Mehrere Anbieter in der Region

Begeisterung, die ansteckt: Immer mehr Kasseler verreisen mit VW-Bullis

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Blick durch die Seitentür: Philipp Mehlhorn (links) und Mechaniker Thomas Pleger. Sie restaurieren in ihrer Werkstatt in Espenau-Hohenkirchen VW-Bullis. Außerdem vermieten sie neuere Modelle.

Kassel. Immer mehr Menschen machen mit umgebauten VW-Bullis Urlaub. Auch in Kassel gibt es Angebote. Wir stellen sie vor und fragen  Bulli-Urlauber, was für sie diese Art des Reisens ausmacht.

Die Leidenschaft fürs Campen ist den Mehlhorns in die Wiege gelegt worden. Schon als Kinder waren die Kasseler Lutz und Philipp Mehlhorn mit ihren Eltern im Urlaub meist mit Zelt oder Wohnmobil unterwegs. Auch die Leidenschaft, an den Bullis zu schrauben, haben die beiden Söhne von ihrem Vater. Was liegt da näher, als eine eigene Werkstatt zu betreiben?

„Wir haben gemerkt, dass der Bedarf groß ist und es kaum noch Werkstätten gibt, die sich mit den älteren VW-Modellen auskennen“, sagt Philipp Mehlhorn. Die meisten älteren Busse sind irgendwann mal an einem Tiefpunkt angekommen, aber wenn man dann entsprechend Arbeit investiere, dann sind sie wieder treue Begleiter.

Den Gedanken für die „Busmanufaktur“ hatten die beiden Brüder schon länger, da Philipp Mehlhorn aber beruflich viel im Ausland war, ließ sich der Plan erst mal nicht realisieren. Seit dem vergangenen Jahr ist Mehlhorn wieder dauerhaft in seiner Heimatstadt. Da kamen die perfekten Räumlichkeiten in Espenau wie gerufen.

Philipp Mehlhorn hat sich mit zwanzig Jahren seinen ersten eigenen VW-Bulli gekauft und ihn dann anschließend restauriert. Das ist jetzt 17 Jahre her, und der mittlerweile 29 Jahre alte Oldtimer schnurrt noch immer. Philipp Mehlhorn hat mit ihm Touren durch ganz Europa gemacht – von Island bis in die Türkei. Zuerst mit Freunden und später mit seiner Familie. In wenigen Wochen erwarten Philipp Mehlhorn und seine Frau zum zweiten Mal Nachwuchs, vorher soll es noch mal mit dem Bulli auf Tour gehen.

Die Werkstatt betreiben die Brüder, die beide als Ingenieure tätig sind, im Nebenerwerb. Festangestellt ist Mechaniker Thomas Pleger, der den Betrieb in der Busmanufaktur organisiert. „Was Bullis angeht, ist er noch verrückter als wir“, sagt Philipp Mehlhorn und lacht. Von seinen Bulli-Urlauben hat Philipp Mehlhorn Freunden und Bekannten erzählt. Seine Begeisterung steckte an. Es stellte sich die Frage, ob es die Möglichkeit gäbe, Bullis zu mieten.

Seit dem vergangenen Jahr bieten die Mehlhorns deshalb umgebaute VW T6-Camper an. Mit Aufstelldach, so dass vier Personen darin übernachten können. „Wir haben uns für die neueren Modelle entschieden, weil es einfacher ist, was Reparaturen und Ersatzteile angeht“, sagt Philipp Mehlhorn. Da könne dann unterwegs jede VW-Werkstatt weiterhelfen. Spontanität und Flexibilität, das ist es, was das Reisen mit seinem Bulli für Philipp Mehlhorn ausmacht. Losfahren und dort bleiben, wo es einem gefällt. „Seine Unterkunft hat man ja dabei“, sagt der 37-Jährige. Zu eng geworden ist es ihm in seinem „Schneckenhaus“, wie er das Innere des Bullis liebevoll nennt, bislang nie. Wer auf einen gewissen Komfort nicht verzichten wolle, für den sei eine Bulli-Reise nichts. Bislang habe es aber kaum Kunden gegeben, die sich nicht am Camping-Trend angesteckt haben.

Verleiht ihren Bulli: Marianne Werner aus Kassel ist seit vielen Jahren begeisterte Camperin.

Patencamperin Marianne Werner verleiht ihren Bulli Lotti

Marianne Werner ist schon früh mit dem „Camping-Virus“, wie sie es nennt, infiziert worden. Mit 18 Jahren ist sie mit einer Freundin unterwegs gewesen. „Wir haben einfach ein Zelt und ein paar Sachen eingepackt, und dann ging es los“, erzählt die heute 50-Jährige. Sie hätten ganz verrückte Touren durch Frankreich und Italien gemacht, heute könne man sich das so kaum noch vorstellen. 

19 Jahre lang waren die Kanarischen Inseln Werners Heimat. Sie hat auf Fuerteventura gelebt. Dahin hat sie aber eher der Zufall verschlagen. Eine Freundin von ihr habe auf der Insel gearbeitet. Als Werner, die damals als Köchin arbeitete, sie dort besuchte, habe auch sie ein Angebot bekommen. „Da habe sie nicht lange gezögert“, sagt die gebürtige Kasselerin. Nachdem ihre Tochter dann geboren wurde, habe sie in verschiedenen anderen Bereichen gearbeitet. 

Campen hat für Werner aber auch auf der Ferieninsel immer zum Urlaub dazugehört. „Wir waren auch dort oft mit Bullis unterwegs“, erzählt sie. Ihre Tochter Paula macht gerade ihren Führerschein, auch sie teilt die Begeisterung und ist schon ganz heiß darauf, selbst mit „Lotti“ loszufahren. Lotti, das ist nämlich der Bulli von Marianne Werner. Woher der Name kommt? Lotti hat vorher Jan Lietzmann gehört (Bericht rechts oben), der umgebaute Camper in Kassel vermietet. Seine Bullis benennt er nach ihren Vorbesitzern. 

Marianne Werner hat 2015 bei Jan Lietzmann einen Bulli gemietet und mit ihrer Tochter Paula 2015 eine Tour durch Tschechien und Polen gemacht. Im vergangenen Jahr sollte Bulli Lotti dann verkauft werden, da zögerte Werner nicht lange. Allerdings stand für sie von Anfang an fest, den Bulli will sie nicht für sich alleine. „Ich finde, dann steht das Fahrzeug einfach viel zu oft ungenutzt vor der Haustür“, sagt sie. So entstand die Idee der Patencamperin. Marianne Werner vermietet ihren Bulli über Jan Lietzmann. „Ich kümmere mich dann um die Übergabe und die Reinigung des Busses und die Vermietung an sich organisiert aber Lietzmann“, erklärt Werner. 

Andere mit ihrer Begeisterung fürs Campen anstecken, das möchte Marianne Werner. Viele können sich erst diese Art des Urlaubs nicht vorstellen und sind am Ende ganz begeistert, so ihre Erfahrung. In den nächsten Jahren soll es für Werner auf jeden Fall noch mal an die Nordsee gehen. Auch wenn ihr die wärmeren Gefilde eigentlich lieber sind. Nach so vielen Jahren auf Fuerteventura sei es aber auch richtig schön, die Jahreszeiten mal wieder zu erleben, die habe sie dort vermisst.

Trotz Enge gemütlich: Marcella Halbig und Christian Toby im Camper Lotti.

Marcella Halbig und Christian Toby schätzen die Flexibilität 

Wenn es regnet, dann wird es schon mal kuschelig auf der 1,40 Meter-Liegefläche: Da sind sich Marcella Halbig (33) und Christian Toby (37) einig. Missen möchte das Kasseler Paar seine Touren mit dem gemieteten Bulli aber trotzdem nicht. Beide schätzen besonders die Flexibilität dieser Urlaubsvariante. „Mitbringen muss man eigentlich nur seine Kleidung und Proviant“, sagt Halbig. Der Rest sei bereits in den Bullis vorhanden – ein Rundum-sorglos-Paket. 

Sogar Bettwäsche und verschiedenste Extras können gegen einen Aufpreis mitgemietet werden. Mit dem Bulli waren Halbig und Toby bereits in Spanien und Italien. Das Wetter mache beim Campen viel aus, und die Chance auf Sonne sei im Süden einfach am größten. Ansonsten „schnurrt der Bulli wie ein Kätzchen“, so die Erfahrung von Halbig und Toby. Außerdem sei er deutlich wendiger als ein Wohnmobil und fahre sich eigentlich wie ein Auto. Wenn es dann doch mal hakt, dann ist Vermieter Jan Lietzmann immer erreichbar. Da wird dann per Telefon eine Werkstatt organisiert oder schnell erklärt, wie der Kühlschrank in der eingebauten Küche zu bedienen ist. 

Gekocht werden kann auf der Gasplatte, Töpfe und Geschirr sind vorhanden. Gegessen wird dann unter der Markise vor dem Camper oder – wenn es regnet – am Tisch im Bus. In diesem Sommer soll es für Halbig und Toby mit einem der größeren Bullis wieder nach Italien gehen. Länger als ein paar Wochen können sich die beiden ein Leben im Bus aber nicht vorstellen. „Dann freue ich mich auch, wenn ich wieder zuhause bin“, sagt Halbig.

Jan Lietzmann verleiht Busse

Seit 2015 verleiht Jan Lietzmann in Kassel umgebaute VW-Busse, seine „Kleine Freiheit Camper“. Wir haben mit ihm über den Trend gesprochen, mit dem Bulli zu verreisen.

Herr Lietzmann, Sie haben vor drei Jahren mit dem Bulli-Verleih in Kassel begonnen, wie hat sich die Nachfrage seitdem entwickelt? 

Jan Lietzmann: Der Trend, mit dem Bulli Europa zu erkunden, ist ungebrochen. Mit steigender Bekanntheit sind natürlich auch immer mehr Urlauber auf uns gekommen. Mittlerweile haben wir 150 Kunden betreut. Die Mieter haben von Island bis Sizilien und von Portugal bis Polen Europa mit unseren Campern erkundet. Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden.

Ist das Verreisen mit dem Bulli nicht irgendwie so ein Elternzeitding geworden? 

Lietzmann: Nein. Seitdem wir einen Bulli für vier Personen gebaut haben, fahren auch Eltern mit ihrem Nachwuchs los. Den Großteil unserer Kunden stellt aber nach wie vor die Altersgruppe der über 50-Jährigen, die die Camping-Urlaube aus früheren Zeiten kennen, und die Gruppe der 25- bis 35-Jährigen. Sie suchen mit dem Bulli ein wendiges Urlaubsgefährt, bei dem sie trotzdem alles an Bord haben.

Was macht für Sie diese Reisemethode aus? 

Lietzmann: Die Spontanität, die Freiheit, die Nähe zur Natur. Urlauber können spontan dorthin starten, wo gutes Wetter auf sie wartet. Unsere Bullis fahren sich mehr wie Autos, und so lassen sich auch kleinere Gassen erkunden. So lernt man Land und Leute kennen und kann die Küche vor Ort genießen. Dank der kompletten Ausstattung ist man aber stehts unabhängig auf der Reise.

So kann man die Camper mieten:

Kleine Freiheit Camper 

Jan Lietzmann 

01 71/2 88 25 04 

Vermietung von verschiedenen VW-Bus-Modellen für zwei bis vier Personen. Preise ab 77 Euro in der Nebensaison, Hauptsaison ab 93 Euro (Viersitzer 99 Euro). Servicepauschale 69 Euro. Mindestmietdauer sieben Nächte, kürzere Mieten auf Anfrage. Kaution: 1000 Euro. Pro Tag 250 Kilometer inklusive.

Busmanufaktur 

Philipp und Lutz Mehlhorn 

01 72/4 48 90 21 

Vermietung von VW-T6-Campern mit Aufstelldach für bis zu vier Personen. Preise ab 89 Euro in der Nebensaison, Hauptsaison 99 Euro. Servicepauschale pro Anmietung 99 Euro. Mindestmietdauer sechs Tage. Kaution mit Standardversicherungspaket: 250 Euro. Pro Tag 250 Kilometer inklusive.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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