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Connichi in Kassel ist tot: Manga-Messe kann Sonderauflagen in Stadthalle nicht stemmen

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Von: Axel Schwarz, Anna Weyh

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Manga-Convention
Abschied aus Kassel: Seit nahezu 20 Jahren fand die Connichi im Vorderen Westen statt. In den vergangenen zwei Jahren musste die Manga-Messe aufgrund der Corona-Pandemie allerdings ausfallen. © Swen Pförtner/dpa

Nach fast 20 Jahren ist Schluss mit der Connichi in Kassel.

Kassel – Nachdem die Manga-Messe am Sonntagabend im Kongress Palais zu Ende ging, verkündete das Veranstaltungsteam überraschend, dass die nächste Auflage in Wiesbaden stattfinden werde. Der Verein Animexx, der die Connichi auf die Beine stellt, verlasse Kassel mit einem weinenden Auge. „Es fühlt sich hier wie Zuhause an. Aber wir brauchen mehr Möglichkeiten für unser Programm“, sagt Stephanie Drewing vom Organisationsteam. „Wir haben ein paar Tränen verdrückt.“

Um die Stadthalle für die Connichi mit rund 25 000 Besucherinnen und Besuchern nutzen zu können, sei ein Sondernutzungsantrag notwendig. „Dafür müssen wir viele Auflagen erfüllen, vom Sicherheitskonzept bis hin zum Naturschutz“, sagt Michael Drewing. Das ehrenamtliche Team aus 300 Helferinnen und Helfern könne diesen hohen Organisationsaufwand nicht mehr stemmen. Außerdem wolle Animexx flexibel sein. „Das sind wir hier nicht. Wir brauchen mehr Luft zum Atmen“, sagt Stephanie Drewing. Das Ehepaar beschreibt es als Dominoeffekt. An jeder Änderung hänge viel dran. Die Veranstalter betonen aber: „Wir haben keinen Streit mit dem H4-Hotel oder mit der Stadt Kassel. Wir lieben das Kongress Palais und seine Mitarbeiter.“

Im H4 und in anderen Kasseler Hotels, in denen Connichi-Besucher über viele Jahre treue Stammgäste waren, reagierte man überrascht und mit Bedauern auf die Ankündigung des Rückzugs von Kassel. Viele Fans hätten sich darüber sehr enttäuscht geäußert, hieß es gleichlautend aus mehreren Häusern. Für die Stadt Kassel sagte ein Rathaussprecher: „Wir bedauern die Entscheidung der Veranstalter, die wir ebenfalls aus den Medien erfahren haben.“ Die Connichi sei über viele Jahre ein Farbtupfer im Stadtbild gewesen, „Kassel war immer sehr gerne Gastgeberstadt“, so der Sprecher.

Auch bei Kassel Marketing als Hausherrin des Kongress Palais und langjährige Vertragspartnerin hatte man nach eigenen Angaben vor Sonntagabend keine Kenntnis von den Rückzugsplänen und ist laut Standortleiter Oliver Höppner „entsprechend enttäuscht über die Vorgehensweise“. Die Gründe für den Ortswechsel könne er aber nachvollziehen: „Die Connichi will weiter wachsen, das Kongress Palais und die Freiflächen lassen dies aber nicht zu, da sie voll ausgelastet sind.“

Manga-Fans starten Petition

Das Ende der Connichi in Kassel hat die Manga-Fans unvorbereitet getroffen. Erst zur Abschlussveranstaltung gab der Verein Animexx bekannt, dass es die letzte Convention in Kassel war und es nächstes Jahr in Wiesbaden weitergehe. „Wir wollten die Leute nicht vorab demotivieren. Helfer und Besucher sollten erst eine tolle Veranstaltung erleben“, sagt Michael Drewing vom Veranstaltungsteam.

Noch am Sonntagabend nach Ende der Convention wurde eine Petition gestartet. „Rettet die Connichi in Kassel“, heißt es online. Die Petition wolle sich dafür starkmachen, dass die Convention im Jahr 2024 wieder in der documenta-Stadt stattfinde. Bis Redaktionsschluss hatten bereits mehr als 300 Leute die Petition unterschrieben. „Das bringt aber nichts“, heißt es von den Veranstaltern. Man habe in Wiesbaden bereits langfristige Verträge unterschrieben.

Bedauert wird der Rückzug der Connichi aus Kassel nicht nur von zahlreichen Manga-Fans, sondern auch von etlichen Kasseler Hotels, die Jahr für Jahr die fantasievoll kostümierten Messegäste beherbergt haben. „Da wird definitiv etwas fehlen“, sagte Rezeptionistin Heidi Mahlmann im Best Western Hotel Kurfürst Wilhelm I. – und das bezieht sich wohl auf den Umsatz wie auf die Atmosphäre. Über 90 Prozent der Hotelgäste des vergangenen Wochenendes seien Connichi-Besucher gewesen, viele seien Stammgäste für diesen Anlass. „Alle waren enttäuscht“, dass die Veranstaltung aus Kassel abwandere.

Im ebenfalls fernbahnhofsnahen Pentahotel hat auch Rezeptionsmitarbeiter Nico Heilwagen viel Frust bei den Connichi-Fans registriert: „Die Gäste waren sehr überrascht, wir waren es auch.“ Viele vertraute Gesichter seien an jedem Veranstaltungswochenende im Hotel aufgetaucht, beim Auschecken hätten zahlreiche Fans dann gleich fürs nächste Jahr reserviert. Das ist nun wohl vorbei. Vertriebs-Regionaldirektorin Christina Lindner vom Pentahotel findet das „sehr, sehr schade“. Zumal die Connichi „in Kassel auch groß geworden“ sei.

Überrascht und mit Bedauern äußerte sich auch Uwe Krohn vom Management des H4-Hotels, das direkt am Veranstaltungsort Kongress Palais im Vorderen Westen liegt. Die Connichi habe in all den Jahren viele, auch internationale Gäste angezogen. Das habe „die Attraktivität der Stadt Kassel als Reiseziel und wichtigen Veranstaltungsstandort“ noch einmal unterstrichen.

Die Connichi-Besucher waren während der Convention im gesamten Stadtteil Vorderer Westen präsent. Auch im Supermarkt, beim Bäcker und in den Restaurants tummelten sich kostümierte Manga-Fans. Gabriele Kirchhof vom Café am Bebelplatz hatte in ihrem Café ein spezielles Connichi-Angebot vorbereitet, was auch gut angenommen wurde.

Sie findet es „schade für den Vorderen Westen“, dass es nun die letzte Convention in Kassel war. Doch viel Umsatz bringe die Manga-Convention nicht, merkt sie an. „Viele Besucher achten darauf, nicht zu viel Geld auszugeben.“ Außerdem kommen die meisten Connichi-Besucher in großen Gruppen. „Das ist auch organisatorisch eine Herausforderung“, sagt sie.

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