Herkules-Racing-Team der Uni Kassel startete erstmals bei Studenten-Rennen auf dem Hockenheimring

Beim Motorenlärm unschlagbar

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Laute Premiere: Mit dem Herkules-Racing-Team gingen erstmals Studenten der Uni Kassel bei der Formula Student Germany an den Start. Aufgrund eines Motorschadens landeten sie im Mittelfeld, ihr Auto war jedoch mit 135 Dezibel das lauteste, das jemals an den Start gegangen ist.

Kassel. Schumacher, Vettel und Co. kennen das Problem: Da tüfteln sie nächtelang an ihrem Formel-1-Auto, testen was das Zeug hält und dann streikt beim Rennen plötzlich der Motor.

Dem Herkules-Racing-Team der Uni Kassel erging es bei der „Formula Student Germany“ am vergangenen Wochenende ähnlich: Ausgerechnet beim Ausdauerrennen auf dem legendären Hockenheimring springt nach einem Fahrerwechsel plötzlich der Motor nicht mehr an. Aus und vorbei nach 14 von 28 Runden. Doch die Kasseler werten ihren ersten Auftritt beim studentischen Konstruktionswettbewerb als Erfolg: In der Gesamtwertung wurden sie die besten Neulinge.

„Das war auch unser Ziel“, sagt Christopher Hildebrandt. Der 25-Jährige ist einer der 60 Studenten, die mit Unterstützung des Fachbereichs Maschinenbau binnen zwei Jahren einen eigenen Rennwagen konstruiert und sich bei dem mehrtägigen Wettbewerb der Konkurrenz von 108 Teams aus 25 Nationen gestellt haben. Da die Teilnehmer verschiedene Disziplinen absolvieren mussten, hatten sich die Kasseler in der Vorbereitung je nach Studiengang in Gruppen aufgeteilt. Hildebrandt (Wirtschaftsingenieurwesen) hat unter anderem 30 Sponsoren angeworben. „Wenn man alles zusammenzählt, hat das Projekt 150 000 Euro gekostet“, schätzt er. Während Studenten der Kasseler Kunsthochschule das Design des Flitzers entwarfen, tüftelten Mechatronik-Studenten an der Elektronik und Maschinenbau-Studenten am Motor sowie am Fahrwerk.

„Für ein Newcomer-Team haben wir für unser Auto sehr viel Lob von der Jury bekommen“, sagt Teamleiter Jakob Müller (Maschinenbau). Bis zum Motorproblem hätten sie im Rennen zwischenzeitlich gar in den Top 20 gelegen, berichtet der 24-Jährige. Der kleine Motor (599 ccm) leistet 78 PS und beschleunigt den Einsitzer auf Tempo 180. „Die Rundenzeiten waren echt spitze“, sagt er. Dabei sei ihr Bolide mit 325 Kilogramm relativ schwer gewesen.

Auch wenn es am Ende nur zum 62. Platz reichte - „wir haben sehr viel gelernt“, sagt Hildebrandt. Einen eigenen Formelrennwagen im Rahmen des Studiums bauen zu dürfen, sei eine unvergessliche Erfahrung für alle Beteiligten.

In einem Punkt ließen die Kasseler übrigens besonders aufhorchen: Ihr Auto war mit mehr als 135 Dezibel (entspricht dem Triebwerk eines Düsenjets in 30 Metern Entfernung) das lauteste, das je bei der FSG angetreten ist. „Da haben sogar die Messgeräte der Dekra schlappgemacht“, sagt Müller mit einem Grinsen. Schließlich gehöre zu einem echten Rennwagen auch ein gewisser Motorenlärm.

Kaum sind die motorsportbegeisterten Nachwuchsingenieure wieder in Kassel, planen sie bereits ihren Start 2012. Für Schumacher, Vettel und Co. gilt schließlich auch: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen.

www.herkulesracing.de

Von Sebastian Schaffner

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