Streik - Beamtete Lehrer wollen mehr Gehalt

Protest gegen Nullrunde: GEW fordert Lohnsteigerung für Lehrer

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Auch Kasseler Lehrer streikten: Unser Foto ist gestern Morgen vor der Abfahrt nach Wiesbaden aufgenommen worden.

Der Kern der aktuellen Lehrerproteste ist die angekündigte Nullrunde für hessische Beamte. Verbeamtete Lehrer und Gewerkschaften fordern, dass der Tarifabschluss, der für die Angestellten des Landes mit Lohnsteigerungen beschlossen wurde, auch für Beamte übernommen wird.

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2004 wurde die Arbeitszeit der hessischen Beamten von 38,5 auf 42 Wochenstunden erhöht. „Das gilt bis heute und es ist der höchste Wert aller Bundesländer“, bemerkt die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). 2009 wurde die Arbeitszeit der Beschäftigten des Landes Hessen im Angestelltenverhältnis auf 40 Stunden festgesetzt. Diese Arbeitszeit müsse endlich auf die Beamten übertragen werden, lautet die Forderung der Lehrergewerkschaft. „Wer beim öffentlichen Dienst kürzt, fährt das Land an die Wand“, sagen die GEW-Landesvorsitzenden Birgit Koch und Jochen Nagel.

Dazu sagt Stefan Löwer, Sprecher des hessischen Kultusministeriums: „Unsere Beamten sind vergleichsweise gut gestellt.“ Aufgrund der Haushaltskonsolidierung verzichte Hessen deshalb in diesem Jahr auf Gehaltserhöhungen.

Solidarität an Schulen

An einigen Schulen fanden gestern Solidaritätsaktionen parallel zum Streik und zur Lehrerdemonstration in Wiesbaden statt. Beispielsweise verteilten an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Oberzwehren Lehrer vor dem Unterricht einen Eltern- und Informationsbrief. Darin kritisieren sie unter anderem die Reduzierung der Lehrstunden in der gymnasialen Oberstufe und in der Grundschule zum nächsten Schuljahr: Es müsse „klar sein, dass die Anforderungen nicht abnehmen, und dass die Maßnahmen sicherlich nicht die Qualität der öffentlichen Schulen erhöhen“, heißt es darin.

„Keine Kürzungen der Zuweisungen in der Oberstufe!“ fordern auch Lehrer ebenso wie die Schülervertretung an der Jacob-Grimm-Schule in ihren Protestschreiben. Sie fordern: „Um Unterricht für Schüler und Lehrer bestmöglich gestalten zu können, muss der Bildungssektor ausgebaut werden.“ (chr)

Beispiel: 3230 Euro Nettoverdienst

Eine 35-jährige verbeamtete Lehrerin an einem Gymnasium in Hessen (Besoldungsgruppe A 13, Steuerklasse I, ledig, kein Kind, acht Jahre im Dienst, keine Kirchensteuer) erhält inklusive Stellenzulage ein Bruttogehalt von etwa 4430 Euro. Ihr Nettogehalt beträgt in etwa 3230 Euro, da verbeamtete Lehrer keine Sozialabgaben zahlen. Beiträge für die private Krankenkasse gehen noch ab.

Eine vergleichbare angestellte Lehrerin zahlt im Schnitt 400 Euro mehr Abgaben als ihre beamtete Kollegin: für gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und mehr. Sie kommt so auf ein Nettogehalt von 2820 Euro.

Hessen liegt bei der Besoldung von Lehrern im bundesweiten Vergleich auf Platz drei (A 13: 4614 Euro brutto). An der Spitze steht Hamburg (A 13: 4668 Euro), Schlusslicht ist Berlin (A 13: 4234 Euro).

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