Behinderung bleibt hohe Hürde - Kasseler Quote ernüchternd

Kassel. Auch die Schwerbehinderten profitieren von der guten Beschäftigungslage: Laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen waren seit 2005 noch nie so viele Arbeitnehmer mit Handicap in Lohn und Brot wie heute.

Doch der Blick in die Kasseler Region ist ernüchternd: Die Schwerbehinderung ist nach wie vor eine hohe Hürde.

Nach der Statistik des Landeswohlfahrtsverbands (LWV) erfüllt in Hessen nicht einmal jeder dritte Betrieb die gesetzliche Beschäftigungsquote von fünf Prozent schwerbehinderter Arbeitnehmer. Er zahlt lieber die so genannte Ausgleichsabgabe. 2005 schafften 28,7 Prozent der Unternehmen die Quote, 2011 waren es 31,7 Prozent. Zahlen für die Kasseler Region könne man nicht nennen, der Trend sei hier aber ähnlich, sagt Silke Bockhorst vom LWV.

Die Arbeitsagentur Kassel beobachtet, dass die Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten in den vergangenen sechs Jahren zurückgegangen ist, aber nicht im gleichen Maße wie die Gesamtarbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen sank von Juli 2007 bis Juli dieses Jahres im Agenturbezirk Kassel von 26.015 auf 20.061, bei den Schwerbehinderten von 1728 auf 1496 Arbeitssuchende. Damit ging die Arbeitslosigkeit insgesamt um 22, 9 Prozent zurück, bei den Schwerbehinderten aber nur um 13,4 Prozent. Dabei ist die Zahl von Menschen mit ausgewiesener Behinderung in Hessen seit 2005 um fast 13 Prozent gestiegen.

Viele Schwerbehinderte in den Betrieben seien hausgemacht, sagt Jürgen Rausch, Leiter des Schwerbehinderten-Arbeitskreises der IG Metall in Nordhessen. Auf Grund des hohen Arbeitstempos und der Arbeitsverdichtung litten viele Arbeitnehmer unter wachsenden körperlichen Beschwerden.

Silke Sennhen, Pressesprecherin der Arbeitsagentur, sieht die Ursache der schleppenden Bereitschaft von Unternehmen, Schwerbehinderte einzustellen in Unkenntnis und Vorurteilen begründet. „Viele kennen sich nicht aus, oder sie blenden das Thema aus“, sagt sie. Die Resonanz von Betrieben bei einer Börse für junge, gutausgebildete Fachkräfte mit Handicap sei enttäuschend gewesen, berichtet Sennhenn: „Da müssen noch dicke Bretter gebohrt werden.“ Es gebe aber auch zunehmend Betriebe, die angesichts des drohenden Fachkräftemangels das Potential von schwerbehinderten Arbeitnehmern erkennen.

Hohe Fehlzeiten, viele Krankheitstage, schwache Arbeitsleistung und Probleme bei der Kündigung: Solche Vorurteile erschwerten die Beschäftigung von gehandicapten Arbeitnehmern, sagt Bockhorst vom LWV: „Die müssen wir aus den Köpfen herausbekommen“.

Von Peter Dilling

Rubriklistenbild: © Albrecht E. Arnold / pixelio

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