Wagners „Parsifal“ wurde live ins Cineplex-Capitol übertragen

Bayreuth im Kinosaal

Zeigten modisch Flagge: Margrit Maxelon-Rother und ihr Sohn Daniel kamen festspieltauglich gekleidet zur Kino-Übertragung.

Kassel. Auf dem Grünen Hügel in Bayreuth kostet der Pausen-Sekt 9,50 Euro, für 100 Wagner-Fans in Kassel war er am Samstag umsonst. Im Cineplex-Capitol an der Wilhelmsstraße waren sie per Live-Übertragung dabei, als in Bayreuth Wagners sechsstündiges Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ aufgeführt wurde. Zum ersten Mal hatte die Festspielleitung eine solche Ausstrahlung in 100 deutsche Kinos organisiert.

Weil das in Kassel zu Beginn nicht ganz reibungslos klappte, gab das Kino den Sekt in der 1. Pause gratis aus. Erst zehn Minuten nach Beginn des orchestralen Vorspiels stand die Leitung nach Bayreuth. Dabei hätte es schon etwas zu sehen gegeben: Entgegen der üblichen Aufführungspraxis ist in Stefan Herheims Parsifal-Inszenierung der Vorhang bereits während des Vorspiels geöffnet und die Bühne schon mit Aktivitäten belebt.

Das Publikum im Kino übte Nachsicht mit solchen technischen Tücken. Margrit Maxelon-Rother war in erster Linie froh, auf diese Weise überhaupt einen Hauch Bayreuther Festspielluft schnuppern zu können. Seit sechs Jahren versucht die Wagner-Liebhaberin, an eines der raren und teuren Tickets für eine Aufführung zu kommen. Ersatzweise hatten sich die Baunatalerin und ihr Sohn Daniel Rother für die Kinoübertragung so schick gemacht, dass sie auch auf dem Grünen Hügel eine gute Figur abgegeben hätten.

Die Qualität der Übertragung fand Margrit Maxelon-Rother insgesamt in Ordnung. Nur: „Der Ton könnte etwas lauter sein. Da fehlt ein wenig der Druck.“ Die Bildregie aber mache es möglich, mehr Details wahrzunehmen, als wenn man selbst auf dem harten Festspielgestühl säße: Nahaufnahmen, Gesten, Perspektivenwechsel. „Das hätte ich so vermutlich nicht gesehen.“

Ekkehard Schürmann kann den Unterschied beurteilen. Vor zwei Jahren hat er Herheims „Parsifal“ in Bayreuth gesehen, nachdem er Karten über „Vitamin B“ ergattern konnte, wie er augenzwinkernd sagt. Seine Eindrücke? „Sehr angenehm, gar nicht so hochgestochen, wie manche meinen“, erzählt der Kasseler. Die Dichte von Smokings und teuren Abendroben sei bei normalen Aufführungen längst nicht so hoch wie bei Premieren.

Mit dem weltberühmten Klang aus dem Bayreuther Orchestergraben sei das Kinoerlebnis „überhaupt nicht zu vergleichen“, findet Schürmann. Da reiche auch die auf Klanggewitter aller Art ausgelegte Technik moderner Lichtspielhäuser nicht an das Original heran.

Von Axel Schwarz

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