Alte Melodien wecken Erinnerungen

Beim Tanz Erinnerungen wecken: Projekt Tanzen mit Demenzkranken gestartet

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Tanz mit Tüchern: Ute Simon-Polak (vorne rechts) animiert die Teilnehmer, mit bunten Tüchern zu alten Melodien zu tanzen. Helga Engelke (vorn links), Vorsitzende des Rot-Weiss-Klubs Kassel und des Seniorenbeirates, macht mit.

Zum ersten Mal fand das Projekt "VergissMeinnicht - Tanzen mit Demenzerkrankten" im Tanzzentrum Auepark des Rot-Weiss-Klubs Kassel statt. 

„Du, du liegst mir am Herzen“, ertönt aus den Lautsprechern. Ruhig bewegt sich das Ehepaar Werner, das seit 52 Jahren verheiratet ist, auf dem Parkett. Schritt für Schritt folgen Gisela und Wolfgang Werner dem Drei-Viertel-Takt, drehen sich dabei um sich selbst, schauen sich in die Augen. Immer wieder huscht ein Lächeln über ihre Gesichter.

Discofox sei ihr Lieblingstanz gewesen, sagt Gisela Werner (71). Seit Wolfgang Werner (72) an Demenz erkrankt ist, könne das Paar aber dem gemeinsamen Hobby nicht mehr so nachgehen wie zuvor. „Aber der Walzer klappt noch hervorragend“, sagt Gisela Werner. Das Projekt „VergissMeinnicht – Tanzen mit Demenzerkrankten“ sei eine gute Gelegenheit, das einmal auszuprobieren.

Zum ersten Mal fand dieses Projekt im Tanzzentrum Auepark des Rot-Weiss-Klubs Kassel statt, mehrere Senioren sind der Einladung gefolgt. „Ich freue mich riesig, dass es nun beginnt“, sagt Helga Engelke, Vorsitzende des Rot-Weiss-Klubs Kassel und des Seniorenbeirates. Zwei Jahre hätten die Planungen gedauert für das Inklusionsprojekt, das zuletzt im Wettbewerb „Modellregion Inklusion – Ein sportlich bewegtes Kassel für alle“ prämiert wurde.

„Tanzen ist die beste Möglichkeit, das Risiko an Demenz zu erkranken zu senken“, sagt Pflegepädagogin Ute Simon-Polak, die das Tanzprojekt leitet. „Die Bewegungen beim Tanzen fördern gleich mehrere Funktionen im Gehirn.“

Tanzen Walzer: das Ehepaar Gisela und Wolfgang Werner.

Davon profitieren laut Simon-Polak auch Menschen, die an Demenz erkrankt sind. „Menschen mit Demenz können ihre Umwelt teilweise nicht mehr wahrnehmen, aber ihre Emotionen bleiben.“ Die Musik wecke Erinnerungen und mobilisiere, daher seien in das Programm auch immer alte Melodien eingeplant.

„Das kommt natürlich auch auf die Biografie des Menschen an. Wer welche Lieder mag, erfrage ich.“ Die Aktivität des Bewegens wiederum sorge für Wohlbefinden. „Und das schafft Selbstbewusstsein bei dem Menschen.“ In nahezu jedem Stadium der Krankheit könne man mit dem Tanzen beginnen. Getanzt wird auf dem Parkett, im Sitzen, mit Tüchern, und auch Singen steht auf dem Programm.

Engelke fügt hinzu: „Auch die Gemeinschaft wird gefördert. Sobald die Teilnehmer an einem Tisch sitzen, fangen sie an zu schnuddeln. Tanzen verbindet eben.“

Service: „VergissMeinnicht – Tanzen mit Demenzerkrankten“ findet wieder am Mittwoch, 8. Mai, Tanzzentrum Auepark, Damaschkestraße 10, statt. Teilnahme kostenlos, keine Anmeldung erforderlich.

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