Kirchengemeinde Brasselsberg beginnt mit Konfirmandenunterricht in dritter Klasse

Begleitung in zwei Phasen

Spielerisch an die Kirche heranführen: Pfarrer Bodo Heinemann erklärt den Drittklässlern die Utensilien des Abendmahls. An der Emmauskirche am Brasselsberg findet der erste Teil des Konfirmandenunterrichts bereits während der dritten Klasse statt. Foto: Koch

Kassel. Was hat ein Löffel mit Löchern mit dem Abendmahl zu tun? Die Finger der Kinder schnellen in die Höhe. Der ist für Salz. Das ist ein Kaffeelöffel. Pfarrer Bodo Heinemann löst das Rätsel: Mit dem Sieblöffel können verirrte Brotkrumen aus dem Kelch gefischt werden. Dann redet er mit seinen Konfirmandenkindern über die Bedeutung des Abendmahls.

Statt von einer Schar Teenager ist der Pfarrer der Emmauskirche von 20 Grundschülern umringt. Seit 2006 wird an der evangelischen Kirchengemeinde am Brasselsberg der Konfirmandenunterricht aufgeteilt auf ein halbes Jahr während der dritten Klasse und die Hauptphase in der achten Klasse. Auch am Jungfernkopf und in Vellmar-West ist auf das sogenannte KU3/8-Modell umgestellt worden. Pfarrer Bodo Heinemann sieht den Vorteil vor allem darin, dass es bei KU3/8 eine Begegnung in zwei Altersstufen gibt. Im Grundschulalter seien Kinder besonders neugierig, hätten viele Fragen, auch religiöser Art. Diese könnten im Vorkonfirmanden-Unterricht aufgegriffen werden.

„Alle, die damals dabei waren, sind wiedergekommen.“

Pfarrer Bodo Heinemann

Dabei gehe es nicht um reine Wissensvermittlung, auf der aufbauend dann später der Hauptkonfirmanden-Unterricht stattfinde. Sondern man versuche, die Drittklässler eher spielerisch an Kirche und Glauben heranzuführen, sagt Heinemann.

Während des halben Jahrs lernen die Kinder die eigene Gemeinde kennen, die Festtage im Kirchenjahr, die Bedeutung der Taufe und des Abendmahls. Während der achten Klasse folgt dann der einjährige eigentliche Konfirmandenunterricht.

Jugendritual unangetastet

Der eigentliche Charakter der Konfirmation als Jugendlichenritual solle nicht geschmälert werden, betont der Pfarrer. Doch könne die Begleitung von Kindern und Jugendlichen in zwei Lebensphasen eine „längerfristige und längerwirkende Verankerung mit Glaube und Kirche“ bewirken.

Für nicht getaufte Kinder gebe es durch KU3/8 schon vor der eigentlichen Konfirmationsphase eine Möglichkeit, Kirche kennenzulernen, wobei häufig auch der Wunsch, sich taufen zu lassen, entstehe. Für Getaufte sei es ein weiteres Angebot der kirchlichen Begleitung.

Fünf Jahre nach der Umstellung auf den Konfirmandenunterricht während der dritten und der achten Schulklasse trifft Pfarrer Heinemann in diesem Jahr erstmals eine Hauptkonfirmandengruppe wieder, die er bereits aus der Grundschulzeit kennt. „Alle, die damals dabei waren, sind wiedergekommen“, sagt der 44-Jährige.

Stabile Wohnsituation

Vorteil am Brasselsberg sei die stabile Wohnsituation. In Kirchengemeinden mit hoher Fluktuation sei es schwieriger, die früheren Konfirmandenstunden während der dritten Grundschulklasse umzusetzen, da es noch ein Ausnahmemodell sei. Wenn Jugendliche neu an den Brasselsberg ziehen, die keinen Konfirmandenunterricht in Klasse 3 hatten, will Heinemann eine Art kleines Gemeindepraktikum als Ersatz anbieten.

Von Katja Rudolph

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