Mitarbeiter mit dem Rad zur Arbeit kommen, sei nicht bekannt. Laut Karl Leonhäuser, theologischer Geschäftsführer der Diakonie-Kliniken mit 950 Mitarbeitern, hat es bislang keine Klagen gegeben, dass Abstellplätze fehlen würden.

Die Vereinigten Wohnstätten 1889, die in Kassel 4500 Wohnungen unterhalten, registrieren laut Uwe Flotho dagegen eine steigende Nachfrage. „Wir versuchen, entsprechende Möglichkeiten zu schaffen“, sagt der Vorstand. „Ich bin selber ein sehr aktiver Radfahrer und unterstütze das.“ Bei Bedarf werde man auch beim Altbestand aktiv, etwa im Zuge von Modernisierungen. Als Beispiel nennt Flotho die Bardelebenstraße in Kirchditmold, wo auf Wunsch der Bewohner nun auch Abstellplätze auf der Vorderseite der Wohnanlage geschaffen würden.

Am eigenen Verwaltungsgebäude habe man vier zusätzliche Stellplätze geschaffen. Zwar gebe es schon mal Ärger, wenn Räder im Hausflur abgestellt würden, sagt Flotho. Dies sei aber selten. Wichtig seien ein Fahrradkeller und Möglichkeiten, das Rad ebenerdig abstellen zu können.

Beim Mieterbund sind laut Geschäftsführer Ingo Groß Probleme mit Abstellplätzen nur ganz selten Thema. Auch von den Eigentümern kommen keine Klagen. „Mit der bisherigen Regelung können wir leben“, sagt Wolfram Kieselbach, Geschäftsführer des Verbandes Haus & Grund. Das könnte sich ändern, wenn die Vorschriften verschärft und auf Bestandsgebäude ausgedehnt würden. Dann sei es auch nicht mehr weit, bis eine Stellplatzmiete erhoben werde. Bei Neubauten Platz für Räder zu schaffen, sei kein Problem, sagt Kieselbach. Es sei oft schwieriger, einen Platz für den Kinderwagen zu finden.

Von Ellen Schwaab

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