Ausstellung erinnert zum 100. Todestag an den Kasseler Architekten Georg Kegel

Bauten, die die Stadt prägen

Georg Kegel Foto: privat/nh

Kassel. Er gehört zu den bedeutendsten Architekten Kassels. Viele seiner Bauten prägen noch heute das Stadtbild. Am 26. Dezember 1912 starb Georg Kegel im Alter von 55 Jahren.

Kegel baute fast 30 Kirchen, darunter die Rosenkranzkirche seiner Heimatgemeinde St. Maria am Bebelplatz und die Kirche St. Familia in der Kölnischen Straße. Mit einer Ausstellung zu seinem 100. Todestag erinnert die Kirchengemeinde St. Maria über die Weihnachtstage an den Architekten. Konzipiert hat die Ausstellung Kegels Urenkelin Rita-Maria Schwalgin. Sie lebt in Dortmund und ist ebenfalls Architektin. „Mein Urgroßvater hatte einen hohen Anspruch und hat sich vor Ort sehr viele Skizzen gemacht“, sagt sie. Schwalgin hat Kegels Skizzenbücher durchforstet, alte Rechnungen und Wettbewerbsbeiträge zusammengetragen und viel im Internet recherchiert.

„Man sieht, wie er Formen kreativ, fast spielerisch umsetzt“, sagt sie. Häufig habe er historische und blumige Elemente des Jugenstils kombiniert. Auch an den Proportionen der Kirchtürme könne man seine Handschrift erkennen. Neben Kirchen hat Kegel private Stadtvillen gebaut, darunter das heutige Gymnasium Engelsburg, Bauten wie das Endstationsgebäude der Tram-Linie 1 in Wilhelmshöhe sowie das Straßenbahndepot mit vier Gleishallen, das mittlerweile abgerissen ist. Hinzu kommen Schulen, Seniorenheime, Pensionate in Hessen und Thüringen, die Burg Rothestein in Bad Sooden-Allendorf sowie Fabriken und Gefängnisse wie das Zuchthaus in Wehlheiden. Ironie des Schicksals: Im Zuchthaus Wehlheiden war seiner Urenkelin zufolge Wigbert, einer von Kegels Söhnen, für zwei Jahre inhaftiert, weil er die Nationalsozialisten kritisiert hatte.

Georg Kegel studierte in Hannover bei Conrad W. Hase, einem seinerzeit berühmten Architekten für Neogothik. 1887 wurde er zum Königlichen Regierungsbaumeister ernannt und machte sich 1889 selbstständig. „Für heutige Architekten ist es schwer vorstellbar, dass er in seiner kurzen selbstständigen Schaffenszeit so viele Bauten schuf“, sagt Schwalgin. Soweit bekannt, sind es mehr als 70.

„Kegel brillierte auch als Entwurfsarchitekt“, berichtet Paul Schupp, Pfarrer der Gemeinde St. Maria. Durch viele Bauprotokolle und Korrespondenzen sei belegt, dass er sehr intensiv seine Bauherren beraten und Baustellen betreut habe. Als Kegel starb, hinterließ er seine Frau und zehn Kinder im Alter von neun bis 24 Jahren. (mkx)

• Die Ausstellung zum 100. Todestag des Architekten Georg Kegel ist über die Weihnachtszeit in der Rosenkranzkirche am Bebelplatz tagsüber zu sehen. Auf zwölf großen Bannern gibt sie unter anderem Einblicke in die Familiengeschichte. Werdegang und Schaffen Kegels und zeigen viele seiner Bauwerke.

Von Mirko Konrad

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