Wie dürfen sich die Mitarbeiter bei der Hitzewelle kleiden?

Bei Kasseler Firmen nachgefragt: Flipflop-Look ist trotz Hitze tabu

Kassel. In Büros, Amtsstuben und Verkaufsräumen stöhnen Mitarbeiter von Kasseler Unternehmen und Behörden unter der Hitze. Die Sehnsucht nach sommerlich-luftiger Garderobe ist groß.

Doch für Angestellte kann der morgendliche Griff in den Kleiderschrank durchaus zum sensiblen Etiketteproblem werden, da vielerorts ein Firmen-Dresscode gilt.

Der muss nicht mal ausdrücklich festgeschrieben und verkündet sein. Wer die Erwartungen seines Arbeitgebers einschätzen kann und befolgt, findet in diesen Hitzetagen öfters Anlass, beim Teeküchen-Schwätzchen über zu leger gekleidete Kolleginnen und Kollegen zu lästern. Mahnende Worte vom Vorgesetzten scheinen in Kassel jedoch eine Seltenheit zu sein, wie eine kurze Rundfrage der HNA ergab:

Kasseler Bank

Bei der Kasseler Bank gibt es – wie auch bei anderen Geldinstituten – feste Kleidungsstandards, die laut Sprecherin Christina Hackenberg unabhängig von den Temperaturen gelten. Anzug, formelles Hemd und Krawatte seien für die Banker unverzichtbar. Das sei auch allen bewusst.

Die Kolleginnen könnten sich neben einem Hosenanzug oder Kostüm auch für eine Kombination aus klassischer Hose oder klassischem Rock („natürlich nicht zu kurz“) mit Bluse, Shirt oder elegantem Pulli entscheiden, erläuterte Hackenberg. Für die Bank-Mitarbeiterinnen gelte, dass die Schultern „weitestgehend“ und die Zehen im Schuhwerk vollständig bedeckt sein sollen.

„Bei großer Hitze legen wir es natürlich in die Eigenverantwortung des Mitarbeiters, entsprechend zu reagieren“, sagte die Bank-Sprecherin. Männer könnten zum Beispiel ihr Sakko ablegen „und wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist, auch die Hemdsärmel hochkrempeln“.

Galeria Kaufhof

Die Galeria Kaufhof schreibt ihren etwa 200 Mitarbeitern, von denen die meisten Kundenkontakt haben, keinen generellen Dresscode vor. „Die Kleidung muss nur ordentlich und der jeweiligen Abteilung angemessen sein“, sagte Personalleiter Joachim Alwes. Seit mindestens zehn Jahren habe es keinen Grund für Klagen gegeben. Das liegt laut Alwes vielleicht auch mit daran, dass in dem vollklimatisierten Kaufhaus relativ angenehme Temperaturen herrschen, bei denen man sich auch in vollständiger Garderobe wohlfühle. Sommerlich luftige Kleidung beim Verkaufspersonal sei aber auf jeden Fall okay, sagte Alwes: „Wir reglementieren da ganz wenig.“

Was der Kaufhof-Personalchef weniger in Ordnung fände, wären kurze Hosen oder bauchfreie Damen-Tops: „Das wäre bei uns im Haus nicht angemessen und ist der Freizeit vorbehalten.“

K+S

In der Kasseler Zentrale des Kali- und Salzkonzerns K+S mit rund 800 Mitarbeitern „läuft auch bei diesen Temperaturen sicher kein Herr mit kurzer Hose und Flipflops herum“, sagt K+S-Sprecher Michael Wudonig. Der Kleidungsstil im Haus sei derzeit wegen der Hitze wohl etwas inoffizieller und legerer, „aber jedenfalls nicht zu freizeitmäßig“. Feste Regeln gebe das Unternehmen nicht aus: „Wir setzen da absolut auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und sind auch der Meinung, dass das gut läuft.“

Wie formell sich die K+S-Beschäftigten kleiden, werde etwas flexibel gehandhabt – wer Kunden- oder Vorstandskontakte habe, für den gelten tendeziell etwas höhere Garderobenstandards. „Aber auch unsere Vorstände werden im Haus öfter mal ohne Krawatte gesehen.“ Er selbst, so Wudonig, habe wegen der aktuellen Hitze zu Kurzarm-Hemd gegriffen, und das gelte durchaus als okay.

Friedrichsgymnasium

In vielen Firmen sind die Kleidungsregeln transparent. Was aber ist mit den Lehrkräften an Schulen? Dürfen die bei Hitze ähnlich sonnenanbeterisch gekleidet zum Unterricht kommen wie viele ihrer Schüler? Dr. Lothar Schöppner, Schulleiter des Friedrichsgymnasiums (FG), möchte beim Lehrpersonal gewisse Kleidungsstandards gewahrt sehen: „Obszöne Kleidung brauchen wir im Schuldienst nicht“, sagte er und führte „superknappe Hotpants“ oder Muskelshirts als Beispiele an, die „ich hier eigentlich nicht sehen“ möchte.

Derlei sei aber im 66-köpfigen Kollegium nicht zu beobachten. „Alle sind dem Wetter angemesen für den Dienst gekleidet“ – aber eben angemessen, betonte Schöppner. Jeweils zum Einstand gebe er Neu-Kollegen einen Hinweis über die Gepflogenheiten am FG. Dabei komme auch mal die Frage auf, ob im Sommer sichtbare Tattoos auf Lehr-Körpern okay seien. Schöppner: „Damit habe ich kein Problem.“

Rubriklistenbild: © Pixabay

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