Beete gegen Drogenelend: Kulturinitiative pflanzt auf dem Lutherplatz 

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Signalwirkung: Timo Uehlinger (Zweiter von links) und Karsten Winnemuth (Vierter von links) pflanzten mit der Hilfe einiger Angehöriger der Drogenszene auf dem Lutherplatz Büsche.

Kassel. Die Wege und Grünflächen an der Lutherkirche werden seit längerem von Angehörigen der Kasseler Drogenszene in Beschlag genommen. Passanten fühlen sich belästigt, Grün wird zertrampelt, Müll und Drogenutensilien liegen herum. Jetzt soll ein neues Projekt gegen das Elend helfen.

Razzien der Polizei hatten da bisher nur einen kurzzeitigen Erfolg, denn wenig später waren die Trinker und Junkies wieder zurück auf dem Platz.

Die Kulturinitiative Trafo, die am Rand des Kirchengeländes ihr Domizil hat, versucht nun einen neuen Ansatz, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Sie hat begonnen, auf dem zerstörten Grün Johannisbeerbüsche und andere Obstsorten zu pflanzen. Demnächst sollen noch Gemüsebeete hinzu kommen. Die matschigen Trampelpfade werde man mit Rindenmulch abstreuen, sagte Karsten Winnemuth von der Kulturinitiative. Die Aktion sei mit der Stadt und der Kirche abgestimmt. Sie passe auch zur documenta im kommenden Jahr, weil dort das Thema Gärtnern in der Stadt im Blickpunkt stehe.

Die Kulturinitiative fühlt sich seit einiger Zeit selbst von den Drogensüchtigen in ihrer Arbeit beeinträchtigt. Die Vernissagen im Trafohaus seien noch gut besucht, sagte Winnemuth. Doch im Tagesgeschäft der Kulturinitiative blieben immer mehr Leute mit Hinweis auf die Drogenszene weg, sagt Winnemuth, der auch Vorsitzender des Vereins Essbare Stadt ist, der in Kassel Streuobstwiesen zum Gemeingebrauch anlegt.

„Die Politik der Vertreibung“ habe bisher gegen die Drogenszene nichts ausgerichtet. Deshalb versuche die Kulturinitiative, die Drogensüchtigen einzubeziehen, damit das Umfeld der Kirche nicht weiter verwahrlost. „Wir wissen, dass das eine Gratwanderung ist“, sagt Winnemuth. Diese Einschätzung bestätigte sich während der ersten Pflanzaktion. Die meisten Angehörigen des Drogenklientels standen trinkend und schwatzend herum, einige wenige gingen Winnemuth und Timo Uehlinger beim Pflanzen der Büsche zur Hand.

Von Peter Dilling

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