Familie Dogrul führt ein Restaurant, isst aber im Ramadan tagsüber keinen Bissen

Beim Kochen wird gefastet

Gastfreundlich: Die türkische Familie Dogrul - von links Nihal, Bahtiye und Naci - bewirtet die Gäste in ihrem Restaurant Là truva. Selbst verzichten sie im Ramadan, der in diesem Jahr noch bis zum 9. September andauert, tagsüber auf jedes Essen und Trinken. Foto: Fischer

Kassel. Manchmal knurrt er schon, der Magen. Sogar laut, sagt Nihal Dogrul. Aber das sei nicht schlimm. „So ist das nun mal, wenn man im Ramadan fastet.“ Schließlich dauere es ja nicht mehr lang, und mit Beginn der Nacht - heute ab 20.43 Uhr - dürfe das Fasten ja gebrochen werden. Darauf freue sie sich schon sehr: auf die zuckertriefenden türkischen Süßigkeiten, Bakhlawa, etwa. Das sind komische Gelüste im Ramadan, sagt sie lachend: „Sonst esse ich nämlich so gut wie nie Süßes.“

Die 24-jährige Architekturstudentin arbeitet in den Semesterferien im neu eröffneten Restaurant Là truva ihrer Eltern, Kohlenstraße 11. Im Gegensatz zur Tochter sind Vater Naci und Mutter Bahtiye schon erfahrene Profis im Ramadan-Fasten und gleichzeitigem Essen-Zubereiten. Bevor Naci sein eigenes Restaurant eröffnete, arbeitete er bereits in der Küche eines türkischen Restaurants am Mattenberg.

Während Naci Dogrul den Pizza-Teig walkt, ist ihm nicht anzumerken, dass er am heutigen Tag noch keinen Schluck getrunken und keine Krume gegessen hat. Er lächelt. „Das ist Selbstbeherrschung“, sagt er.

Auch wenn er kein sehr strenger Muslim sei, gehöre das Fasten im Ramadan für seine Familie zur Religion dazu. Das sei mehr als nur Tradition. Man könne sich besser in seine Gedanken vertiefen, wenn man nicht von mehreren Mahlzeiten abgelenkt ist.

Zum Fastenbrechen am Abend werden sich im Restaurant der Dogruls dann viele Muslime einfinden und neben der typischen Fastenbrecher-Speise, getrockneten Datteln, Leckeres aus Nacis Küche verspeisen. „Es gibt so manchen, der nimmt im Ramadan sogar zu statt ab, denn das nächtliche Essen kann gut auf die Hüften gehen“, sagt Nihal. Lachend fügt sie hinzu: „Bei mir zum Glück nicht.“

Ein Video zum Thema Ramadan gibt es im Internet unter www.hna.de/video

Von Christina Hein

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