Beamte fahnden im Netz

Behörde ermittelt Raser bei Facebook & Co.

Kassel. Öffentlich einsehbare Daten im Netz sind auch für Ordnungsbehörden interessant. Sie nutzen das Netz für ihre Ermittlungen. Bei schweren Tempoverstößen werfen etwa Beamte der Zentralen Bußgeldstelle des Regierungspräsidiums Kassel (RP) auch einen Blick ins Internet.

Über Fotos in sozialen Netzwerken und auf Firmeninternetseiten können sie so die Fahrer identifizieren, die auf Blitzerfotos zu erkennen sind. „Bei Google nach einem Namen zu suchen, ist heutzutage die einfachste Möglichkeit, einen Ermittlungsansatz zu bekommen“, sagt Jörg Wiegel, Sprecher des RP. Von der Internetrecherche werde aber nicht systematisch Gebrauch gemacht. Dies sei zu aufwendig. Nur in Einzelfällen und bei schweren Verstößen sei dies ein probates Mittel.

Lesen Sie auch

"Gefällt mir"-Angaben für Werbung genutzt: Facebook muss 20 Millionen Dollar zahlen

Gabriele Dombois, Leiterin der Bußgeldstelle, erläutert, dass die Suche im Netz etwa dann nützlich sei, wenn eine Person im Firmenwagen geblitzt wurde. Gerade wenn es um ein hohes Bußgeld oder Fahrverbot gehe, weigerten sich einige Firmen, den Fahrer zu benennen. „Wenn er in einem dicken Auto unterwegs war, reicht es oft, sich auf der Firmenseite den Geschäftsführer anzusehen“, sagt Dombois.

Auch die Polizei fahndet im Internet. „Wir nutzen soziale Netzwerke für unsere Ermittlungen“, sagt Polizeisprecher Thorsten Werner. Dazu würden öffentlich zugängliche Daten ausgewertet. So werde etwa auch Ebay nach Diebesgut durchforstet. Bei konkreten Hinweisen auf Straftaten würden nicht-öffentliche Daten vom Provider angefordert.

Das Kasseler Ordnungsamt nutzt das Internet nicht für Ermittlungen. Der Außendienst sucht die zu identifizierenden Fahrer persönlich auf.

Die behördliche Netzrecherche sei legitim, sagt Barbara Dembowski, Referatsleiterin im hessischen Datenschutzbüro. Die Ermittlungen dürften aber nicht wahllos erfolgen, sondern müssten das Verfahren voranbringen.

Von Bastian Ludwig

In der gedruckten Ausgabe am Dienstag lesen Sie außerdem: "Beamte dürfen mitlesen - Was Internetnutzer öffentlich ins Netz stellen, kann von Behörden genutzt werden"

Aus dem Archiv

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.