Foto zeigt Kassels scheidenden Oberbürgermeister kostümiert

Bei Fest der Mattenberger Ditib-Gemeinde: Hilgen gibt den Sultan - Kasseler Linke empört

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Im Sultanskostüm: Bertram Hilgen während des Moschee-Festes am 1. Mai in der Mattenberger Ditib-Gemeinde.  

Kassel. Ein Foto macht derzeit die Runde. Die Fraktion der Linken hat es verschickt – inklusive einer Pressemitteilung, in der sie auf ein Ereignis vom  1. Mai aufmerksam macht.

Auf dem Bild ist Kassels scheidender Oberbürgermeister Bertram Hilgen zu sehen, wie er auf einem Thron sitzt: kostümiert als Sultan, ein Schwert in der Hand. Die Frage ist nun: Was war denn da los?

Entstanden ist das Foto während eines Moschee-Festes der Mattenberger Ditib-Gemeinde an eben jenem 1. Mai. Hilgen war dort zu Gast, weil sich die Stadt auch als Mittler der Religionsgemeinschaften versteht, wie es aus dem Rathaus heißt. Die Gemeinde am Mattenberg sei ein wichtiger Ansprechpartner im interreligiösen Dialog, den im Übrigen auch das Land Hessen so betreibe.

Das also war der Hintergrund, weswegen Bertram Hilgen an jenem Tag das Fest besuchte – im Anzug, mit Krawatte. Er kam ja nicht schon als Sultan. Die Kostümierung geschah dann aus einer „spontanen Situation“ heraus und sei in einem folkloristischen Zusammenhang zu sehen, wie Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich erklärt. Hilgen wurde angesprochen, bekam Gewand und Kopfbedeckung – und dann saß er da plötzlich als Sultan auf dem Thron.

Das Ganze sei aber „in keinster Weise mit einer politischen Absicht“ geschehen, erklärt Happel-Emrich. Wie gesagt: alles reichlich spontan. Was halt so zukommt auf einen Politiker während eines Festes.

Das Problem ist nun, dass es dieses Foto gibt – und mit der Kasseler Linken einen Ankläger. Sie ist gleich mehrfach empört. Sie regt sich auf, dass der Oberbürgermeister überhaupt zu solch einer Veranstaltung geht. Schließlich stünde Ditib schon seit Längerem bundesweit in der Kritik – „als Ableger der türkischen Religionsbehörde, welche vom türkischen Präsidenten Erdogan kontrolliert wird“. In der Tat sorgt die türkisch-islamische Union immer wieder für teils heftige Diskussionen.

Das ist aber nicht alles. Die Kasseler Linke regt sich zudem auf, weil auf dem Fest auch Fahnen des osmanischen Reiches und der rechtsextremen türkischen Organisation „Graue Wölfe“ geschwenkt worden sein sollen. Aus dem Rathaus hieß es hierzu zunächst, dass dies Hilgen nicht bewusst gewesen sei. Später kam der Hinweis, dass es sich bei den Fahnen schwenkenden Menschen keineswegs um Mitglieder der „Grauen Wölfe“ gehandelt habe, sondern um Musiker einer Folkloregruppe, deren Fahnen denen der „Grauen Wölfe“ ähnelten. Das hätten die jüngsten Recherchen ergeben.

Fortsetzung folgt womöglich. Ilker Sengül, der integrationspolitische Sprecher der Kasseler Linke, kommt aber jetzt schon zu einem eindeutigen Fazit, was den etwas anderen Auftritt Hilgens anbelangt. Er spricht von einem Schlag ins Gesicht aller säkularen und fortschrittlichen Migranten, die seit Jahren daran arbeiteten, den Einfluss der türkischen Regierung in der türkischen Gemeinschaft zurückzudrängen. Das Thema soll jetzt vor dem Rechtsausschuss landen.

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